Lärmgeplagt an der B229: Verwaltung muss Aktionsplan aufstellen

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Neuenrades lärmlastigster Bereich ist entlang der B229.

Neuenrade - 11 Uhr an der Ersten Straße: Es rappelt, scheppert und rauscht, gefolgt von einem warmen und staubigen Luftzug – dann ist der Lastwagen vorbei und der nächste ist schon in Sicht. Etliche Autos surren in schneller Folge an den wenigen Fußgängern vorbei, halten dicht auf dicht an der Ampel, Musik dröhnt aus den Autofenstern.

Wer hier, direkt an der B229 wohnt oder arbeitet, der muss – bislang – mit Dreck und Lärm zurecht kommen. 

Zumindest um den Lärm haben sich Verantwortliche der Europäischen Union Gedanken gemacht und eine Richtlinie zur Lärmverminderung erlassen. Im Fokus hat die EU dabei vor allem den Umgebungslärm. Am Ende soll die Gesundheit der Bürger in Europa besser geschützt werden. Jetzt geht es an die Umsetzung, für die das Land und am langen Ende eben die Kommunen zuständig sind. Die Stadt Neuenrade muss nun einen Lärmaktionsplan aufstellen. Und Neuenrade hat in der Tat eine Problemzone: Entlang der B229 im Innenstadt-Bereich. 

Das lässt sich an einer Karte sehen, die eine Landesbehörde erstellt hat: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Die haben eine Lärmkartierung für die Kommunen erarbeitet. Und für Neuenrade spielt eben die Lärmbelastung entlang der B229 (Erste Straße / Werdohler Straße / Bahnhofstraße) eine Rolle. Als Datenbasis für die Berechnung der Lärmkarten wurden von der zuständigen Stelle nur die Hauptverkehrsstraßen ausgewertet. Zudem muss eine Mindestbelastung an Fahrzeugen vorhanden sein. Grundlage für die Neuenrader Daten waren zudem Zählungen, welche das Landesamt eben in Karten eingearbeitet hat. 

Vorschläge zur Lärmverminderung

Die Stadt Neuenrade muss aufgrund der Daten daher einen Lärmaktionsplan der 3. Stufe erarbeiten. Teil dieses Aktionsplans ist eben die frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit. Noch bis zum 31. Mai haben unter anderem Bürger daher die Gelegenheit, Stellung zu beziehen oder Vorschläge zur Lärmminimierung zu machen. Dazu reicht in der Regel ein Brief oder eine E-Mail an die Verwaltung (post@neuenrade.de). 

Die Stadtverwaltung hat nun ein Fachbüro mit der Ausarbeitung eines Entwurfs des Lärmaktionsplans beauftragt. Das Ingenieurbüro präsentiert in einem Zwischenbericht nun noch einmal die Faktenlage: Wer demnach in Neuenrade direkt an der B 229 wohnt, hat schlechte Karten. Er sitzt im roten bis violetten Bereich und muss aktuell mit Lärm leicht unterhalb und jenseits der 70 Dezibel klarkommen. Knapp 120 Menschen sind es, die im 24-Stunden-Zeitraum 70 Dezibel ausgesetzt sind. Rund 170 Menschen müssen mit 60 Dezibel nächtens leben. „Und für Gebäude mit einer sehr hohen Belastung über 70/60 dB(A) Tag/Nacht sollten in der Lärmaktionsplanung Maßnahmen entwickelt werden“. 

Nächtlicher Beurteilungszeitraum ist von Belang

In Neuenrade ist der nächtliche Beurteilungszeitraum von Belang, da in diesem Zeitraum eine größere Anzahl von Personen betroffen ist“, schreibt Dipl. Geogr. Ralf Pröpper vom beauftragten Fachbüro. Zur Einordnung: 70 Dezibel vergleichen Experten mit einem laufenden Wasserkocher, mit Staubsaugerlärm oder laufendem Wasserhahn. 65 Dezibel das entspricht einem normalen Gespräch, einer laufenden Nähmaschine oder einem Fernseher in Zimmerlautstärke. 75 Dezibel – das soll schon einer Waschmaschine im Schleudergang entsprechen, so steht es zum Besipiel auf der Homepage der Hör-Akustik eG. Lärm ruft natürlich auch die Berufsgenossenschaft auf den Plan. Bereits ab 80 Dezibel sind Lärmschutzmaßnahmen nötig, heißt es in den Vorschriften. 

Maßnahmen zur Lärmvermeidung 

Das beauftragte Fachbüro wartet nun ab, was an Vorschlägen und Hinweisen von der Bevölkerung kommt und wird das mit eigenen Lärmschutz-Vorschlägen verarbeiten. Der Maßnahmenkatalog kann dann von Flüsterasphalt über Befestigung loser Gullideckel bis hin zur Geschwindigkeitsreduzierung reichen. Auch Fördermittel für schallreduzierende Fenster sind möglich. Was Maßnahmen auf der Fahrbahn angeht, so ist Straßenbaulastträger der Bund/das Land. Die Behörden müssen hier zum Beispiel wegen einer Geschwindigkeitsreduzierung ihre Einwilligung gegen und müssten gegebenenfalls Flüsterasphalt bezahlen. Für die Gullideckel ist die Stadt zuständig. Auch Lärmschutzwände sind möglich aber wohl kaum an der Ersten Straße zu installieren. Übrigens: Auch eine Umgehungsstraße kann durchaus eine Lärmschutzmaßnahme sein. Da ist bekanntlich eine in Planung. 

Wie Bürger den Verkehr erleben

Was Verkehrslärm bedeutet, beschreiben Anwohner der Ersten Straße. Florian Weil zum Beispiel: „Wenn wir das Fenster zur Ersten Straße aufmachen, können wir nicht fernsehen, so laut ist es.“ Und lüften könne er nur nach hinten raus. Doch gottlob seien die Fenster wirklich gut schallisoliert. 

Hans-Werner Pietschmann hat gerade an der Ersten Straße zu tun und ist froh, dass er an der Südstraße wohnt: „Hier würde ich nicht hinziehen.“ Passant Martin Langohr sagt zum Verkehrslärm an der Ersten Straße: „Die habens verpasst, eine Umgehungsstraße zu bauen.“ Auch er hat durchaus Erfahrungen mit der Bundesstraße. So hat er von 1954 bis 1972 an der Bahnhofstraße gewohnt. Damals sei aber das Verkehrsaufkommen eher bescheiden gewesen. 

Volker Cremer, Inhaber von Kettler-Cremer (Erste Straße), sagt, dass er sich schon längst an den Verkehrslärm gewöhnt habe und das gar nicht mehr höre. Nur beim Telefonieren müsse er die Tür schon zu machen. Auch der Schmutz nerve. Besonders schlimm sei es mit dem Verkehr zwischen 15 und 17 Uhr. Dann ist Feierabendverkehr und häufig gibt es Staus. Volker Cremer wohnt nicht an der Ersten Straße, sondern in Garbeck: „Da ist es ruhig.“

Von Peter von der Beck

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