Küntrop bekommt eine Hügelburg geschenkt

Ein Abordnung aus Neuenrade und Küntrop reiste am Donnerstag nach Herne, um den Beginn der Arbeiten zu verfolgen.

NEUENRADE ▪ Selten haben Bürgermeister Klaus Peter Sasse und eine Abordnung Neuenrader Bürger so begeistert Abbauarbeiten zugeschaut. Denn nun kann den Neuenradern keiner mehr ihre Burg nehmen.

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Eine Motte für Küntrop

Diese steht derzeit noch vor dem LWL-Museum für Archäologie in Herne. Doch nicht alle verfolgten die Abbauarbeiten der Neuenrader Zimmerei Ross mit soviel Freude wie die Neuenrader Delegation. Denn auch den Hernern ist ihre „Motte“ ans Herz gewachsen. „Kein Wunder“, findet Stadtarchivar Dr. Rolf Dieter Kohl beim Betreten der Motte. Denn eine solch große Hügelburg sei in der Region einzigartig. 20 Meter hoch ist der Turm; er wird das zweitgrößte Bauwerk Küntrops werden. Hinzu kommt ein fünf Meter hoher Hügel, auf dem die Burg stehen wird, dann ist in Küntrop nur noch ein Hochregallager höher. Trotz des Regens war die Stimmung bei den Neuenradern gut. „Angeblich soll Graf Engelbert die Burg Gevern auch bei solch einem Wetter zerstört haben. Dann passt das doch sogar ganz gut“, scherzte Alexander Klinke, CDU-Fraktionsvorsitzender, gut gelaunt. Er war es auch, der die Idee ins Rollen brachte, denn bei einem privaten Museumsbesuch hatte er die Motte entdeckt. Stadtarchivar Dr. Rolf Dieter Kohl war die Freude ebenfalls ins Gesicht geschrieben: „Wir haben intensive Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Toll, dass es geklappt hat.“ Insgesamt habe es 15 Bewerber für die Burg gegeben. „Neuenrades war sogar die letzte. Aber es passte alles, während andere noch überlegten und planten, hatten sie bereits alles in die Wege geleitet“, erklärte Dr. Stefan Leenen, wissenschaftlicher Leiter des Museums. „Ich bin, wie alle anderen hier auch, einfach infiziert worden. Ich bin nicht der Bedenkenträger. Wenn etwas so toll ist, dann muss man es auch machen“, erklärte Bürgermeister Klaus Peter Sasse entschlossen. Außerdem wolle er sich von seinem Rat „nicht vorwerfen lassen, ein solches Geschenk abgelehnt zu haben“. Während andere Städte erst auf Ratssitzungen warteten und jedes Für und Wider diskutierten, waren sich die Neuenrader schnell einig. Zudem würde die kleine Burg in Küntrop ebenfalls im Kontext eines historischen Standortes aufgebaut. Wo die Burg später stehen soll, sei bisher nicht geklärt. Im Gespräch ist das städtische Grundstück auf dem das Vogelschießen stattfindet. „Zuerst dachten wir, dass wir die Burg dort aufbauen, wo sie einst stand. Doch dann würden historische Überreste zerstört“, erklärte Sasse. Zudem sei das Gebiet nicht erschlossen und da der Turm auch für Veranstaltungen genutzt werden soll, wäre eine vorhandene Strom- und Wasserleitung von Vorteil.

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Zimmermeister Eckhard Ross plagen momentan andere Sorgen, denn er ist mit seiner Mannschaft für den Ab- und Wiederaufbau verantwortlich. „Ich habe zwar schon viel gemacht, aber das ist etwas ganz Besonderes“, erzählte er. Die einzelnen Teile werden wie ein großes Puzzle auseinander genommen. „Wir haben alles beschriftet. Nun warten wir auf das Gerüst und den Baukran. Bei guten Bedingungen ist die Burg in drei Wochen abgebaut“, schätzt Ross. Gestern wurden bereits die Schutzwände demontiert. In den nächsten Tagen will die Firma die Brettschalen abnehmen und dann das Innenleben. „Schwer vorstellbar, wie so etwas im Mittelalter ohne mechanische Hilfe gebaut wurde“, sinnierte Ross. ▪ lm

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