Kuhlo-Schöneberg einstimmig gewählt

So sieht Erleichterung aus: Dieter Kuhlo-Schöneberg und Gattin Monika Schöneberg Minuten nach der guten Nachricht. -   Foto: Koll

NEUENRADE - Eine Kerze auf dem Tisch im Arbeitszimmer, eine zweite auf dem Boden: Die würden nicht immer brennen, gesteht Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg, „aber an solch einem besonderen Tag schon“.

Seine Gattin Monika Schöneberg spricht offen aus: „Auf einer Skala von eins bis zehn liegt meine Aufregung bei elf.“ Er selbst behauptet, bei seiner Probepredigt in Neuenrade aufgeregter gewesen zu sein. Aber er wirkt sichtlich angespannt, redet kaum, starrt auf das Telefon.

Dann klingelt es. Pfarrer Harald Steinhoff gratuliert ihm. Neun von neun möglichen Ja-Stimmen seien auf ihn entfallen: einstimmig. Kuhlo-Schöneberg seufzt. Dann ruft er in den Hörer: „Mann, ist das schön.“ Zwei, drei Mal sagt er „Ja“ zu seinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung. Dann seufzt er nochmals und atmet erleichtert tief durch.

Jetzt strahlt der Pfarrer übers gesamte Gesicht. Er legt den Telefonhörer auf. Seine Hände sind schwitzig. Und dann räumt er ein: „Jetzt bin ich doch ganz gerührt. Oh, Mann.“

Über die Jahre hinweg habe er es vier Mal erlebt, dass er bei einer Bewerbung auf eine Stelle nur den undankbaren zweiten Platz ergatterte. „Als gebranntes Kind bin ich jetzt schon manchmal zu vorsichtig“, vermutet er.

Neben Neuenrade stand nun noch eine Stelle in Pasewalk im Landkreis Vorpommern-Greifswald zur Disposition für Kuhlo-Schöneberg: „Ich bin da auch hingefahren, habe mich umgeschaut.“ Die Anfrage aus Neuenrade habe er also zunächst „zögerlich“ aufgenommen. „Aber dann hat mich die Herzlichkeit der Menschen dort überzeugt“, erklärt der Pfarrer.

Nun werde er in den Herbstferien von Werdohl dorthin ziehen. Am 1. Dezember, dem 1. Advent, wird er mit einem Gottesdienst offiziell ins neue Amt eingeführt. „Das ist schön, weil dann auch das neue Kirchenjahr beginnt“, findet er. Neuenrade werde er nicht – wie seine Vorgänger – nach nur zwei Jahren wieder verlassen. „Ich habe noch 14 Jahre bis zur Rente.“ Er wolle viele Besuche machen, oft auch mit dem Fahrrad, den Menschen nahe sein.

Seine Frau freut sich vor allen Dingen, dass ihr Mann nun „eine richtige Pfarrstelle hat. Das gibt schon mehr berufliche Sicherheit.“ Dann machten sich die beiden am Freitagabend auf zu ihrer wöchentlichen Unterrichtsstunde vom Tanz-Kursus.

Von Michael Koll

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