Krüge und Pfeifen erzählen Kriegsgeschichten

Bürgermeister Klaus Peter Sasse bekam von Sammler Georg Ploegert eine Privatführung durch die Ausstellung.

NEUENRADE ▪ Georg Ploegert kennt sich aus mit Krügen, insbesondere mit Bierkrügen. Seit über 30 Jahren sammelt er diese Gefäße und hat sich auf eine besondere Art spezialisiert: Reservistenkrüge. Seine besten Stücke stellt der Neuenrader derzeit im Neuenrader Rathaus aus. Gestern bekam Bürgermeister Klaus Peter Sasse zur Eröffnung eine Privatführung.

Ab heute ist die Ausstellung für jeden Besucher geöffnet. Neben den Krügen gibt es auch Reservistenpfeifen, Tassen und Schalen zu bewundern. Das Besondere: Alle Stücke sind Unikate.

Jedes der Ausstellungsstücke hat seine eigene Geschichte und wurde als Einzelwerk für Rekruten angefertigt. „Die sind alle handbemalt, fühlt man mit dem Finger über den Krug, spürt man jeden kleinsten aufgemalten Knopf einer Uniform“, erklärt der Sammler. Originale zu finden, sei jedoch nicht so leicht. Denn diese Krüge wurden nur 34 Jahre lang hergestellt. „Von 1880 bis 1914 gab es eine regelrechte Krugindustrie“, erklärt Ploegert weiter. Damals ließen sich Rekruten einen solchen Krug anfertigen. In mühevoller Kleinarbeit wurden mit feinster Feder beispielsweise der Name aufgemalt oder wo der Rekrut diente. Eine Nachbildung erkenne man insbesondere am Deckel. Die Zinnlegierung sei damals jedoch noch anders gewesen: „Die Deckel glänzen im Inneren wie eine neue Euromünze.“ Einen solchen Krug heute noch zu nutzen, sei nicht denkbar. Aber ursprünglich wurden sie natürlich benutzt. „Man sieht den Verschleiß. Insbesondere dadurch, dass die schweren Deckel durch das Öffnen rissen.“

Die ausgestellten Reservistenpfeifen seien eher etwas für Husaren gewesen, der einfache Soldat hätte sich so etwas nicht leisten können. „Die Pfeifendeckel sind ganz individuell gestaltet. An einigen kann man erkennen, welchen Posten der Besitzer einst hatte, denn er sieht aus, wie ein Helm“, erklärt Ploegert. Jede Pfeie wurde persönlich gestaltet und zusammen gesetzt. So findet man bei genauem Hinsehen beispelsweise kleine Wappen, wie das der Marburger Jäger.

Bis zum 11. März kann die Ausstellung im Rathaus besichtigt werden. ▪ lm

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