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Keine geeigneten Gewerbeflächen: Wachsendes Unternehmen verlässt Neuenrade

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Von: Markus Wilczek

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Ein letzter Besuch am Alten Standort: Landrat Marco Voge (3.v.l.) schaute sich beim Unternehmen PDI-Metalltechnik in Neuenrade um. Der technische Leiter Jens Achenbach (von links), Inhaber Alfred Wendland und Domenic Troilo, kaufmännischer Leiter, führten Landrat Voge durch die Produktionsstätten.
Ein letzter Besuch am Alten Standort: Landrat Marco Voge (3.v.l.) schaute sich beim Unternehmen PDI-Metalltechnik in Neuenrade um. Der technische Leiter Jens Achenbach (von links), Inhaber Alfred Wendland und Domenic Troilo, kaufmännischer Leiter, führten Landrat Voge durch die Produktionsstätten. © PDI

Die Stadt Neuenrade verliert ein expandierendes Unternehmen. Weil PDI-Metalltechnik sich weiter vergrößern möchte, bei der Suche nach einem neuen Standort in Neuenrade aber nicht fündig wurde, siedelt die Firma nach Balve um.

2004 begann Inhaber Alfred Wendland im Homeoffice mit seiner Selbstständigkeit, 2011 kam der Umzug in die ehemalige Squash-Halle am Hüttenweg und der erste Mitarbeiter wurde eingestellt. Nach und nach wuchs das Unternehmen, vor sechs Jahren wurde eine zweite Halle auf der gegenüberliegenden Straßenseite angemietet. Da auch diese mittlerweile nicht mehr ausreicht, kam in einem Nachbargebäude ein Palettenlager hinzu.

Mittlerweile hat das Unternehmen 20 Mitarbeiter, der Jahresumsatz ist 2021 um 70 Prozent gestiegen. Der Maschinenpark fertigt Baugruppen für die Automobilzuliefererindustrie. Weil im Februar eine große Montageanlage dazu gekommen ist, bringt dies PDI erneut an räumliche Kapazitätsgrenzen. „Die Produktionsfläche ist ausgeschöpft, das Lager hat kaum noch Aufnahmekapazität und ich kann keine neuen Mitarbeiter einstellen, weil die vorhandenen Büros alle belegt sind“, sagt Wendland.

Beruflicher Abschied aus Neuenrade

Deshalb muss sich der Inhaber, selbst seit Jahrzehnten Neuenrader, beruflich mit seinem Unternehmen aus Neuenrade verabschieden: „Leider können wir nicht innerhalb der Stadt umziehen, weil es hier faktisch keine verfügbaren Industriegrundstücke zum Kauf gibt.“ Er habe alles versucht und einige Gespräche geführt, erklärt der Unternehmer, doch letztendlich habe es „auf Neuenrader Boden keine Chance gegeben, Flächen zu einem akzeptablen Preis zu kaufen, zu bebauen und so zu expandieren“.

Fündig wurde Wendland in Balve. Im Gewerbegebiet Braukessiepen an der Straße Altes Feld stehen nun 7 000 Quadratmeter für PDI bereit. „Ich bin so froh, dass wir diese Fläche heute unser Eigen nennen, das ist ein wichtiger Pfeiler unserer zukünftigen Pläne“, sagt Wendland. Im ersten Schritt entstehen in der ersten Ausbaustufe ein zweigeschossiges Bürogebäude, eine Produktionshalle und ein Hochregallager. Die Baugenehmigung liegt bereits vor.

Besuch vom Landrat

Auf Einladung von Alfred Wendland besuchte jetzt Landrat Marco Voge aus Balve-Mellen (CDU) das expandierende Unternehmen noch am alten Standort. Im Rahmen eines Rundgangs durch die Produktionsanlagen sagte Voge: „Wir müssen uns in Südwestfalen immer wieder bewusst machen, dass wir mit unserer starken Mischung aus kleinen Betrieben, mittelständischen Firmen, den Familienunternehmen und auch bekannten Konzernen die drittgrößte Wirtschaftsregion in Deutschland sind. Das ist die Grundlage für den Wohlstand hier vor Ort und die Arbeitsplatzsicherheit.“

Deswegen sei es wichtig, „dass wir den Unternehmern zuhören, weiterhin gute Rahmenbedingungen schaffen und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen – davon profitieren wir letztendlich alle“, so der Landrat. „Viele Telefonate, Videokonferenzen, Statistiken und Berichte über unsere Wirtschaft verschaffen einem schon einen guten Überblick über die Themen. Was unsere Unternehmer sowie die Arbeitnehmer aber wirklich bewegt, erfährt man nur im persönlichen Austausch und den Gesprächen vor Ort.“

Problem soll bei Neuaufstellung des Regionalplans berücksichtigt werden

Beim Thema „Möglichkeiten schaffen für Erweiterungen und Neuansiedlungen“ ist Wendland bei Voge auf offene Ohren und eine bekannte Herausforderung gestoßen. „Nicht nur in diesem Fall, sondern bei vielen anderen Unternehmen gibt es ähnliche Herausforderungen“, so Voge. Hierzu gebe es einen aktiven Austausch mit allen beteiligten Instanzen, damit diese Punkte beispielsweise bei der Neuaufstellung des Regionalplans berücksichtigt würden.

Auf die Frage, was die größten Zukunftsfragen für das Unternehmen seinen, nannte Alfred Wendland drei Kernpunkte: „Fachkräfte halten, neue qualifizierte und motivierte Mitarbeiter finden, die Unternehmensprozesse durch Digitalisierung noch besser machen und in Maschinen und Anlagen investieren.“ Vergangenes Jahr seien bereits vier Arbeitsplätze neu geschaffen und im Januar Personal zusätzlich eingestellt worden. Weil damit das Ende des Wachstums noch nicht erreicht sein soll, zieht es Wendland jetzt nach Balve: „Ich bin mir sicher, dass da noch einige Leute zu unserer PDI-Familie hinzustoßen werden.“

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