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Künstlerinnen laden ein: Welt der Weiblichkeit entdecken

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Von: Michael Koll

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Verbindet nicht nur die Leidenschaft für die Kunst: Die Schwestern Monika Natalia Mazur (links) und Ewa Mazur-Koj.
Verbindet nicht nur die Leidenschaft für die Kunst: Die Schwestern Monika Natalia Mazur (links) und Ewa Mazur-Koj. © Koll, Michael

Enorme Resonanz erlebte am Samstag die erste Vernissage von gleich zwei Künstlerinnen im Kunstfenster an der Ersten Straße. Dieses Mal luden zwei polnisch-stämmige Malerinnen ein, ihre Welt der Weiblichkeit zu entdecken, die sie unter dem Motto „Sacro e profano“ (Heilig und weltlich) präsentierten.

Neuenrade – Ewa Mazur-Koj und Monika Natalia Mazur steuerten je 30 Gemälde zur Bilderschau bei, dazu kommen noch sechs Skulpturen. Gemeinsam entstanden sind die Werke der zwei Schwestern allerdings nicht. „Das haben wir bisher noch nicht gemacht“, sagt Monika Natalia. Und Ewa veranschaulicht: „Wir inspirieren einander aber schon, sei es durch Gespräche oder aufgrund der Atelierbesuche bei der jeweils anderen.“

Ewa spricht gut Deutsch und erzählt, „dass das Malen die schönste Beschäftigung in unserer Kindheit war und das sind auch die besten Erinnerungen, die wir an damals haben“. Monika Natalia, die lange in Italien lebte und heute in Bochum wohnt, sagt auf Polnisch: „Die Malerei ist für mich ein Ausdrucksmittel, um die Sprachbarriere zu überwinden.“

Dabei könnten Gemälde viel mehrdeutiger sein, als sie mit den wenigen Vokabeln, die sie bereits auf Deutsch kenne, tatsächlich sagen könne, was sie denke und fühle. Ewa, die in Hattingen lebt, erzählt hingegen, „dass unsere Mutter dagegen war, dass ich Kunst studiere“.

Ein wenig könne sie die Mutter verstehen. „Die Kunst ist ja nicht gerade der einfachste Weg – aber für mich war und ist es eben der einzige, der in Frage kommt.“ Mit dem Studium der Werbegrafik habe sie der Kreativität zwar schon irgendwie die Treue gehalten, „doch ich will mit meinen Werken etwas sagen, nicht bloß ein schnödes Produkt schöner darstellen, als es wirklich ist“.

Monika Natalia studierte Betriebswirtschaftslehre, ist aber überzeugt, „dass ich erst mit der Malerei zeigen kann, was in mir steckt“. Malerei als Selbsterfahrung und -heilung. Das Leben sei immerhin viel komplexer als solch ein profaner Beruf. „Das kann nur die Kunst ausdrücken.“

Ewa unterstreicht, dass sie erst nach ihrem Umzug nach Deutschland kreativ wieder erblüht sei: „Ich habe erst hier verstanden, was beispielsweise abstrakte Kunst bedeutet.“ Und vielleicht agieren die zwei Schwestern bald auch einmal derart gemeinsam, dass sie doch zusammen an ein und demselben Bild arbeiten. Ihre Bindung ist offensichtlich so innig wie einzigartig. Fürs Fotos nehmen sie einander sofort fest in die Arme.

Die 44-jährige Ewa schildert dann ihre Inspirationsquellen: „Mich interessieren menschliche Körper, Verletzlichkeit, Erotik und Gefühle, aber auch die Natur, Menschenrechte und Formen im Allgemeinen.“ Ihre Bilder seien teils realistisch, aber spiegelten auch fantastisch-geheimnisvolle Traumwelten wider.

„Ich versuche, Atmosphären zu schaffen, die den Betrachter in einen Bann ziehen.“ Unausgesprochenes werde somit sichtbar. Ihre Werke sind dabei – Farben wie auch Formen – mal kräftig, mal zart, mal energiegeladen, mal zärtlich-subtil. Kein Wunder, dass sie beispielsweise Helmut Newton und Pina Bausch zu ihren Vorbildern zählt.

Monika Natalia ist 42 Jahre alt und beschränkt sich zwar auf die fünf Grundfarben, arbeitet in die Acrylfarben auch Materialien wie Kaffee oder Blumenblüten mit ein. Aquarell- und Zeichen-Techniken nutzt sie, um ihre Werke abzurunden. Die Hintergründe ihrer Bilder hält sie monochrom, um so den Blick des Betrachters auf das eigentliche Motiv zu lenken.

Inhaltlich gehe es ihr um die Zwiesprache zwischen den Dingen einer- und dem Bewusstsein andererseits. Wunden und Schmerz, Neugier und Machtverhältnisse bildeten dabei ein Spannungsfeld, welches durchaus auch instabil sein könne.

Bewusst zieht sie männlich belegte Symboliken wie Hörner die als Phallussymbole ihren scheinbar festen Platz in der Kunst haben, in ihre Darstellungen von Frauen – um so Geschlechterrollen gezielt in Frage zu stellen.

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