Keine Amnestie für Kriegswaffe: Neuenrader vor Gericht

+

Neuenrade/Altena – Bis zum 30. Juni 2018 galt eine Amnestieregelung, nach der Waffenbesitzer ihre illegalen Schießeisen bei der Polizei abgeben konnten, ohne ein Strafverfahren wegen illegalen Waffenbesitzes fürchten zu müssen. Auch ein heute 72-jähriger Neuenrader wollte davon Gebrauch machen.

Er ging mit seiner vollautomatischen Waffe der tschechischen Marke Ceská und 157 Patronen zur Polizei und kassierte prompt eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Denn für eine solche kriegstaugliche Schnellfeuerwaffe galt die Amnestie nicht. Und so musste sich der Neuenrader nun auch vor einem Schöffengericht im Amtsgericht Altena verantworten. 

Dort erzählte er, dass sich die Gründe, aus denen er die Waffe angeschafft hatte, mittlerweile verflüchtigt hätten. Seine Aussage, dass er vor acht Jahren Stress mit seiner Schwiegermutter gehabt habe, ließ zunächst befürchten, dass der Dame Schlimmes gedroht hatte. Doch es war der damit verbundene Auszug seiner Frau, die den Angeklagten offenbar in eine derartig heftige Lebenskrise getrieben hatte, dass er sich das Leben nehmen wollte. 

Exzellente Verbindungen

An diesem Punkt kam ein mittlerweile verstorbener Bekannter ins Spiel, der offenbar über exzellente Verbindungen zu einem Waffenhändler verfügte. Was dem Angeklagten bald darauf in Neuenrade übergeben wurde, war mehrere Nummern zu groß für den angedachten Zweck. „Ich habe nicht gewusst, was das für eine Waffe war, und ich war froh, dass sie aus dem Haus war“, versicherte der Angeklagte. „Ich war menschlich ein Wrack und froh, als die Waffe weg war“, variierte er diese Aussage in seinem Letzten Wort. Glücklicherweise hatte er seine finsteren Pläne einem Freund anvertraut, der ihn davon abbringen konnte. Und es gab eine Versöhnung mit der Ehefrau, die bereits ausgezogen war. 

Was blieb, war die Waffe, die der Angeklagte sieben Jahre lang aufbewahrte – bis er von der Amnestie hörte und nichts von seinem freiwilligen Erscheinen bei der Polizei hatte. Der Staatsanwalt war uneingeschränkt bereit, einen minderschweren Fall anzunehmen und dadurch deutlich unter der Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis zu bleiben. 

Waffe niemals eingesetzt

Immerhin hatte sich der Angeklagte selber bei der Polizei gemeldet, und die Waffe niemals eingesetzt. Der Angeklagte habe die Waffe mit dem „äußeren Erscheinungsbild einer vollautomatischen Maschinenpistole“ und die 157 Schuss Munition aber über eine lange Zeit in seinem Besitz gehabt, anstatt sich schon eher davon zu trennen. 

Was wäre gewesen, wenn die Waffe – etwa nach einem Einbruch – in andere Hände gekommen wäre? Der Staatsanwalt beantragte deshalb eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro. Verteidiger Dominik Petereit beantragte die Aussetzung einer zu verhängenden Geldstrafe zur Bewährung. Diesem Antrag folgte das Schöffengericht jedoch nicht: „Das ist klar, was das für eine Waffe war“, sagte Richter Dirk Reckschmidt. „Der Angeklagte hat einen gefährlichen Gegenstand sechs bis sieben Jahre bei sich gehabt.“ 

Geldstrafe von 1800 Euro

Und so blieb es bei der Geldstrafe immerhin von 1800 Euro. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare