Neuenrader Vereine sollen mehr eingebunden werden

"Gertrüdchen" wird runderneuert: Das soll 2020 alles anders werden

Neuenrade - Das Traditionsfest Gertrüdchen soll runderneuert und zukunftsfest gemacht werden. Durch die verstärkte Integration der Vereine erhoffen sich der Bürgermeister und Co eine Verstärkung des Wir-Gefühls in Neuenrade.

Unter dem Dach des Stadtmarketings sollen die Vereine mitmachen und auch profitieren. Das Konzept dazu präsentierten am Montag Domenic Troilo und Bürgermeister Antonius Wiesemann zunächst im Trauzimmer. Mit dabei: Sandra Horny (Stadtmarketing), Debora Carbone, Sabine Rogoli, Marcus Henninger, Thomas Brockhagen und Tobias Kroner. Unzählige Sitzungen abseits der Öffentlichkeit und in geschlossener Gesellschaft hatte es im Vorfeld zur Runderneuerung des Gertrüdchens gegeben. „Ich kann die Zusammenkünfte gar nicht mehr zählen,“ sagte Dominic Troilo am Rande der Präsentation. 

Vereine am Gewinn beteiligen

Das Konzept hat Charme. Es gibt sozusagen eine Steuerungsgruppe: Das ist das Gertrüdchenorganisationsteam um Sabine Rogoli, das sind die Pfadfinder mit ihrem erfolgreichen Pfadis Inn und der Nähe zur jungen Generation, mit der Liedertafel und ihrem Ausschankkonzept und der Nähe zu älteren Neuenradern. Auch die vom Bürgermeister ins Boot geholte Schützengesellschaft und ihrem Fachwissen im Veranstaltungsmanagement ist dabei: Sie liefern den organisatorischen Überbau. Die Neuenrader Vereine – ausdrücklich auch jene aus den Ortsteilen – sollen profitieren. Sie können sich mit Thekendienst oder anderweitigen Helferstunden einbringen und müssen sich um nichts anderes kümmern – alles andere managen die Organisationsexperten.

Bürgermeister Antonius Wiesemann und Domenic Troilo präsentieren zunächst im kleinen Sitzungssaal

Die Vereine müssen sich im Prinzip nur noch in Arbeitslisten eintragen und werden aus dem gemeinsamen Gewinn-Topf entsprechend ihres Arbeitsanteils bezahlt. Dabei sollen „auch kleine Vereine mit einer geringen Personaldecke“ zum Zuge kommen, sagte Troilo. Für das Konzept musste der Bürgermeister bei den Organisationsteams Überzeugungsarbeit leisten, denn schließlich hatten sich die Pfadfinder über die Jahre eine gute Grundlage für die Vereinsfinanzierung über das Gertrüdchen erarbeitet. Letztlich stimmten auch die Pfadfinder zu, hieß es bei der Präsentation. 

Größeres Zelt mit Bühne

Die Gasse und Volksbankparkplatz werden dem neuen Konzept angepasst. Ein größeres Zelt mit Bühne wird dort installiert. Das Musikkonzept bleibt, bei den Getränken werden Buba-Bitter-Longdrinks kreiert. Die Bewirtung erfolgt nun durch alle Vereine und die Vereine können dann die Bühne zur Selbstdarstellung nutzen, sich präsentieren, Darbietungen zeigen.

Der Gertrüdchen-Freitag 2019 in Neuenrade

Die Abendveranstaltung in Gasse und Zelt werden intensiv im Umkreis vermarktet. Zudem gibt es tagsüber eine Bestuhlung bis 19 Uhr. Dann können sich die Bürger hinsetzen, essen und das Gertrüdchen auf sich wirken lassen. So erhofft man sich „mehr Resonanz, mehr Gewinn, mehr Attraktivität fürs Gertrüdchen“. 

Peitschenknall später und Freibier

Eine Änderung gibt es für den Samstag: Der Peitschenknall – die offizielle Eröffnung – erfolgt später, direkt im Anschluss ist eine Zapfaktion von Bürgermeister und Apotheker, es gibt Freibier, Musik und Essen. Es soll familiär werden. Unterm Strich wird das Fest gestrafft, alle agieren gemeinsam, Konkurrenz wird vermieden, die Vereine teilen sich je nach Einsatz die Erlöse und können sich auf der Bühne präsentieren und den Bekanntheitsgrad steigern. Das Konzept wurde im großen Sitzungssaal Montagabend noch einmal den Vereinen präsentiert, die im Vorfeld dazu eingeladen worden waren. Die Resonanz war enorm: 31 Vereine, vertreten von rund 70 Personen waren gekommen.

So wird beim Gertrüdchen gefeiert

Bürgermeister Wiesemann war mehr als zufrieden. „Ich freue mich, dass das neue Gertrüdchen auf so großes Interesse stößt.“ Überzeugungsarbeit leistete dann Domenic Troilo. Der Schützenbruder wollte die Vereine als „breites und tiefes Fundament“ mit auf diesen Weg zu nehmen: „Wünschenswert wäre es, schon an diesem Abend die ersten ausgefüllten Anmeldebögen für die Schichten entgegen zu nehmen.“ Doch trotz vielen zustimmenden Kopfnickens während seiner Ausführungen wollten und konnten sich die Vereinsvertreter nicht sofort entscheiden. Gerne nahmen sie aber die Anmeldungen dafür mit, um im Vorstand und mit den Mitgliedern darüber zu beraten. Es wurde viel gesagt während der Info-Veranstaltung, Fragen blieben wohl kaum offen. Berücksichtigt würden alle Vereine, bei Überbuchung werde man kreativ reagieren. Undankbare Dienste zu späterer Stunde würden besser honoriert.

Kritik von Gastronomen

 Die Gastronomen Heinz und Sven Friedrizik lehnten das Konzept ab: „Wir haben nicht viel Neues gehört, bis auf ein größeres Zelt.“ Nach wie vor bleibe Gertrüdchen vom Wetter abhängig, stellten Vater und Sohn fest. Vor allem Friedriszik Senior leitet seit fast 40 Jahren den Thekenbetrieb auf dem Fest. „Ihr habt einen super Job gemacht, das stellt keiner in Frage“, sagte dazu der Bürgermeister. Weil aber auch die Familie Friedrizik zum Wirteverein gehöre, könne sie sich doch auch so mit einbringen, sagte Wiesemann nach der Veranstaltung. Seit einem Jahr stehe die Stadt mit den Friedrisziks im Dialog.

Gertrüdchen: So lief der Samstag

Sophia Schulte vom Musikverein Affeln sieht das Konzept als „grundsätzlich guten Ansatz“, denn „zusammen kann man anpacken.“ Auch Katharina Ernst vom Kinder- und Jugendchor Affeln sieht es positiv. Vereinen hätten Gelegenheit sich zu präsentieren. „Wir werden es sehen“, blickte Nina Schlotmann vom Tambourcorps Küntrop skeptischer in die Zukunft. Noch nicht ganz ausgereift sei für sie die Idee, allen Wünschen der Vereine entgegen zu kommen: „Wir sollen diese alles umgesetzt werden? “

Gemeinsames Zapftraining

Wer mitmachen will, wird sogar im Zapfen geschult: Für Samstag, 1. Februar ist im Freibad Friedrichstal „ein gemeinsames Zapftraining“ für alle Vereine.

Weitere Infos Das Konzept kann hier eingesehen werden. Thekendienst kann bei t.kroner@schuetzen-neuenrade.de angemeldet werden.

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