15 Tausendstel liegen zwischen Gold von Silber

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Janina Moczyk strahlt um die Wette und rast in ihrem Wagen „Blue Angel“ zum Sieg in der Jury-Wertung.

NEUENRADE ▪ Strahlend blauer Himmel, heißes Sommerwetter – rennbegeisterte Menschen säumten die Strecke. „Bin ich hier beim Großen Preis in Monaco?“, fragte sich der stellvertretende Bürgermeister Toni Wiesemann am Samstagnachmittag.

Knapp vorbei, denn Wiesemann stand „nur“ an der Strecke des 3. Neuenrader Seifenkistenrennens. Allerdings war das Flair mit dem Mega-Event in dem Fürstenstaat an der Mittelmeerküste durchaus vergleichbar.

In der Boxengasse herrschte schon vor dem Start des ersten Vorlaufs reges Treiben. Ein letzter Check der Technik, nochmal schnell den Luftdruck in den Reifen auf die anspruchsvollen Bedingungen angepasst. Und dann ging es hinauf auf das Startpodest. Die Nerven waren bei den Rennfahrern wie beim Publikum angespannt. Und alle stellten sich die Frage: Wird das Team Schwupu seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen können? Das Outfit der Fahrer schien makellos, das Fahrzeug so pink wie eh und je. Aber die Konkurrenz hatte aufgerüstet, war so gut präpariert wie selten zuvor. Ein Dutzend Konkurrenten hatten sich auf die Fahnen geschrieben, den aalglatten Schwupus den Titel streitig zu machen.

Seifenkistenrennen

Der Stoff für einen dramatischen Renntag war vorhanden, heute würde Seifenkisten-Geschichte geschrieben. Zwei Vorläufe galt es auf der anspruchsvollen Strecke entlang der Zweiten Straße zu absolvieren. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt trennte sich die Spreu vom Weizen. Schwächen des Materials oder Fehler des Fahrers drückten sich gnadenlos in einer langsamen Zeit für die 78 Meter lange Strecke aus. Beispiele gefällig? Das WDR-Team mit seinem Piloten Evel Knievel alias Mathias Budzinski schien zwar medial optimal vorbereitet, eine Radaufhängung hielt den Belastungen aber nicht Stand. Achsbruch. Der Rennschlitten der Reservistenkameradschaft, genannt die „Nato-Ziege“, hatte ein wenig zu viel Spiel in der Lenkung, was den Fahrer ziemlich überraschend traf: Absturz von der Startrampe.

Jux-Seifenkistenrennen in Neuenrade

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Im Anschluss an die beiden Vorläufe, folgten die Play-Offs. Im K.O.-System mischte sich das Feld gegenseitig auf, bis nur noch drei Teams für das große Finale übrigblieben. Schwupu wirkte souverän, hatte mit 13,744 Sekunden schon die Tagesbestzeit in das Kopfsteinpflaster der Altstadt gebrannt. Doch dann schlug die Stunde der Kompanie Oberstadt – keineswegs zu verwechseln mit den erfolgsverwöhnten Schützen der Unterstadt. Sie lieferten sich in drei weiteren Durchgängen einen an Dramatik kaum für möglich gehaltenen Kampf um die Krone. Im dritten und letzten Durchgang holten sie dank einer Fabelzeit den Rückstand zum Titelverteidiger auf und stießen mit sage und schreibe 15 Tausendstelsekunden Vorsprung Schwupu vom Thron. Fahrer des siegreichen Oberstadtgeschosses war Christopher Patent, der sein Glück kaum fassen konnte. Bronze ging an das Team Viper.

Die Kinderwertung entschied Nico Gundlach (White Lightning) vor Dustin und André Duve in ihrer Rado Rakete für sich. Bente Lemke und Sebastian Riecke im Froschflitzer wurden Dritte, ganz knapp vor Jessica Moczyk in ihrem „Willy“.

Mit Spannung wurde dann noch die Jury-Wertung erwartet, die weit mehr als nur die Zeit im Auge hatte. Hier spielten Schönheit und ein freundlicher Umgang mit dem Publikum ebenfalls eine entscheidende Rolle. Janina Moczyk und ihr Blue Angel hatten alles überstrahlt und verwiesen Team Schwupu und Team Willy auf die Plätze zwei und drei. ▪ maj

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