Geschäftsführer zu Besuch in Neuenrade

Kohlberg-Windpark: Investor bleibt zuversichtlich

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An diesem Windrad auf dem Kohlberg sind die Rotorblätter bereits montiert. Seit rund einem Monat ruhen die Arbeiten nun aber, das Oberverwaltungsgericht Münster hat einen Baustopp verhängt.

Neuenrade – Auf dem Kohlberg herrscht weiter Stillstand. Daran, dass in diesem Jahr noch entschieden wird, wie und ob es mit dem Bau der sechs Windkraftanlagen weitergehen kann, glaubt Investor SL Naturenergie nicht.

Nachdem das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster den Weiterbau der sechs jeweils rund 200 Meter hohen Anlagen per Eilverfahren vorerst gestoppt hat, bleibt Geschäftsführer Klaus Schulze Langenhorst dennoch zuversichtlich. 

Die Verbindungsstücke für den 1500-Tonnen-Kran zum Aufbau der Windräder liegen auf dem Boden. Die bereits angebrachten Rotorblätter einer Windkraftanlage bewegen sich ganz langsam im Wind. Strom erzeugen sie nicht. 

Investor hat auf eigenes Risiko gebaut

Schulze Langenhorst kommt mit seinem Tesla elektrisch zum Ortstermin mit der SPD Neuenrade. Er lässt den Blick schweifen über die Baustelle, auf der aktuell nur Sicherungsarbeiten durchgeführt werden dürfen. „Es ist halt, wie es ist“, sagt er. Gebaut worden sei auf eigenes Risiko. Den Punkt, der die Arbeiten jetzt zur Pause zwingt, habe man nicht auf dem Schirm gehabt. Das Gericht hatte die Berufung der Windkraft-Gegner zugelassen, weil im bisherigen Verfahren nach Ansicht des OVG die Auswirkungen des Kohlberg-Projekts auf windkraftsensible Vogelarten wie Rotmilan und Schwarzstorch nur unzureichend geprüft wurden. „Vor Gericht und auf hoher See“, riss Schulze Langenhorst den bekannten Spruch an. 

SL-Naturenergie-Geschäftsführer Klaus Schulze Langenhorst.

Der Geschäftsführer bleibe zusammen mit dem Märkischen Kreis zuversichtlich, dass die Arbeiten wieder aufgenommen werden können. Wann, das sei allerdings noch völlig unklar. Sicher ist nur: Für den Investor wird das Projekt teurer. SL Naturenergie – 35 Mitarbeiter, 120 Anlagen, weitere 40 derzeit im Bau – arbeitet aber parallel an der Errichtung mehrerer Windparks. Sonst würde dieser Stopp schnell den finanziellen Genickbruch für das Unternehmen bedeuten. 

Kosten von rund 30 Millionen Euro

Die Arbeiten an den sechs Anlagen, die hier für rund 30 Millionen Euro gebaut werden, sind schon weit fortgeschritten. Das wurde beim Ortstermin noch einmal deutlich. An einem Windrad sind die Rotorblätter bereits montiert. „206 Meter ist die Anlage in der Spitze hoch“, erklärt Schulze Langenhorst. Die Lebensdauer einer solchen Anlage liege bei gut 25 Jahren. Dazu könnten Windräder einigermaßen rückstandsfrei wieder entfernt werden, sollte es in Jahrzehnten effektivere Wege zur Stromgewinnung geben. 

Mehr zum Windkraft-Projekt auf dem Kohlberg lesen Sie hier.

Gerade in den vergangenen Monaten habe der Gladbecker Investor viel Zuspruch aus der heimischen Bevölkerung erfahren, berichtete Schulze Langenhorst. Viele Gegenargumente hätten sich in Gesprächen aufgelöst. Den größten Kritikpunkt, die Optik, könne er im Sauerland nicht nachvollziehen. Anwohner würden meist nur Teile des Windrades sehen. Im deutlich flacheren Schleswig-Holstein könne man bei guter Sicht teils Hunderte dieser Anlagen sehen. 

Neuenrade soll nicht nur durch Pacht und Gewerbesteuer profitieren

Neuenrade soll laut Schulze Langenhorst nicht nur durch Pacht und Gewerbesteuer (man rechne mit gut 15 000 Euro pro Jahr pro Anlage) von der Windkraft profitieren. Über die Stiftung von SL Naturenergie soll Projekten vor Ort ein bestimmter Prozentsatz der Erträge zugutekommen. Wo das Geld hinfließt, sollen die Verantwortlichen vor Ort entscheiden, so der Investor. Ein unabhängiges Stiftungskuratorium prüfe zudem, dass die Mittel korrekt vergeben werden. 

Die Neuenrader SPD unterstütze den Bau und wolle, dass es weitergeht. Von vornherein sei man dafür gewesen. „Wir stehen auch weiterhin dazu“, gab SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Wette zu Protokoll.

Vor gut einem Monat hatte es den abrupten Stopp der Bauarbeiten auf dem Kohlberg gegeben. Seitdem dürfen an den sechs Anlagen nur noch Sicherungsarbeiten durchgeführt werden. Gemeinsam mit der NRW-Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt hatte die Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ vor dem OVG geklagt und recht bekommen. Mit diesem Beschluss hatte das Oberverwaltungsgericht die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Arnsberg als Vorinstanz gekippt. Im Oktober hatten die dortigen Richter noch entschieden, dass die Baugenehmigung rechtens und das Verfahren in Ordnung sei.

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