Lärmaktionsplan: Flüsterasphalt ist keine Option

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Lärmgeplagt durch den Straßenverkehr sind die Anwohner der Ersten Straße. Der Straßenbelag spielt dabei eine wichtige Rolle.

Neuenrade - Die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses empfehlen dem Rat, den Lärmaktionsplan Stufe 3 zu beschließen. Hintergrund der Beschlussempfehlung ist eine EG-Richtlinie, welche nun die Kommunen umsetzen müssen.

Dazu hatte die Neuenrader Verwaltung im Vorfeld einen Fachmann beauftragt, der aufgrund der vorhandenen Datenlage die Lärmsituation analysierte. Demnach sind im Verlaufe von 24 Stunden 117 Menschen in Neuenrade Lärm von mehr als 70 Dezibel ausgesetzt – im Bereich Werdohler Straße/Erste Straße/ Bahnhofstraße. 

Die Erkenntnisse wurden veröffentlicht, die Bürger zur Mitwirkung aufgerufen. Sie sollten Eingaben tätigen, Vorschläge zur Lärmvermeidung machen. Fünf Eingaben gab es, darunter von der IG B229n, auch weil die Realisierung der Umgehungsstraße im Rahmen der Lärmreduzierung eine wichtige Rolle spielt. 

Auch Karussell als Lärmverursacher 

Die Vorschläge der Bürger reichten dabei von Geschwindigkeitskontrollen für Motorräder, Erneuerung des Straßenbelags, besserer Koordinierung der Ampelschaltung und nächtliche Abschaltung der Anlagen (IG B229n), Einbau von Schallschutzfenstern bis zum Verzicht auf Autos und Verlagerung des Individualverkehrs auf emmissionsarme Antriebe (IG B229n). Auch Flüsterasphalt wurde angeregt. Kreisverkehr statt Ampelanlage, Einschränkung des Linksabbiegerverkehrs (IG B229n) gehörten ebenso zu den Vorschlägen. 

Übrigens wurde auch das dudelnde Karussell als Lärmverursacher angeführt. „Es ist eine wirkliche Tortur, diese Dudelei während drei Stunden zu ertragen“, wenn man sich im Garten aufhalte. Vielleicht genüge ja ein „kurze Eröffnungsmusik, um auf den Beginn aufmerksam zu machen“. 

Vorwurf: Umgehung verlagert Problem nur 

Andere wiesen darauf hin, dass auch die Lärmbelastung in Küntrop hoch sei. Zudem gibt es nicht nur eine Eingabe, die auf die geplante Umgehungsstraße eingeht. Die müsse doch sinnvollerweise ortsfern sein, sonst verlagere man doch das Problem der Lärmbelastung nur. 

Wie auch immer: In der Bewertung schloss der Gutachter gleich den Einsatz von Flüsterasphalt aus: Die Anzahl der betroffenen Personen sei wohl zu gering, so dass „die Kosten für den Einsatz (...) nicht gerechtfertigt sind“. Und schließlich favorisiere die Stadt eine Umgehungsstraße, die zur Reduzierung des Verkehrs im neuralgischen Bereich führe. Allein deshalb sei der Einsatz von Flüsterasphalt nicht machbar. Auch senke ein Kreisverkehr nicht wesentlich den Lärmpegel und eine Reduzierung des Linksabbiegerverkehrs verbiete sich meist aus sicherheitsrelevanten Erwägungen. 

Umgehung als langfristige Maßnahme 

Der Gutachter führte während der Sitzung zudem aus, dass manche lärmreduzierunde Maßnahmen nur wenig Effekt hätten. Bepflanzungen hätten zum Beispiel nur ein psychologische Wirkung. Auch eine Halbierung der Verkehrsmenge – bei gleichbleibender Verkehrszusammensetzung – bewirke lediglich eine Veränderung um 3 Dezibel. Um eine Verringerung der Lärmbelastung um 1 Dezibel zu erzielen, müsse die Verkehrsmenge um 20 Prozent verringert werden. Und bei Lastwagen? Die Veränderung des Lkw-Anteils am Verkehrsaufkommen von beispielsweise zehn Prozent auf fünf Prozent bewirkt eine Reduzierung der Lärmbelastung um 1 Dezibel. Die Reduzierung der Geschwindigkeit bringt zudem weitere Lärmminderung. 

Kurzfristige Maßnahmen zur Lärmminderung sind demnach: Ordentlichen Fahrbahnbelag gewährleisten, für einen guten Verkehrsfluss sorgen, digitale Hinweistafeln für Geschwindigkeit anbringen, Förderung von passiven Schallschutzfenstern (Antrag beim Landesbetrieb möglich), verbesserte Angebote zur Nutzung des Personennahverkehrs/ Förderung von Fahrradfahrern. 

Als langfristige Maßnahme sieht der Gutachter eben die Umgehungsstraße. Dadurch werde die Zahl der Fahrzeuge erheblich reduziert, die Pegel könnten um bis zu drei dB(A) sinken. Außerdem könne dann die Werdohler Straße/ Erste Straße/Bahnhofstraße zur Kreis- und Gemeindestraße heruntergestuft werden, was für die Stadt neue Option zur Lärmreduzierung ermöglichen würde. Auch neue Rahmenbedingungen zur Verminderung des Individualverkehrs sollte es geben. 

Wird der Lärmaktionsplan vom Rat beschlossen, so ist in fünf Jahren eine Überarbeitung mit neuen Erkenntnissen möglich.

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