Kyrill noch Jahrzehnte spürbar

Revierförster Franz-Josef Stein informierte im Rahmen der Märkischen Waldtage über die Folgen des Kyrill-Sturms. - Fotos: Jentzsch

NEUENRADE -  Im Januar 2007 hatte der Orkan Kyrill immense Schäden verursacht und Spuren hinterlassen, die noch heute sichbar sind. Vor allem am Kohlberg, wo mit etwa 500 Hektar eine der größten zusammenhängen Kahlflächen zu finden ist, werden etliche Jahrzehnte ins Land ziehen bis der ehemalige Zustand wiederhergestellt sein wird.

Diese und etliche weitere Informationen rund um das Thema Wald gab Revierförster Franz-Josef Stein im Rahmen der Märkischen Waldtage am Samstag einer Gruppe von Interessierten mit auf den Weg. Rund drei Stunden hatte der Revierförster für die vier Kilometer lange Strecke veranschlagt und informiert die Gruppe umfassend zu allen Aspekten des Waldes.

57 Quadratkilometer sei das Revier groß. Die 2200 Hektar Waldfläche verteilen sich auf rund 500 Waldbesitzer, erklärte Stein zu Beginn der Tour unterhalb des Quitmann-Turms. Vor Kyrill seien pro Jahr zwischen 10 und 12 Tausend Festmeter Holz geschlagen worden. Seitdem habe sich das Volumen auf nur noch vier bis fünftausend reduziert. Und das würde noch über einen langen Zeitraum so bleiben, weil Kyrill immens viel mittelaltes und altes Holz „erwischt hätte“, fügte der Fachmann hinzu. „Hier ist in einer Nacht das Holz gefallen, dass normalerweise in 25 Jahren geschlagen wird.“

Allein die Aufräumarbeiten nahmen zwei Jahre in Anspruch, weil die heimische Region mit am stärksten betroffen war. Revierförster Franz-Josef Stein beleuchtete aber nicht nur die negativen Seiten des einschneidenden Ereignisses. Hinsichtlich des Klimawandels sei es ohnehin sinnvoll gewesen, den Wald schonend „umzuwandeln“ – unter anderem mehr Laubbäume anzupflanzen. Das hätte aber Jahrzehnte gedauert. „Hier bietet sich nun die Chance, den Wald auf einen Schlag umzuwandeln“, erklärte Stein.

Kürzlich wäre der UN-Klimabericht unter anderem mit detaillierten Analysen der klimatischen Veränderungen in der zurückliegenden Dekade beziehungsweise seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1750 veröffentlicht worden, informierte Stein. Der Kohlendioxid-Anteil in der Luft ist seit 1750 um 40 Prozent gestiegen, der Methan-Anteil hat sich sogar um 158 Prozent erhöht – dramatische Werte. Die Vorfreude auf mediterranes Klima im Sauerland musste der Revierförster dämpfen. Der Wald ist ein komplexes System, das von etlichen Faktoren abhängig ist. Änderungen der Temperaturen und der Niederschlagsmenge haben gravierende Einflüsse. Man dürfe nicht vergessen, so Stein, dass die Region auch wirtschaftlich vom Wald abhängig sei. Die Bedeutung des Waldes gehe weit über den Erholungsfaktor hinaus, betonte Stein. „Der Wald ist eine Lebensgrundlage“, sagte der Förster und hofft, dass die Flora den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist.

Von Markus Jentzsch

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