Kita-Situation: "Wir brauchen Hilfe"

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Superintendent Klaus Majoress wies Familien-Ministerin Christina Kampmann eindringlich auf die Sorgen und Nöten bei der Kita-Finanzierung hin.

Neuenrade - Es war durchaus beeindruckend, was Danny Bexten, Leiterin des Evangelischen Familienzentrums Hummelnest der Familienministerin Christina Kampmann präsentierte: Sie beschrieb den Alltag einer Erzieherin und Kita-Leiterin.

 Sie zeigte auf: Dass Erzieherinnen Hausmeisterarbeiten leisten, Seelentrösterinnen, Clown, Kosmetikerin ( Kinderfrisuren herrichten), Bastelfee, Blitzableiter, Tagesmutter, Dompteur, Familienberaterin, Sprachtalent oder Betriebswirt und Raumausstatter.“

Eindringlich zeichnete sie ein Bild von der aktuelle Situation der Erzieherinnen, das vor dem zusätzlichen Hintergrund knapper Personalausstattung und überbordender Bürokratie nicht gerade eine Spaßveranstaltung ist. Wenigstens seien noch die Kinder da, die das Leben einer Erzieherin noch erhellen würden. Mit allem möglichen werde die Arbeitszeit, die eigentlich für die Kinder da sein sollte, für Aufgaben als Elektroschutzbeauftragte, Brandschutzbeauftragte, Sicherheitsbeauftragte, Erste-Hilfe-Beauftragte beschnitten. Hinzu kämen jede Menge andere Dokumentationspflichten. „Wir haben auch ohne Kinder genug zu tun“, wurde während des Ministerinnenbesuchs am Donnerstag als Bonmot ausgegeben.

Superintendent Klaus Majoress, Vorsitzender des ev. Kita-Verbandes, flankiert von seiner Fachberaterin, sprach von den finanziellen Problemen, die die Situation mit sich bringe. Die Krankenstände seien hoch, und der Qualitätsstandard müsse doch gehalten werden. Unter dem Strich werde der Trägeranteil jedes Jahr um 10 000 Euro an der Einrichtung überschritten. Der Superintendent sagte dazu, dass das hochgerechnet rund 150000 Euro Defizit im Kirchenkreis Plettenberg-Lüdenscheid bedeute. „Wenn das so weiter geht, kollabieren unsere Einrichtungen“. Pauschal finanzieren und nach Bedarfsdeckung arbeiten – das funktioniere einfach nicht, sagte Majoress. Und was Investitionen anbelangt, da brauche man Unterstützung von der Landesregierung. „Wir brauchen Hilfe“.

An einer Lösung der Kita-Situation werde im Rahmen eines neuen Gesetzes gearbeitet, sagte die Ministerin. Sie betonte aber, dass die Finanzierung nicht allein Landessache sei. Die Ministerin skizzierte noch einmal das Vorhaben des Ministeriums: 30 Stunden beitragsfrei stellen, Ausweitung der Öffnungszeiten, auch werde man den Wildwuchs bei den Elternbeiträgen (nach einem Hinweis von Ulrike Wolfinger, SPD) sicher beschneiden. Zudem soll es bessere Personalschlüssel geben und den Fachkräftemangel wolle man auch beheben. Bei all dem habe sie Rückhalt von der Ministerpräsidentin und dem Finanzminister, denn es werde nicht billig.

Bleibt noch der Hinweis um eine Bemerkung am Rande. Sie sagte im Gespräch mit Bürgermeister Antonius Wiesemann, dass noch Geld für Investitionen in Kitas frei sei. 30 Millionen für den U3-Ausbau und 40 Millionen für den Ü3-Ausbau. Wiesemann spitze die Ohren. „Das ist ein starkes Signal“, sagte er und wollte flott mit seinen Leuten reagieren. Ministerin Kampmann bekam jedenfalls zwei Pakete mit Unterlagen zur Kita-Finanzierung und Erzieherinnenbelastung mit auf den Weg.

-Von Peter von der Beck

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