Ausschuss stimmt zu

Bachlauf am Kohlberg soll renaturiert werden

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Die Mitglieder des Ausschusses schauen sich den Bachlauf Gelmecke auf dem Kohlberg an.

Neuenrade – Einen Steinwurf vom nächsten Waldweg entfernt unterhalb einer Jagdhütte auf dem Kohlberg schlängelt sich der Bach Gelmecke durchs Gelände.

Kaum auszumachen ist das kleine Gewässer, denn dichtes Farnkraut verbirgt das Rinnsal, das oberhalb der Jagdhütte in sumpfigem Gelände entspringt. Eine Hungerquelle, sich zu einem Bach auswächst, der an einer Stelle mit einem Damm aufgestaut ist und einen kleinen Teich bildet. Auch ein weiterer Teich verbirgt sich im Gelände. Der Bach und ein Teich sind im unteren Bereich eingezäunt, um Menschen fernzuhalten.

Doch: Es ist dort offenbar nicht alles so, wie es sein sollte, denn der angrenzende Baumbestand aus Fichten sorgt mit seinen Nadeln für eine Übersäuerung des Gewässers, was sich wiederum auf die Lebenswelt der diversen Arten im Bachlauf auswirkt. Auch der aufgestaute Teich sorgt für eine menschengemachte Ökologie und entspricht nicht den eigentlichen Bedingungen.

Ökopunkte sollen gesammelt werden

Die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Forsten sowie Gäste schauten sich im Rahmen eines Ortstermins den Bachlauf an, damit sie sich für die Beschlussempfehlung an den Rat eine Meinung bilden können. Es geht nun darum, das Gewässer zu renaturieren. Dafür soll es sogenannte Ökopunkte geben. Diese werden bei einer der Stadt übergeordneten Behörde auf einem Konto geführt und können auf Wunsch abgebucht werden, wenn bei einem Bauvorhaben in Neuenrade Ausgleichsmaßnahmen nötig werden.

Vor Ort wies Gerd Schumacher, Kämmerer und auch mit dem städtischen Waldbesitz befasst, die Ausschussmitglieder darauf hin, dass man sich vorher mit einem Vertreter der Unteren Wasserschutzbehörde getroffen habe, um das Projekt abzusprechen. Gerade bei Gewässern sind die Naturschutzbehörden offenbar höchst empfindlich. Der Bachlauf und die Teiche haben dabei eine Geschichte: Vor Ort erläuterte Revierförster Franz Josef Stein noch Hintergründe dazu: Demnach wurden die Teiche einst als Ausflugsziel genutzt.

Grillpartys rund um den Bach

„Grillpartys wurden gefeiert. Leute ließen ihre Hunde dort schwimmen, Rundherum war alles plattgetreten“, sagte Stein. Dass sich dennoch die Situation zum Besseren entwickelte, lag am CVJM Dahle. Demnach waren junge Leute auf den Förster zugegangen, weil sie sich für die Natur engagieren wollten. Der Förster trug das Ansinnen dem Waldbesitzer (die Stadt Neuenrade) vor und bekam nicht nur Zustimmung, sondern auch finanzielle Unterstützung, ein Konzept wurde erstellt.

Vordringlich war dabei: Das Areal vor dem menschlichen Betreten zu schützen. Das Gelände herzurichten und einzuzäunen erforderte „viele, viele Samstagsarbeitseinsätze“, berichtete Stein. Aber am Ende war das Biotop geschützt. Die Maßnahme hatte Erfolg: Denn überall, wo der Mensch nicht ist, blüht offenbar die Natur auf. „Die Pflanzen begannen wieder zu wachsen, schon bald waren im Teich plötzlich Unmengen von Froschlaich zu finden“, so Stein.

Vereinzelt gab es noch Pflegemaßnahmen, dann schlief das Engagement der jungen Leute ein, die mit zunehmendem Alter familiär und beruflich gebunden waren. Bei Kyrill im Januar 2007 wurde der Zaun zudem stark beschädigt. Die Ausschussmitglieder zeigten sich angetan von dem Bachlauf, ließen sich weitere Details erläutern. Auch Jagdpächter Gert Middendorf war zu Stelle, der von den Wildschweinsuhlen im Bachbereich erzählte.

Alle Ausschussmitglieder dafür

Auch den undichten Damm nahmen die Ausschussmitglieder in Augenschein. Förster Stein und Kämmerer Schumacher erläuterten noch einmal das Vorhaben. Demnach soll der Damm soweit geöffnet werden, dass sich das Fließgewässer wieder entwickeln könne. Das Gewässer werde mit der Zeit zu einem mäandernden Bach, je nach Wasserstand würden Kolke (kleinere Stillwasserbereiche im Bachlauf) entstehen, der Bach würde wieder ein ursprüngliches Gewässer werden. Später stimmten die Ausschussmitglieder im Sitzungssaal unisono dafür, diese Maßnahme umzusetzen.

Ein Gutachter wird die Renaturierungspläne nun konkret ausarbeiten und bei der Herbstsitzung des Ausschusses vorstellen. Auch die Bündnisgrünen stimmten dem Vorhaben zu. Ulrich Naumann war von der Renaturierung überzeugt. Zunächst hatte seine Partei befürchtet, dass für die Ökopunkte ein bestehendes Biotop für einen Bachlauf aufgegeben werde müsste.

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