Pinsel anstelle von Bomben

Kunststudentin aus dem Irak hilft in der Kiku

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Die 34-jährige Irakerin Taghreed Raad unterstützt Kiku-Leiterin Irmhild Hartstein in der Zwergenwerkstatt. Vor ihrer Flucht aus dem Irak hatte sie in Bagdad Kunst studiert.

Neuenrade - „Ich hoffe, dass sie bleiben kann“, sagt Kiku-Leiterin Irmhild Hartstein über Taghreed Raad. Die Irakerin arbeitet sei zwei Monaten in der Werkstatt. An der Arbeit dort habe die 34-Jährige viel Spaß, wie sie betont.

Von 2003 bis 2007 hatte Raad an der al-Mustansiriyya-Universität in Bagdad Kunst studiert. Dabei wollte sie eigentlich viel lieber Journalistin werden, wie sie erzählt. Ihr Bruder habe damals aber gesagt, dass dies „kein Beruf für eine Frau im Irak sei“. 

An der Universität den Ehemann kennengelernt

Sie suchte nach Alternativen und wurde schließlich für ein Kunststudium zugelassen. An der Universität habe sie auch ihren Mann kennengelernt, berichtet sie mit freudestrahlenden Augen. „Der ist wirklich sehr freundlich“, findet auch Hartstein. 

Das Kunststudium sei sehr umfassend gewesen, berichtet Raad weiter. So hätten die Studenten nicht nur gezeichnet, sondern auch mit Holz, Metall und anderen Stoffen gearbeitet. 

Von der Gewalt im Irak blieb allerdings auch die Universität im Herzen der Millionenmetropole Bagdad nicht verschont. So ereignete sich Anfang 2007 ein schwerer Anschlag, bei dem 65 Menschen starben und mehr als 140 verletzt wurden. 

Die anhaltende Gewalt trieb auch die Familie der 34-Jährigen auseinander. Ihre Geschwister – fünf Brüder und zwei Schwestern – seien nach Amerika, Kanada, Syrien, in die Türkei und nach Holland geflohen. 

Auch Raad und ihr Ehemann entschlossen sich letztlich, die Flucht zu ergreifen. Über die Balkanroute gelangten sie mit Bussen, Booten und zu Fuß nach Deutschland. Dann kamen sie in eine Neuenrader Flüchtlingsunterkunft. „Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie ich sie das erste Mal gesehen habe. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern saß sie auf einem Metallbett in der Unterkunft“, erzählt Renate Buntenbach. 

Bei der Suche nach einer Wohnung geholfen

Zusammen mit ihrem Mann Bernd hat die ehemalige Apothekerin aus Neuenrade eine Patenschaft für die Familie Raad übernommen. „Das bedeutet, dass wir der Familie bei vielen Angelegenheiten unter die Arme greifen“, erläutert sie. So halfen die Buntenbachs beispielsweise bei der Suche nach einer Wohnung für die vierköpfige Familie. 

Mit der Zeit habe sich eine richtige Freundschaft entwickelt. „Für ihre beiden Kinder sind Bernd und ich die deutschen Großeltern“, sagt Buntenbach und muss lachen. Nicht nur die Kinder der Familie Raad besuchen die Schule in Neuenrade, auch Taghreed und ihr Mann lernen fleißig und gehen jeden Tag in die VHS zu den Integrationskursen. Dort wird unter anderem die deutsche Sprache erlernt. „Das ist das A und O“, betont auch Hartstein. 

Die Arbeit in der Kiku sei für ihren Schützling eine große Chance, da es für viele Flüchtlinge nicht einfach sei, eine Beschäftigung in Deutschland zu finden. So ist Taghreeds Mann zwar studierter Lehrer. Doch unterrichten darf er in Deutschland nicht. Dies läge an Unterschieden im Studiengang und daran, dass er erst die deutsche Sprache perfekt beherrschen müsse. 

In ein paar Monaten kannst du Deutsch

Das Arbeiten mit den Jungen und Mädchen in der Kiku mache der Irakerin viel Spaß. Auf die Frage, was ihr genau gefalle, antwortet sie knapp „alles“ und lacht. Kiku-Leiterin Hartstein hat jedenfalls noch Pläne mit der 34-jährigen. „Momentan hilft sie ja in der Zwergenwerkstatt. Ab Frühjahr soll sie auch noch in anderen Kursen mit anpacken.“ Auch Raads Deutsch verbessere sich ständig. „In ein paar Monaten kannst du die Sprache perfekt“, sagt Hartstein und zwinkert der Irakerin zu. 

Und so hoffen auch die Buntenbachs, dass das Asylgesuch der Familie Raad nicht abgelehnt wird. Bis September 2017 hätten sie eine Aufenthaltsgenehmigung. Ob diese verlängert werde, stehe noch nicht fest. Bei dem Blick in die Zukunft vertraue die Muslima auch auf ihre Religion. Sie sagt: „Inshallah – so Gott will“ und lächelt.

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