Auch Erzieherinnen warnen

Kinderarzt im MK schlägt Alarm: Pandemie hat gesundheitliche Folgen für Kita-Kinder

Attila Hildebrand ist Kinderarzt in Neuenrade.
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Attila Hildebrand ist Kinderarzt in Neuenrade.

Die Pandemie hat Kindern im Kindergartenalter nicht gut getan. Das lassen die Leiterinnen aus den Familienzentren in Neuenrade, Monika Batusha (Wirbelwind), Heike Richter-Oltmanns (Sausebraus) und Danny Bexten (Evangelisches Familienzentrum Hummelnest), durchblicken.

Deutlich sei es zu spüren, dass den Kindern Sozialkontakte über viele Monate gefehlt hätten. Teilweise sei es den Kindern nach dem Lockdown und der Rückkehr in die Einrichtungen anfangs sogar schwer gefallen, untereinander zu kommunizieren, Kontakt aufzunehmen.

Auch die Gesundheitsbehörde des Märkischen Kreises bestätigt, dass es coronabedingte Defizite gebe, die vor allem die Motorik betreffen. Die Kinder würden im Rahmen des Kindergartenscreenings (Drei- und Vierjährige) untersucht. Und nach einer „ersten groben Einschätzung“ könne man sagen, dass es „gewisse Defizite bei den motorischen Fähigkeiten“ gebe. Das Gesundheitsamt agiert vorsichtig: Eine Studie könne man dazu nicht vorweisen, ließ die Behörde über die Presseabteilung auf Nachfrage mitteilen.

Probleme bei der Motorik und kognitive Rückstände

Kinderarzt Attilla Hildebrand bestätigt aus seiner Neuenrader Praxis, dass es bei Kindern inzwischen Auffälligkeiten gebe, die er auf die Folgen der nun gut eineinhalb Jahre andauernden Pandemie zurückführt: Die coronabedingten eingeschränkten Öffnungszeiten und teilweise Schließungen der Kitas hätten einige Defizite verursacht. Vermutlich dadurch sei es bei manchen Kindern zu Problemen bei Motorik und zu kognitiven Rückständen in der Entwicklung gekommen. „Eindeutig feststellen konnte ich, dass viele Kinder Gewichtsprobleme haben. Sie haben zu rasch und zu viel zugenommen“, so Hildebrand.

Durchaus für kritisch hält Hildebrand all die coronabedingten Entwicklungsdefizite in den Fällen, wo Kinder vor der Einschulung standen oder stehen. Da könne das durchaus problematisch sein. Speziell, wenn Familien die Möglichkeiten fehlten, um diese Defizite zu kompensieren. Hildebrand spricht in diesem Zusammenhang von „sozial schwachen Familien“. Er kann sich vorstellen, dass es Erziehern und später auch Lehrkräften schon wegen der starken Gruppen- oder Klassengrößen nicht leicht falle, hier im nötigen Umfang zu agieren. Dabei gehe es in Sachen Motorik nicht unbedingt um Sport, sondern auch um Fingerfertigkeit, die ja auch beim Erlernen des Schreibens benötigt werde.

Defizite werden in die Schule mitgenommen

Ob und in welchem Umfang Defizite korrigiert würden, sei individuell verschieden. „Wenn sich jemand kümmert, ist das okay. Aber das funktioniert in manchen Familien so nicht.“ Zudem hänge es auch davon ab, um welche Defizite es sich handele und wie das Elternhaus mitziehe. Lob gibt es von Hildebrand für die Vorbereitung der Maxi-Kinder in den Kitas auf die Grundschule: „Das meiste wird in den Kitas gelernt.“ Hildebrand kann sich jedenfalls vorstellen, dass Kinder Defizite in die Grundschule mitnehmen und dadurch möglicherweise eine Klasse wiederholen müssten.

Pandemiebedingte psychische Probleme diagnostiziert der Facharzt für Kinder und Jugendmedizin durchaus auch. Man habe ältere Kinder hier, welche die Pandemie psychisch belastet habe. „Das zeigt sich in depressiven Verstimmungen.“ Das könne sich in sozialem Rückzug äußern.

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