680 Kilometer auf dem Rad: Zwei Schülerinnen radeln von München ins Sauerland

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Ein Nickerchen im Schatten: Um die Tagesetappen von bis zu 115 Kilometern Länge zu schaffen, legte die Gruppe immer wieder Pausen ein.

Affeln – „Was habt Ihr denn so in den Sommerferien gemacht?“ Auf diese Frage der Mitschüler oder Lehrer in den ersten Tagen des neuen Schuljahres verweisen die meisten Kinder und Jugendlichen wohl auf einen Urlaub am Meer, Camping oder eine Wandertour in den Bergen.

Nicht aber Hannah Fink (14) und Lisa Peters (15). Die Cousinen sind gemeinsam mit ihrem Cousin Nikolai Peters und Winfried und Georg Peters als erwachsenen Begleitern in sieben Tagen 680 Kilometer mit dem Fahrrad von München (Neuried) nach Affeln gefahren. 

Die Idee entstand bereits vor mehr als einem Jahr. Daraufhin wurde die Tour sorgfältig geplant. Georg Peters, der mit seinem 14-jährigen Sohn in München lebt, übernahm diese Aufgabe. Mithilfe einer speziellen App suchte er eine passende Strecke vom Süden Deutschlands bis ins Sauerland heraus. Die Übernachtungen in Pensionen oder Jugendherbergen während der fast 700 Kilometer langen Tour buchte Peters allesamt im Vorfeld, sodass es in den Ferien perfekt vorbereitet losgehen konnte. 

Täglich bis zu 115 Kilometer

„Wir haben uns sehr auf die Tour gefreut, auch wenn wir im Vorfeld natürlich Angst hatten, dass wir diese lange Strecke vielleicht nicht schaffen könnten“, erzählten Hannah und Lisa nach ihrer Ankunft in Affeln. 

Die erste Etappe begann am frühen Morgen des 3. August. An den ersten drei Tagen der Tour fuhr das Quintett aus München und Affeln jeweils 115 Kilometer täglich. „Gleich am ersten Tag riefen Lisa und Hannah zu Hause an, um sich die Erlaubnis zu holen, mit dem Zug den restlichen Weg zurückfahren zu dürfen, weil es anfangs ziemlich anstrengend war“, blickte Winfried Peters schmunzelnd zurück. „Aber Georg und ich haben gesagt: ,Ihr schafft dass, wir ziehen das gemeinsam durch.’“ Auch wenn der erste Muskelkater nicht lange auf sich warten ließ und die beiden Teenager aus Affeln abends erschöpft im Bett lagen, verfehlten diese Worte ihre Wirkung nicht: Hannah und Lisa kämpften sich durch. 

Immer weiter Richtung Sauerland

So ging es in den Folgetagen durch Felder und Wiesen, Wälder, Büsche und Feldwege immer weiter Richtung Sauerland. „Die App war sehr gut, sodass wir uns unterwegs kaum verfahren haben“, erinnerte sich Peters. Mit jeweils einer großen Mittagspause und mehreren kleinen Stopps schafften sie die folgenden Tagesstrecken immer besser. 

Erschöpfter, aber glücklicher Jubel nach fast 700 Kilometern auf dem Fahrrad. Die Gruppe aus Affeln und München kam nach sieben Tagen gemeinsam in der Hönnestadt an.

„Am Morgen haben wir vorne den Ton angegeben. Gegen 17 Uhr verließen uns die Kräfte aber meist. Dann mussten uns die Erwachsenen immer antreiben, damit wir weiterstrampeln“, erzählten Lisa und Hannah. Dies gelang Winfried und Georg Peters nicht zuletzt mit einem Korb voller Leckereien wie Chips, Obst und weiteren Snacks, um sich auf der Strecke immer wieder zu stärken. Auch Gesang und Musik aus einer Soundbox sorgten auf dem Rad trotz aller Strapazen immer wieder für gute Laune. 

Auch einige lustige Geschichten

Auch an die eine oder andere lustige Geschichte nach den vielen Kilometern auf dem Rad durch Deutschland können sich die beiden jungen Neuenraderinnen erinnern. „An einem Abend hat einer beiden Erwachsenen seine Kleidung durgewaschen und anschließend zum Trocknen auf die Heizung gelegt, dabei den Heizkörper auf die höchste Stufe gestellt. Als wir am nächsten Morgen wach wurden, hat sich jeder gewundert, warum es im Zimmer so heiß war“, erzählten sie lachend. 

Gesehen haben die Fünf viel während ihrer persönlichen Deutschland-Tour. Dabei ließ sich die Gruppe letztlich auch durch kleinere Wehwehchen nicht stoppen. Als Lisa während einer Etappe ein Muskelzucken verspürte, verzichtete sie auf den Besuch beim Arzt oder in der Apotheke. „Nein, das brauchten wir nicht, ich habe das Problem einfach weggeradelt“, sagte die Schülerin. Um die fast 800 Kilometer auf dem Rad durchzustehen, reichte als „Doping“ morgens eine Magnesium-Tablette. „Und abends als Belohnung ein Schnitzel“, sagte die 15-Jährige lachend. 

Weitere Tour ist vorstellbar

Hatten Hannah und Lisa an Tag eins der XXL-Radtour noch ans Aufgeben gedacht, können sie sich nun sogar vorstellen, eine ähnliche Tour noch einmal zu machen. „Ja mit etwas Abstand betrachtet, kann man so etwas noch einmal wiederholen. Dann aber nicht dieselbe Strecke, sondern am Meer entlang mit Camping“, haben die beiden Affelnerinnen bereits genaue Vorstellungen. 

In der Gemeinde Neuried bei München startete die Tour Richtung Affeln im Sauerland, auf die Hannah Fink und Lisa Peters mittlerweile lachend zurückblicken können.

Aber auch ihr Cousin Nikolai und Winfried und Georg Peters fanden diese Tour „einmalig“. Obwohl am Abend häufig der Hintern schmerzte und die Beine sich wie Pudding anfühlten, war es „eine tolle Erfahrung mit abenteuerlichen Erlebnissen“ meinen die Fünf. Damit dürfte wohl auch schon klar sein, was Lisa und Hannah im nächsten Sommer antworten, wenn sie wieder gefragt werden: „Was habt Ihr denn in den Ferien so gemacht?“

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