Neue Projekte von Katja Losch

Katja Losch hat viel vor: Deshalb gibt sie auch ihre Funktion als Bufdi auf. Außerdem zieht sie nach Neuenrade und bleibt der Kiku auch erhalten. - Foto: Koll

NEUENRADE - „Da hat jemand einen Topf voller Sterne und schüttet die über mir aus“, sagt Katja Losch. Die junge Bundesfreiwilligendienst-Leistende (Bufdi) von der Kiku umschreibt mit diesen Worten, das Glück, welches sie in Neuenrade gefunden habe. Für sie Grund genug, nach Neuenrade zu ziehen. Aktuell renoviere sie die Wohnung. Zum 1. Januar werde sie Neuenraderin.

Vorher schon, zum 1. Dezember, gebe sie ihr Bufdi-Dasein auf. Die Altenaer Pflegeeinrichtung Kohlberghaus, wo sie seit 2012 für zwei Stunden pro Woche als Honorarkraft arbeite, hat der Kunsttherapeutin eine halbe Stelle angeboten, die sie zum kommenden Monat antrete.

Und deswegen forciert sie nun eine alte Idee. Seit Dezember 2012 sammelt sie Bilder, die die Bewohner unter ihrer Anleitung malen. „Bei der Kreativität, die da herrscht, entstehen so viele Kunstwerke, dass ich nicht allein ausreiche, die angemessen zu würdigen.“ Deshalb will sie die Werke in mehreren Büchern zusammenfassen. „In between“ soll das Buchprojekt heißen.

„Etwa 40 Bilder sollen in ein Buch – höchstens vier von einem Bewohner“, umschreibt sie ihre Pläne. „Es sollen schmale Büchlein bleiben, keine dicken Schinken, damit jeder Leser noch Lust hat, es durchzublättern.“

In einem Vorwort erklärt Losch das Wesen der Kunsttherapie und des Kohlberghauses. Zu den Bildern stellt sie ihre Beobachtungen. Sie wolle Gefühle transportieren. „Es muss ja nicht nur anerkannt werden, was die Leute malen, sondern auch wie sie es tun.“ Ihre begleitenden Worte könnten auch Volkslieder oder Gedichte sein; die Lyrik schreibe sie gegebenenfalls auch selbst.

„Die Bewohner im Kohlberghaus sind ja nicht einfach Irre. Das sind ganz tolle Menschen, die auf ihrer individuellen Art und Weise malen. Das sind ganz starke Persönlichkeiten. Da entstehen faszinierende Dinge.“

Manchmal hänge sie zum Feierabend den Gesprächen mit den Kohlberg-Bewohnern noch lange nach: „Die erklären mir manchmal die Welt, so wie ich sie noch nie gesehen habe.“ Losch überlegt und schiebt hinterher: „Sie wecken meine Neugierde. Dann betont sie: „Das Kohlberghaus steht unter einem schattigen Stern. Das finde ich totalen Blödsinn.“

Sie wolle Hemmschwellen aufbrechen: „Ich will ein Licht auf Dinge werfen, vor denen viele Angst haben, ihnen zu begegnen.“ Und beim Malen mit den Bewohnern geschehe viel mehr als nur hier und da ein Bild. „Vielleicht haben die Bewohner und ich ja auch einen Konflikt aufgelöst bei der Arbeit?“ Die Kohlberg-Bewohner sollen im Buch nicht anonymisiert werden. Fotos der Künstler sollen jedoch auch nicht abgedruckt werden. Künstler seien sie indes aber in jedem Fall. Losch: „Viele Menschen verwechseln ja Kunst mit Dekoration.“

Dann erzählt sie von einer Bewohnerin: „Die malt immer nur Striche, die am Ende aber ein Ganzes ergeben. Das unterliegt dann einer Logik, die sich mir völlig verschließt.“ Aber Losch meint: „Der Mal-Prozess ist mehr als spannend. Das ist genial.“

Das erste Buch will Losch bis März/April fertig haben. Erscheinen soll es dann im Sommer 2014. Jeder Bewohner des Kohlberghauses soll ein Exemplar erhalten. Rund 30 weitere sollen in einer ersten Auflage in den freien Verkauf gelangen. Weitere Ausgaben der Buch-Reihe sollen „ziemlich flott“ folgen – mindestens eines pro Jahr.

Jetzt aber ziehe sie erst einmal um: „Ich habe mich für die Kiku und für Neuenrade entschieden. Die Stadt ist einfach niedlich. Und die Kiku ist wie ein Sechser im Lotto für mich. Das wird toll hier.“ Auch ohne Bufdi zu sein, werde sie weiterhin Kurse in der Kiku geben.

Und die Idee, selbst eine Ausstellung zu geben – mit eigenen Bildern – habe sie nach wie vor nicht aufgegeben. „Neuenrade und die Menschen hier inspirieren mich.“ Noch 2014 solle es etwas werden mit einer eigenen Werkschau.

Für das Buchprojekt sucht Losch noch Sponsoren. Spenden sollen in der Kiku oder im Kohlberghaus abgegeben werden. „Ich nenne bewusst keine Kontoverbindung. Spender sollen sich auf den Weg machen. Dann ist es den Leuten mit ihrer Spende auch etwas ernster“, sagt die Kunsttherapeutin. Weiterhin plant Losch auch eine Ausstellung der Bilder aus dem Kohlberghaus. Dafür sucht sie noch einen Ausstellungsort.

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Von Michael Koll

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