Keine Hetzjagd: Jeder Schuss wohlüberlegt

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Im Anschluss an den gesamten Tag wird die sogenannte Jagdstrecke, also das gesammelte erlegte Wild, mit den entsprechenden Totsignalen verblasen.

Neuenrade - Es ist kalt, der Himmel ist bedeckt und Dunst steigt aus der Erde. Im Dezember fand in Neuenrade eine von insgesamt drei Drückjagden der Jagdsaison statt.

Viele Jäger haben sich auf dem Hof des Viehgroßhandels Humke versammelt, insgesamt sind es über 50. Es geht in den Wald rund um die Höllmecke, dort soll Schwarzwild, also weibliche Rehe, Kitze und Raubwild gejagt werden.

Ein Grund für die Jagd wird schon auf dem Weg zum Stand des Waidmannes deutlich. Die Äcker rund um die Waldränder sind völlig durchwühlt, die Wiesen als solche nicht mehr zu erkennen. Wildschweine haben den Boden auf der Suche nach nahrhaften Würmern und Insekten umgegraben.

Schon sind die ersten Tiere zu erblicken, zwei Stück Rehwild springen ab, wie es in der Jägersprache heißt. Kaum beim Stand angekommen zeigt sich bereits das nächste Tier und sondiert am Rande eines jungen Wäldchens die Lage. Dann leinen die sogenannten Treiber ihre Hunde ab, die Tiere sollen aufgescheucht werden und sich so langsam den an unterschiedlichen Positionen wartenden Jägern nähern.

„Ein weibliches, starkes Stück“, meint Frank Lotz, der an dieser Stelle auf Wild wartet. Er könnte schießen, schließlich wurden weibliche Tiere zuvor zum Abschuss freigegeben. Doch er entscheidet sich dagegen. Das Reh könnte, für den Waidmann nicht zu erkennen, Kitze dabeihaben. Wenig später zeigt sich das nächste Tier. Auch hier schießt der Jäger nicht. Denn das Reh ist viel zu schnell und kann nicht sicher getroffen werden. Nicht auf flüchtendes Wild zu schießen, diese Maßgabe wurde von den Organisatoren zuvor ganz eindeutig betont.

Durch das Verblasen erweisen die Jäger den erlegten Tieren die Ehre. Die Aktion in der Höllmecke verlief erfolgreich für die Teilnehmer.

Dann knackt es erneut im Unterholz, eine Rotte Wildschweine kommt aus dem Wald hervor. Der Jäger legt an, zielt, schießt und trifft eins der jungen Tiere.

Für erfahrene Waidmänner ein bekanntes Bild, für Jagdkritiker ein Horrorszenario. „Es ist eine spezielle Tätigkeit, wie etwa beim Metzger auch“, verdeutlicht einer der Organisatoren. Doch häufig gebe es falsche Vorstellungen, besonders zur Drückjagd. „Das ist keine Hetzjagd“, betont er.

Eines wird beim Beobachten der Jagd in Neuenrade ganz deutlich – es wird nicht wahllos geschossen. Ein Schuss muss wohlüberlegt sein, bevor er fällt. Nichtsdestotrotz: das Thema Jagd ist in den letzten Jahren immer wieder kontrovers diskutiert worden.

Natürlich bietet sich an diesem Tag nicht nur die Möglichkeit zu jagen, sondern auch die Natur zu beobachten. So lassen sich nacheinander noch Fuchs und Hase in ihrem Lebensraum bestaunen. Damit hätten sich nun alle Sauerländer Wildtiere einmal gezeigt, erklärt Lotz.

Und dann passiert eine ganze Zeit lang nichts mehr. Von weiter entfernt sind zwei Schüsse zu hören, vereinzelt das Gebell der Hunde. Langsam steigt die Kälte in die Beine. Doch die Sonne entlohnt die Waidmänner, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Sie bricht aus der Wolkendecke hervor und taucht die Talsenke in ein warmes Licht. Schließlich zeigen sich noch zwei Rehe, eines wird geschossen. Für die Waidmänner ist die Jagd an der Höllmecke damit erfolgreich verlaufen, insgesamt sieben Wildschweine und vier Rehe liegen am Ende zur Strecke.

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