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Darum drehen sich die Anlagen nun im Dauerbetrieb

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Von: Peter von der Beck

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Bau der Windräder auf dem Kohlberg.
Auf dem Kohlberg wird nun rund um die Uhr Strom produziert. Zumindest, solange genug Wind weht. © von der Beck, Peter

Für die SL Naturenergie sind es natürlich gute Nachrichten: Der Märkische Kreis erteilte den Genehmigungsbescheid für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb der sechs Windenergieanlagen auf dem Kohlberg (wir berichteten). Nur wenige Stunden später drehten sich die Rotoren auch am Tag.

Neuenrade – „Wir freuen uns, dass die Anlagen nun endlich auch tagsüber klimafreundlichen Strom produzieren dürfen“, heißt es offiziell vom Betreiber. In den vergangenen zwölf Monaten seit Inbetriebnahme seien durch die Tagabschaltung rund 17 Millionen Kilowattstunden verloren gegangen. „Das ist Strom, den wir alle dringend brauchen, um Strom wieder bezahlbar zu machen und weg von Putins Gas zu kommen. Jede Kilowattstunde zählt.“ heißt es von SL-Geschäftsführer Milan Nitzschke.

Hätten Erdgas einsparen können

Er rechnet vor, dass mit 17 Millionen Kilowattstunden nach heutigen Energiepreisen für rund sechs Millionen Euro Erdgas gespart werden könnte. „Die ansonsten eben weiter an Wladimir Putin gezahlt werden müssten“, so Nitzschke. Insgesamt senke der Windstrom die Strompreise, meint er: „Sobald der Wind in Deutschland weht, wird der Strom nachweislich günstiger, während im Atomland Frankreich die Preise weiter steigen.“

Weder Rotmilane noch Schwarzstörche gefährdet

Der Dauerbetrieb der Windkraftanlagen war zuletzt nur in den Wintermonaten möglich. Zunächst musste der Betreiber bei Artenschutzgutachten nachbessern. Insbesondere ging es um das Vorkommen von Rotmilanen und Schwarzstörchen innerhalb der rechtlich relevanten Zone um die Windenergieanlagen. Da war das Gutachten wohl auch nach Auffassung des zuständigen Gerichtes nicht eindeutig genug. Von methodischen Mängeln war die Rede. SL Naturenergie musste hier nachbessern. Das hatte man getan und zwischenzeitlich die Betriebsgenehmigung für die Wintermonate und die Nachtzeiten erwirkt. Im Frühsommer und im Sommer mussten die Räder aber tagsüber stillstehen, da Rotmilane Zugvögel sind und theoretisch aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt wären. Allerdings sei das Vorkommen der Rotmilane rund um den Kohlberg höchst selten – das hat die Genehmigungsbehörde und ihre Fachabteilungen jetzt festgestellt. Auch gehöre die bezeichnete Gegend nicht zum typischen Nahrungsgefilde dieser Vogelart. Ein Rotmilannest konnte man dem Gutachten zufolge auch nicht innerhalb des relevanten Radius finden. Das nächste bekannte Schwarzstorchennest liegt demnach nicht im relevanten Einzugsbereich.

Rettet den Kohlberg

Opponiert gegen die Errichtung der Windenergieanlagen auf dem Kohlberg hat die Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“, die mit Hilfe der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt gegen das Vorhaben geklagt hat. Die Gegner um den Vorsitzenden Frank Hoffmann brachten artenschutzrechtliche Argumente vor, sahen durch die Windräder aber auch den Erholungscharakter des Kohlbergs beeinträchtigt und befürchteten auch Gefahren für die trinkwasserführende Springer Quelle. Weitere Kritikpunkte waren vermeintliche Beeinträchtigungen durch Infraschall oder Betriebslärm.

Abstandsregelung noch ein Thema

Am Ende blieb der Artenschutz als wesentliches Kriterium übrig. Nachdem man sich im Vorfeld durchaus Hoffnungen gemacht hatte, die Windenergieanlagen verhindern zu können, so sieht man inzwischen geringere Erfolgsaussichten bei der noch anstehenden Hauptverhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster. Unter bestimmten Umständen könne möglicherweise noch die 1000-Meter-Abstandsregelung zum Zuge kommen – dann lägen vier Anlagen zu nahe an Siedlungen, sagte Frank Hoffmann an anderer Stelle. Die neue Landesregierung hat bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben, diese Abstandsregelung kippen zu wollen.

Ohne Stellungnahme

Am Freitag war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vom Vorstand der Initiative „Rettet den Kohlberg“ zu bekommen. Vorsitzender Frank Hoffmann war nicht erreichbar. Der stellvertretende Vorsitzende Wilfried Bracht wollte an seinem Vorsitzenden vorbei keine Stellungnahme abgeben.

Reichlich Pacht für die Stadtkasse

Sollte die Gerichtsverhandlung zugunsten der SL Naturenergie ausgehen, soll es nach deren bisherigen Angaben ein Beteiligungsprojekt für Bürger geben. Investitionen könnten dann auch mit relativ geringen Beträgen möglich sein. Auch bei der Stadt Neuenrade würde man sich freuen, falls die Anlagen dauerhaft genehmigt werden. Aus der Verpachtung der Grundstücke würden immerhin 120 000 Euro pro Jahr in die Stadtkasse fließen.

Durchaus Unmut

Nicht alle Neuenrader freuen sich über die Anlagen: Ein Anwohner bei Berentrop schimpfte am Freitag massiv über Windenergie-Anlagen generell und besonders über jene auf dem Kohlberg: „Je nachdem wie der Wind steht, ist es zu laut. Die Dinger machen Lärm.“

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