Abschied mit Verspätung

Löschgruppenchef tritt zurück ins zweite Glied

Für den ausgeschiedenen Küntroper Löschgruppenführer Ulrich Maas (Mitte) gab es lobende Worte von Bürgermeister Antonius Wiesemann (links) und Ortsvorsteher Ludger Stracke (rechts).
+
Für den ausgeschiedenen Küntroper Löschgruppenführer Ulrich Maas (Mitte) gab es lobende Worte von Bürgermeister Antonius Wiesemann (links) und Ortsvorsteher Ludger Stracke (rechts).

Nach 18 Jahren hat sich Küntrops Löschgruppenführer Ulrich Maas schon im vergangenen Jahr von der Spitze zurückgezogen. Offiziell verabschiedet werden konnte er aber erst jetzt. Die Gründe dafür lieferte die Corona-Pandemie. Maas lieferte bei seiner Verabschiedung Erinnerungen und Anekdoten aus seiner Amtszeit.

Küntrop - „Du bist ein echter Sauerländer“, fand Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU). „Du sagst, was Du denkst“, fuhr das Stadtoberhaupt fort und betonte: „Das wissen wir alle zu schätzen...“ Nach einer Atempause fügte der Erste Bürger der Stadt noch ein Wörtchen hinzu: „...manchmal!“

Gemeint war Ulrich Maas, der seit November 2020 nicht mehr Löschgruppenführer in Küntrop ist. Durch die Pandemielage war es aber erst jetzt möglich, ihn gebührend zu verabschieden. Mit seinen Kameraden, dem Bügermeister und Ortsvorsteher Ludger Stracke, mit seiner Familie und Freunden verbrachte der vormalige Küntroper Feuerwehrchef einen vergnügten Abend am Gerätehaus.

Zur guten Laune der Anwesenden trug auch Ortsvorsteher Stracke bei, der lobende Worte für Maas fand: „Das ganze Dorf ist Dir zu großer Dankbarkeit verpflichtet“, befand er und klieferte als Begründung: „Immer, wenn es etwas zu helfen gab, warst Du dabei. Du bist einer, der anpackt und nicht nur rumlabert.“

Stadtbrandinspekter Karsten Runte hatte neue Schulterklappen für Maas dabei, die ihn nun nicht mehr als Löschguppenführer, sondern als Hauptbrandmeister ausweisen. Und der seit fast einem Jahr als Löschgruppenführer tätige Holger Rausch erklärte, Klimawandel und Digitalisierung brächten notwendige Veränderungen mit sich, aber eines solle so bleiben wie in der Ära Maas: „der Zusammenhalt in der Truppe“.

18 Jahre lang führte Ulrich Maas die Löschgruppe Küntrop. Bei seiner Abschiedsrede erinnerte er sich allerdings zunächst an seine ersten Schritte in der heimischen Wehr. „Bei meinem Grundlehrgang haben wir uns zunächst aus einem Fenster aus meinem Elternhaus abgeseilt. Nicht nur, dass das heute verboten wäre, wir haben dazu auch noch zwei Seile aneinander gebunden“, skizzierte er den Wandel der Zeiten.

Eine weitere Anekdote datierte auf das Jahr 1999. Damals habe es eine Brandmeistersitzung bei ihm zuhause gegeben. Um 2.15 Uhr am Morgen habe seine Frau Ursula in den Raum getreten und habe alle Anwesenden daran erinnert, dass es doch mitten in der Woche sei und alle schon bald wieder zur Arbeit müssten.

Ein anderes Mal habe nachts der Meldeempfänger Alarm geschlagen und einer seiner Kameraden nur in der Unterhose am Gerätehaus aufgetaucht. Dieser sei dann in seine Dienstkleidung geschlüpft und allen sei erst nach dem erfolgreichen Einsatz aufgefallen, dass der Feuerwehrmann ohne Hose gekommen war war. „Da war es dann aber schon hell und die Mütter brachten gerade ihre Kinder in den Kindergarten“, löste Maas mit einer knappen Feststellung Gelächter im Gerätehaus aus.

Doch der Dienst bei der Feuerwehr hat für den jetzt 60-Jährigen seit 1978 auch schwere Zeiten bedeutet. „Ich habe einige Tote gesehen. Ich erinnere mich an einen, der sah noch quicklebendig aus. Doch als ich ihn anfasste, merkte ich: Da war kein Leben mehr drin...“ Und auch als ein Auto in einen Teich gefahren sei, kam jede Hilfe zu spät. „Wir haben den Teich abgepumpt. Das Wasser lief auf die Straße und gefror dort sofort, so kalt war es an dem Tag“, berichtete Maas rückblickend.

Der frischgebackene Hauptbrandmeister Ulrich Maas betonte abschließend, dass er zwar nun kein Löschgruppenführer mehr sei, dem aktiven Dienst aber noch ein paar Jahre lang treu bleiben wolle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare