Wie Kinder vom Bettnässer zum Wellnesser mutieren

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Dank Wellness sieht das siebenjährige Mädchen erst wie sechs aus. Ein zweifelhafter Erfolg.  

NEUENRADE - Werbung hatten die „Weibsbilder“, alias Anke Brausch und Claudia Thiel, die am Sonntagabend mit ihrem Kabarett-Programm „Botox to go – Bei uns kriegst du dein Fett weg!“ in der Villa am Wall vor ausverkauftem Saal spielten, nicht nötig.

Mit ausverkauft ist so ausverkauft gemeint, dass die Kulturchefin der Stadt Monika Arens diesmal sogar mit dem Flur vorliebnehmen musste und das köstliche Unterhaltungsprogramm der beiden Vollblut-Entertainerinnen nur durch die verschlossene Tür genießen durfte.

Und dass das Programm beim Publikum glänzend ankam, war im Flur ebenso zu vernehmen wie im Park der Villa. Wie heißt es so gern, wenn Kabarettisten ihr Publikum verwöhnen: „Ein Angriff auf die Lachmuskeln.“ Das traf zweifelsohne auch auf Anke Brausch und Claudia Thiel zu, die regelmäßig die Rollen tauschten und jedesmal überzeugten.

Unterschiedlicher hätte das äußere Erscheinungsbild der beiden Protagonistinnen kaum ausfallen können. Rank und schlank kam Anke daher, eine Wohltat für das männliche Auge – aber ein wenig dem Schönheitswahn verfallen. Claudia zeichnete ihre Natürlichkeit aus, ihr Körper litt allerdings unter einem Sportunfall. „Da ist mir die Taille rausgesprungen“, erklärte die keineswegs zu schwere, vielmehr zu klein geratene Persönlichkeit keck. Von solch fadenscheinigen Ausreden ließ sich ihre Freundin Anke nicht aufs Glatteis führen und stand Claudia mit Rat und Tat zur Seite, die den Gutschein einer Wellness-Farm in Händen hielt. Ihren Cowboyhut legte die als Buffetfräse verschrieene Claudia rasch ab, nachdem Anke klargestellt hatte, dass Farm nicht wörtlich zu nehmen sei. Der Startschuss zu einem kurzweiligen Programm war gefallen.

Glanz in den Augen bekamen die Männer im Publikum als die füllige aber gemütliche Claudia erklärte, dass sie eine Wellness-Marmelade im Sortiment ihres Discounters gefunden hatte. Zu edel um sie auf dem Brötchen zu verschmieren. Also hat sie sich die zuckersüße Marmelade auf ihren Oberschenkeln verteilt und forderte einen „schnuckeligen“ Herrn im Publikum zum Abschlecken auf. Es gehe doch nichts über ein ekstatisches Publikum, waren sich Anke und Claudia einig und gaben sich alle Mühe, die rund 60 Gäste in der Villa in diesem Zustand zu halten.

Selbst die Kinder seien schon dem Wellnesswahn verfallen und würden direkt vom Bettnässer zum Wellnesser in der Kita ihres Vertrauens mutieren – dem ebenso entspannenden wie wohltuenden Programm der pädagogischen Einrichtung sei Dank.

Damit ist das Programm der beiden Kabarett-Weibsbilder aber nur ansatzweise beschrieben. Ein Besuch lohnt sich, aber Vorsicht: Es gibt kaum Werbung.

Von Markus Jentzsch

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