Kein klassisches Adventskonzert in St. Lambertus

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Den Besuchern wurde am Samstagabend in der St.-Lambertus-Kirche ein kurzweiliges Programm geboten, das der inneren Entspannung und dem Seele-baumeln-lassen gerecht wurde.

Affeln - Es war nicht wirklich ein Adventskonzert, es war aber auch kein Gottesdienst, der am Samstagabend in der St.-Lambertus-Kirche das Publikum erfreute. Es war einfach ein gut zusammengestelltes musikalisch-textliches Programm, in dem zwei Akteure, die Sängerin Luisa Ortu (Hagen) und der Kirchenmusiker Johannes Köstlin (Altena) unter dem Titel „Einen Engel brauch ich jetzt!“ die Fäden zogen.

Das Duo gastierte auf Einladung des Lionsclubs Altena, des Lionsclubs Plettenberg-Attendorn und der katholischen Kirchengemeinde Affeln in dem historischen Gotteshaus mit der besonderen Akustik.

Allerdings waren es nur gut 100 Besucher, die diese auf hohem Niveau stehende Musikveranstaltung erlebten. Der Einstieg in Programm war klassisch, das Präludium und Fuge in D-Dur von Dietrich Buxtehude wurde von dem Altenaer Kirchenmusiker Johannes Köstlin hervorragend intoniert.

Für Köstlin ist es kein Problem, der Königin der Instrumente alle musikalischen Möglichkeiten zu entlocken. Mit seinem Auftakt hatte er sofort das Publikum auf seiner Seite. Aber Köstlin ist mehr als „nur“ Kirchenmusiker. Der Mann führt seine Zuhörer als Moderator locker durch das Programm. Wenn er vom alljährlichen Weihnachtsstress spricht, stößt er auf allgemeine Zustimmung, seine moderaten und einfühlsamen Worte kommen an. Sein Vorschlag, das rund einstündige Musikprogramm so zu nutzen, dass die Seele entspannt baumeln kann, wird ebenso mit Kopfnicken angenommen wie der Hinweis, dass Frieden nur dann erreicht wird, wenn er auch gewollt ist. Der Musiker traf mit diesen und weiteren Äußerungen den Nerv seiner Zuhörer.

Kirchenmusiker und Organist Johannes Köstlin wirkte selbst beim „Engelrap“ mit Baseball-Cap und Sonnenbrille souverän.

Auf bekannte Weihnachtsweisen verzichtete das Duo keineswegs. Anders war aber das Ankündigen und das Vorstellen der Musik. Das „Rüberbringen und das Umsetzen“ der Musik ist die qualitative Stärke des Duos. Ein Plus, zu dem ebenfalls Sängerin Luisa Ortu beitrug. Luisa Ortu verfügt über ein gewaltiges Stimmvolumen, teilweise vermittelte sie den Eindruck einer „Röhre“, dann war es wieder eine gefühlvoll vorgetragene Intonation. Adventliche Ohrwürmer („Happy Xmas" von John Lennon) trug sie mit rockigem Stimmverständnis vor, selbst der holde Knabe im lockigen Haar schien bei ihr keine andere Musikintonation zu haben.

Zu den Stärken der beiden Musiker gehörte aber auch das musikalische Mitnehmen des Publikums. Da wirkte es wie selbstverständlich, dass die „Stille Nacht, heilige Nacht“ nur gemeinsam vorgetragen werden konnte. Mal wurde der weihnachtliche Klassiker nur von der Sängerin vorgetragen, dann wird zusammen gesungen und last but not least wurde das Publikum zum mitsummenden Backround-Chor umfunktioniert.

Wie gesagt: Ein klassisches Adventskonzert klingt anders, gleichwohl bleibt die Frage, was Menschen auf der Suche nach dem musikalischen Neuen mehr erfreut. Natürlich war das Programm weitgehend von Johannes Köstlin geprägt. Der Mann an der Orgel sorgte nicht nur für eine verständliche Moderation, seine Texte kamen ebenso an wie die musikalische Begleitung seiner Progammpartnerin.

Die aus Hagen kommende Sängerin Luisa Ortu verfügt über ein großes Stimmvolumen

Selbst moderne Harmonien fanden aufmerksame Zuhörer und sein kurzfristiges Outfit zum „Engelsrap“ wurde locker verkraftet, Sonnenbrille und Baserap-Cap störten vor dem historisch wertvollen Altar niemanden.

In der Tat: Es war kein Adventskonzert der klassischen Art, dafür war es eine Musikveranstaltung, die zum Innehalten und zum Seelebaumeln aufforderte. Auch wenn kein Schnee der Kirche ein weißes Umfeld bescherte, das zu „Let it snow“ gepasst hätte.

Dr. Markus Brehme (Lionsclub Plettenberg-Attendorn) und Swen Wietzke (Altena) hatten in ihrer Eigenschaft als Präsidenten die Veranstaltung eröffnet, nach der einstündigen und kurzweiligen Aufführung dankten sie den beiden Akteuren mit einem Präsent.

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