Umzug nach Unna

Kofferhersteller Tumi verlässt Neuenrade

Neuenrade/Unna - Der Kofferhersteller Tumi verlässt zum 1. Juli die Stadt Neuenrade. Das Börsen notierte Unternehmen, das seine Hauptverwaltung für Europa, den Nahen Osten und Afrika bisher in der Hönnestadt hat,  verlagert seinen Standort im Sommer nach Unna. Ein Großteil der 75 in Neuenrade beschäftigen Mitarbeiter wird mitgehen.

Tumi-Koffer und Tumi-Taschen im Lager.

Sie verkaufen Koffer und Taschen in Premium-Qualität. Die „Road-Warriors“ sind ihre Kunden. Das sind viel-reisende Menschen, welche die hohe Qualität von Tumi zu schätzen wissen. Fünf Jahre Garantie gewährt das amerikanische Unternehmen für die Koffer. Verkauft werden sie natürlich in Geschäften, die ihrerseits an Premium-Standorten in den Hauptstädten Europas liegen.

In Neuenrade ist die Hauptverwaltung für Europa, den Nahen Osten und Afrika. 75 Mitarbeiter kümmern sich hier um die Belange der Kundschaft. Hier ist das logistische Zentrum, hier werden die Koffer von Sattlern und Fein-Täschnerinnen repariert, von hier aus werden die Koffer zu Kunden und Stores verschickt. Hier ist die Anlaufstelle für den rasant wachsenden E-Commerce. Noch! Denn am 1. Juli ist Schluss in Neuenrade.

10.0000 Quadratmeter Lagerfläche in Unna

Tumi verlagert seinen Standort nach Unna, übernimmt ein Drittel der Räumlichkeiten des großen Lidl-Lagers mit 10.000 Quadratmetern Fläche, dort findet Tumi hervorragende logistische Vorteile wegen der Nähe zu Dortmund vor. Vorteile, die Neuenrade nicht bieten kann, wie Vice President Stefan Schweizer erläutert. Neuenrade sei zuletzt zum Nadelöhr geworden, angesichts des kontinuierlichen Wachstums habe es keine Möglichkeiten mehr gegeben. Nur ein Drittel der Ware habe man noch am Küntroper Standort unterbringen können. Alles andere habe man bislang gar extern lagern müssen.

Standort Neuenrade hat zur Erfolgsgeschichte beigetragen

Dieses 1500 Quadratmeter große Lager im Küntroper Industriegebiet mit seinen Hochregalen ist viel zu klein geworden. Auch deshalb muss Tumi umziehen.

Dabei hat der Standort in Neuenrade bisher zur Erfolgsgeschichte beigetragen. Den Anfang machte ein Verkaufsleiter (Jan Wiepjes) in Altenaffeln und ein Container mit Ware des damals noch inhabergeführten Unternehmens, dann wuchs das Geschäft kontinuierlich. In Küntrop (seit 1990) werden aktuell noch 2000 Quadratmeter Lagerfläche plus 400 Quadratmeter Bürofläche bis auf den letzten Quadratzentimeter genutzt. Knapp 67,5 Millionen Dollar beträgt der Umsatz für den Bereich Europa, Naher Osten, Afrika, der hier erwirtschaftet und verwaltet wird. Produziert wird im übrigen „mit verlässlichen Partnern“ in dem gigantischen Wirtschaftsraum Ostasien.

Bei Tumi herrsche ein kollegiales Klima, erklärt Vice President Stefan Schweizer.

Bei Tumi, seit April 2014 börsennotiert an der New York Stock Exchange, herrsche ein kollegiales Klima, erläutert der Vice President. Man duze sich, es gebe hier die open-door-policy, eine Politik der offenen Tür, man arbeite im Team, man denke wachstumsorientiert, sei sehr engagiert.

Das wüssten die Amerikaner zu schätzen, man habe Vertrauen und deshalb gebe es auch einen Mietvertrag über zehn Jahre für den Standort in Unna („Das ist ein Commitment“). Üblich seien fünf Jahre in der Branche. Wie Schweizer erläuterte, habe es durchaus auch die Möglichkeit gegeben, all die Logistik auch an einen Dienstleister mit allem Drum und Dran zu geben. Doch die Mannschaft bei Tumi sei eben effektiv und könne gerade auf lange Sicht auch kostengünstiger arbeiten als ein Dienstleister, der mit Gewinn-Margen rechne, betonte Schweizer. Diesen Gesamtkomplex würden die Amerikaner auch sehen.

Kompensationspaket für die Angestellten

Nun zieht man um mit Mann und Maus. Und man macht es den Angestellten schmackhaft. Ein „Kompensationspaket“ wurde aufgelegt, mit Shuttle-Service für die Mitarbeiter, Kostenerstattungen. Gleichwohl – fünf Mitarbeiter kommen nicht mit nach Unna. Deshalb und auch wegen des Wachstumskurses sucht man weitere Mitarbeiter unter anderem für Versand und Kundenbetreuung. SAP-Kenntnisse und möglichst mehr als eine Fremdsprache sind in dem international aufgestellten Unternehmen wichtig.

Hier geht es zur Homepage von Tumi.

Hier wird gerade eine Tumi-Tasche von einer angehenden Fein-Täschnerin repariert.

Nun zieht man um. Seitens der Neuenrader Stadtverwaltung hat man sich natürlich bemüht, Tumi zu halten, habe aber letztlich nicht mit den Standortvorteil Unnas mit seinen Anbindungsmöglichkeiten und Lagerkapazitäten konkurrieren können. So nimmt Tumi eine knappe Million Euro für die Umzugskosten in die Hand, denn da gibt es so manches zu beachten. Und seien es neue Sprinkler-Anlagen, die in Unna installiert werden müssen.

Bis zum 1. Juli will man eingezogen sein. Und in Neuenrade ist viel, viel Platz für ein neues Unternehmen.

Rubriklistenbild: © von der Beck

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