St. Sebastian-Bruderschaft Küntrop

Schützen verzichten auf Eigentumsrechte an ihrer Halle

Der Vorsitzende und amtierende Schützenkönig Christian Stein (rechts) konnte nach den Wahlen bei der Küntroper Bruderschaft einige neuer gesichter im Vorstand begrüßen.
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Der Vorsitzende und amtierende Schützenkönig Christian Stein (rechts) konnte nach den Wahlen bei der Küntroper Bruderschaft einige neuer gesichter im Vorstand begrüßen.

Die St. Sebastian-Schützenbruderschaft Küntrop will eine hohe sechsstellige Summer aufwenden und ihre Halle damit teilweise in ein Dorf-Café verwandeln. Dazu ist sie sogar bereit, vorübergehend auf Eigentumsrechte zu verzichten. Nicht ganz so kostspielig und folgenreich ist eine andere Investition in die Vereinsimmobilie.

Küntrop ‒ „Wow, einstimmig“, freute sich Christian Stein am Ende der Abstimmung. Der Vorsitzende der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft Küntrop hatte die 60 Vereinsmitglieder bei der seiner Auffassung nach „ziemlich außergewöhnlichen Jahreshauptversammlung“ um ihre Zustimmung für ein Projekt gebeten. Bei diesem geht es darum, einen Teil der Schützenhalle in ein Dorf-Café umbauen zu lassen.

Die Planungen sehen vor, den hinteren Bereich der Halle – den bisherigen Essraum neben der Bühne – zu erweitern, mit einem Vordach zu versehen, umzubauen und von der restlichen Halle baulich zu trennen. Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf 211.000 Euro. Getragen werden diese zu einem Drittel von der Stadt Neuenrade und zu zwei Dritteln vom Land Nordrhein-Westfalen. Die Zwei-Drittel-Förderung kommt aus dem IKEK-Fördertopf (Integriertes kommunales Entwicklungskonzept).

Bevor die coronakonform weit auseinander sitzenden Schützenbrüder in der Halle ihre Hände für das Vorhaben hoben, wies Stein, der auch amtierender Küntroper Schützenkönig ist, ausdrücklich darauf hin: „Wir geben mit Eurem Votum für einen Teil der Schützenhalle für 13 Jahre lang Eigentumsrechte ab.“ Im vollen Bewusstsein darüber stimmten die St.-Sebastian-Schützen gleichwohl so geschlossen für das Dorf-Café.

Vorsitzender Stein hatte zuvor argumentiert: „In Küntrop fehlt eine eindeutige Ortsmitte und somit ein Treffpunkt.“ Der künftig baulich abgetrennte Teilbereich der Schützenhalle solle „für Veranstaltungen und Verammlungen auch anderer Vereine“ dienen. Darüber hinaus solle er „als außerschulischer Lernort genutzt werden“ können. Auch private Feiern seien dort unter Umständen denkbar.

„Die Stadt Neuenrade wird Projektträger“, erläuterte Stein. Verwalter bleibe aber der jeweilige Hallenwart der Bruderschaft. Eine Miete werde von den Nutzern nicht erhoben, wohl aber eine Gebühr für Strom und Reinigung. Bei den Umbauten werde im 230 Quadratmeter großen Teilbereich der Schützenhalle auch eine rollstuhlgerechte Toilette eingebaut. Die Treppe vom angrenzenden Parkplatz an der Motte erhalte dazu passend eine Rampe.

Schützen-Chef Stein verriet: „Die Fördergelder sind bereits bewilligt und ein Bauantrag wurde bereits Mitte April gestellt, ist vom Märkischen Kreis aber noch nicht genehmigt worden.“ Dennoch war der Vorsitzende überzeugt davon, „dass wir starten können, sobald wieder Handwerker verfügbar sind“. Noch im Laufe des Jahres sollen – so seine Hoffnung – die Arbeiten abgeschlossen sein, denn die prognostizierte Bauzeit liege bei gerade einmal zwei Monaten.

Parallel soll ein zweites Vorhaben – dieses allerdings mit einer Menge Eigenleistungen – angegangen werden. Bewilligt worden sind neben den IKEK-Mitteln nämlich auch Mittel aus dem EU-Fördertopf für die Leader-Region. Diese sollen benutzt werden für die Erneuerung des Hallenbodens. Dieser soll künftig dann auch versiegelt sein. Die Investitionskosten für den neuen Boden betragen rund 17 000 Euro.

Am Freitagabend wurden auch Vorstandswahlen durchgeführt. Zunächst galt es, einen neuen Kassierer zu finden, nachdem der bisherige Amtsinhaber Christopher Kittelmann im Frühjahr aus beruflichen Gründen zurückgetreten war. Seinen Posten übernimmt fortan Christian Kontowski, der bis dato 2. Ordonanzoffizier war. Diese Aufgabe übernimmt ab sofort Andreas von der Linde, der bisher als 3. Beirat fungiert hatte. Sein Nachrücker ist Christopher Holin, den Vorsitzender Stein folgendermaßen beschrieb: „Er ist eigentlich Blintroper, aber mittlerweile voll in Küntrop integriert – einfach ein toller Typ.“

Wiedergewählt wurden der Technikwart Stephan Sandt, Schriftführer Bernd Schröder, der 2. Offizier Sven Müller, der 1. Ordonanzoffizier Dominik Rapp, der 1. Schießoffizier Hendrik Günzel, der Fahnenoffizier Marco Kutschinski sowie der 4. Beirat Waldemar Rempel.

Bei der Versammlung am Freitagabend fanden sich einige für eine Jahreshauptversammlung typische Punkte nicht auf der Tagesordnung wieder, beispielsweise der Kassenbericht oder der Jahresbericht des Vorstandes. Schützen-Vorsitzender Christian Stein erklärte: „Diese Punkte gehen wir auf der Abrechnungsversammlung Ende August an.“ Weiter führte er aus: „Ich hoffe, dann können wir wieder ungezwungen zusammen sein, ohne auf Abstände, Masken und Tests zu achten.“

Kurz ging er noch weiter auf die Pandemie ein: „Bisher sind wir ganz gut durch die Krise gekommen.“ Ohne dem Kassenbericht vorgreifen zu wollen, verriet er, dass dies nur möglich gewesen sei, da auf Rücklagen des Vereins zurückgegriffen worden sei. Eine Corona-Soforthilfe habe die Bruderschaft allerdings bisher nicht beantragen müssen.

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