Kerstin Steinhaus kümmert sich um Orang Utans in Kuala Lumpur

Rosinen, Bananen oder Bohnen: Sein Futter musste sich auch dieser Orang erst verdienen – und dafür den Packpapier-Ball aufreißen.

Neuenrade - Ein Urlaub für alle Sinne – so beschreibt Kerstin Steinhaus ihren Einsatz als freiwillige Helferin in Kuala Lumpur und auf der Insel Borneo. Im Juli hat sich die Neuenraderin vier Wochen lang um Orang Utans gekümmert und im Regenwald neue Bäume gepflanzt.

In einem Zoo in der malaiischen Hauptstadt Kuala Lumpur half die 45-Jährige dabei, die Bedingungen für 15 Orang Utans zu verbessern, die nicht wieder in die freie Wildbahn entlassen werden können.

„Man sagt, dass Orang Utans einen Intellekt haben, der dem eines sieben- bis achtjährigen Kindes entspricht“, weiß Steinhaus, „und dass sie ähnlich wie die Menschen eine ganz eigene Persönlichkeit haben, eigene Vorstellungen.“

Steinhaus ist Leiterin der offenen Ganztagsbetreuung an der Grundschule Bierbaum in Lüdenscheid. Über den Reiseveranstalter „Real Gap“ konnte sie ihren Wunsch, im Urlaub auch etwas Sinnvolles zu leisten, realisieren. „Real Gap“ organisiert unter anderem Auslandsaufenthalte wie Volontärprojekte mit Kindern oder im Natur- und Tierschutz. Die Kosten – Flug sowie Kost und Logis – muss der Reisende wie bei einem normalen Urlaub selbst tragen, bekommt im Rahmen der Freiwilligenarbeit aber einzigartige Erlebnisse geboten. Für den Verein „APE Malaysia – Animal Projects & Environmental Education“ war Steinhaus vor Ort tätig: „Ich habe schnell gemerkt, dass die Orangs sehr intelligent sind, vielleicht wirklich auf einem Stand wie Kinder. Nur dass sie eben nicht sprechen können“, schildert die Neuenraderin, die auch beinahe drei Wochen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland noch völlig im Bann ihrer Erlebnisse steht.

Steinhaus: Tiere erklären alles mit Gestik und Mimik

Was sie wollen, zeigten die Tiere ganz deutlich. Die Orang-Utan-Dame Enna hätte auf ihre Hand gespuckt und die Hand dann in Richtung der Helfer getreckt. Nach einiger Interpretationsarbeit sei Steinhaus darauf gekommen, dass sie sich die Hände waschen möchte. Tatsächlich hätte das Tier Wasser, das Steinhaus daraufhin in einer Schale brachte, angenommen und sich die Hände gewaschen. „Die Orangs erklären alles mit Gestik und Mimik. Jeder Orang drückt sich aber anders aus. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man lernt, sie zu verstehen“, erinnert sich Steinhaus an den Glücksmoment.

Dennoch seien sowohl die eigene Sicherheit als auch die der Tiere immer an erster Stelle gewesen. „Es sind immer noch wilde Tiere, denen man mit Respekt und Vorsicht begegnen muss. Ihnen unüberlegt zu nahe zu kommen, kann böse enden, da die Tiere enorm kräftig sind“, sagt Steinhaus.

"Urlaub für die Sinne"

Alle individuellen Verhaltensmuster der Orangs wurden stets dokumentiert, um weiterhin über die Tiere lernen zu können. Ihre Nahrung – je nach Vorliebe Bananen, Rosinen, Koriander oder Bohnen – mussten die Orangs aus von den Helfern selbstgebastelten Jutepäckchen, Bananenblatt-Papprollen-Kombinationen oder Packpapier-Bällen befreien. Die Naht aufreißen, schütteln oder gar auf die Gegenstände einschlagen – die Methoden waren zahlreich. Urlaub für die Sinne sei es allemal gewesen, erinnert sich Steinhaus schmunzelnd: „Im und um das Orang-Gelände herum riecht es trotz der vorbildlichen Reinigung schon sehr stark. Und unsere Unterbringung war direkt nebenan.“

Mit denselben Kollegen – vier jungen Leuten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sowie einer Frau Mitte 60, alle aus Großbritannien – ging es nach zwei Wochen weiter auf die Insel Borneo. Die gehört zu Indonesien sowie Teile von ihr zu Malaysia und Brunei. Der Regenwald, die hohe Luftfeuchtigkeit, die Gerüche – „das ist wirklich der Wahnsinn für die Sinne“, sagt Steinhaus. In einer Lodge hat sie übernachtet und beim gemeinsamen Kochen und Essen mit den Einheimischen viel über die Insel gelernt – und auf dem Boden und mit den Fingern gegessen. „Es gab Fisch und Hähnchen, Gemüse, natürlich auch Reis und Kokosmilch.“

Klima macht Arbeit richtig anstregend

An drei Tagen stand vormittags und nachmittags jeweils zweieinhalb Stunden Arbeit auf dem Programm: in der Baumschule Bäume pflegen und wässern, in bestimmten Gebieten in freier Wildbahn unter fachkundiger Anleitung Setzlinge pflanzen und Unkraut jäten. „Bei dem Klima war es anstrengend und ich habe geschwitzt wie noch nie“, erzählt sie. Blutegel und Mosquitos hätten es nicht leichter gemacht. „Und wenn ich dann mal von einem Internetcafé aus Fotos nach Hause geschickt habe, war mein Mann ganz entsetzt, wie kaputt ich doch aussehe.“

Aber das Wissen, dass die Bäume in zehn Jahren einen Orang tragen können und zum Wiederaufbau des durch Palmölgewinnung zerstörten Regenwaldes beitragen, sei die größte Belohnung.

Unter voller Rückendeckung ihres Ehemanns Volker oder sogar mit ihm zusammen will Kerstin Steinhaus schon bald die nächste große Reise planen.

Von Kristina Köller

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