2000 Quadratmeter Neubau

Klinke investiert in Neuenrade einen Millionenbetrag

+
Ein Großteil der Julius Klinke GmbH & Co. KG von oben. Im Vordergrund entsteht der Neubau. 

Neuenrade - Bei der Julius Klinke GmbH & Co. KG wird investiert – und zwar kräftig. Geschäftsführer Alexander Klinke will keine Zahlen nennen, doch bestätigt er, dass der Neubau der 2000 Quadratmeter großen Halle ein Engagement in einstelliger Millionenhöhe nötig macht.

1300 Quadratmeter der Fläche werden dabei für die Produktion genutzt, 700 Quadratmeter sollen als Lagerfläche dienen. Vergrößert wird die Automatenfertigung, auch der mechanischen Bearbeitung wird Platz eingeräumt. Maschinen aus anderen Hallen werden umverteilt, die Logistik insgesamt verbessert. 

All das und die Tatsache, dass immer mehr Teile komplett gefertigt werden, zusätzliche Projekte und Aufgaben hinzugekommen sind und sich Klinke immer weiter diversifiziert, ließen dem Unternehmer quasi keine Wahl, als zu investieren: Und so ist die neue Halle logische Folge einer nachhaltigen und vorsichtigen Firmenpolitik. Die Dienstleistung von Banken oder Sparkassen – sprich Kredite – nimmt Klinke dabei nicht in Anspruch, die Investition erfolgt aus Eigenmitteln. Anfang 2019 wird die Halle fertig sein. Koordination und Planung des Projektes obliegt dabei dem pensionierten Einkaufsleiter Manfred Klemradt. „Ich bin froh und dankbar, dass er das komplett managt, wir haben dafür keine Zeit.“ 

Der Geschäftsführer Alexander Klinke.

Wenn die neue Halle betriebsbereit ist, wird die Situation in den anderen Arealen des Unternehmens entzerrt, zumal neue Maschinen, die für die Halle benötigt werden, schon jetzt geliefert wurden und werden. Der Platz in dem Unternehmen wird offensichtlich gut ausgenutzt: Maschine reiht sich an Maschine. Überall steht Fertigware. Das reicht vom kleinsten, nur wenige Millimeter großen Drehteil aus Aluminium, Messing oder Stahl bis hin zu massiven Elementen mit allen möglichen Fräs- und Bohrlöchern. 

60 Millionen Teile pro Jahr 

So unterschiedlich wie die Teile sind die Produktionszeiten. Da gibt es Teile, die in zwei Sekunden fertig sind, aber auch höchst komplexe Gebilde, bei der die Produktionszeit eineinhalb Stunden pro Stück betragen kann. Das alles dokumentiert die Bandbreite und Komplexität der Produktionsprozesse und deutet auch an, wie wertvoll die Fachkenntnisse der Mitarbeiter für das Unternehmen sind. Rund 200 Mitarbeiter arbeiten in dem Unternehmen und helfen mit, 60 Millionen Teile pro Jahr zu fertigen. Die Bearbeitung der Teile unterliegt dabei einem stetigen Verbesserungsprozess, was Qualität und Methodik anbelangt. Klinke spricht dabei von Rationalisierung als Motor der industriellen Fertigung. Und so werden in dem Unternehmen durchaus Roboter eingesetzt, um Kosten zu sparen, um auch angesichts des harten Wettbewerbs den nächsten Auftrag an Land ziehen zu können. „Rationalisierung schafft Arbeitsplätze, das darf man nicht vergessen“, sagt Klinke. 

Unternehmen existiert seit mehr als 170 Jahren

Mehr als 170 Jahre alt ist die Julius Klinke GmbH & Co. KG und zählt damit sicher zu den ältesten Betrieben in Deutschland, Mehrere Kriege und Wirtschaftskrisen hat das Unternehmen auch Dank einer Politik überlebt, die vielen erfolgreichen Familienbetrieben eigen ist: Vorsichtiges Agieren, Diversifizierung, die Beschäftigung guter Mitarbeiter und durchaus auch eine frühzeitige Nachfolgeregelung, die sich auf ein Familienmitglied beschränkt. Alexander Klinke ist zwar erst 61 Jahre alt und wird sicher noch etliche Jahre die Geschäfte leiten, doch die Nachfolge ist schon jetzt geregelt. Sohn Julius, 23 Jahre alt, wird in 6. Generation das Unternehmen leiten. Alexander Klinkes Tochter Geraldine könne das auch, betont Klinke, habe bei ihrem Betriebswirtschaftsstudium aber den Bereich Mode angepeilt. 

Auch derartig komplizierte Drehteile werden bei Klinke gefertigt

Und so wird Julius Klinke, das BWL-Studium hat er bereits abgeschlossen, wohl die weitere Unternehmerausbildung durchlaufen. Technik steht da genauso auf dem Programm wie ein Auslandsaufenthalt. 

Rahmenbedingungen werden nicht besser

Die politischen Rahmenbedingungen für Unternehmen werden nicht besser, die politischen Gegebenheiten werden instabiler. Doch Alexander Klinke sagt: „Wir merken weder was von Trump noch vom Brexit.“ 

Der Exportanteil des Unternehmens beträgt gut 20 Prozent. Geliefert wird in alle Welt. Amerika ist genauso darunter wie Russland. Der Großteil des Umsatzes wird also in Deutschland gemacht. Klinke ist breit aufgestellt. „Wir sind von keiner bestimmten Branche abhängig“. Zum Kundenkreis zählt die Autoindustrie, die Armaturenindustrie, Medizintechnik, Maschinenbau, Rüstungsindustrie. 

Mit gewissen Sorgen blickt Alexander Klinke auf das Thema Elektromobilität, zumal in E-Autos weitaus weniger Teile verbaut sind. Auch diese Veränderung würde der Firma Klinke sicher nicht schaden. Das belegt ein Blick in die Vergangenheit. „Die Klavierbestandteile, von denen Klinke bei seiner Gründung zu 100 Prozent lebte, machen heute nur noch einen geringen Prozentsatz der Fertigung aus“, sagt Alexander Klinke.

Übrigens: Gute Facharbeiter wie Zerspaner sind bei Firma Klinke gesucht. Eine Bewerbung kann sich lohnen. Dies gilt auch für junge Leute, die eine Ausbildung machen möchten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare