Arens & Hilgert verzichtet auf Gewinn

Kein Feuerwerksverkauf mehr in Neuenrader Hagebaumarkt: Das sind die Gründe

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Keine Böller, keine Raketen: Im Hagebaumarkt werden dauerhaft keine Feuerwerksartikel mehr angeboten.

Neuenrade – Wer für sein privates Silvestervergnügen Böller und Raketen kaufen möchte, der kann sich den Weg zu Arens & Hilgert in Neuenrade sparen. Die Geschäftsführer des Hagebaumarktes haben sich entschieden, dass keine Feuerwerkskörper mehr in ihrem Geschäft verkauft werden.

Damit verzichtet der Baumarkt auf rund „10 000 Euro Umsatz“ und den daraus resultierenden Rohertrag. Geschäftsführer Jens Hilgert erläuterte die Gründe: Tierwohl und Umweltschutz. Aus den Reihen der Mitarbeiter war der Vorschlag an die Geschäftsführung herangetragen worden. Wenn man eine Zooabteilung habe, sei der Böller- und Raketenverkauf mit dem Thema Tierschutz nicht vereinbar. 

Deshalb habe man sich als Familie Hilgert – Jens Hilgert, Schwester Ina Zanger und Günter Hilgert – zusammengesetzt und kurzfristig entschieden, den Verkauf genehmigungspflichtiger Böller einzustellen. Nur Luftschlangen, Wunderkerzen und harmlose Partykracher habe man im Sortiment. All das sei nicht zur Freude des Zulieferers geschehen: Der habe mehrmals nachgefragt, ob es den Hilgerts denn ernst mit dem Verkaufsverzicht sei. 

Beitrag zum Umweltschutz

Jens Hilgert ist der Auffassung, dass das Abbrennen der Feuerwerkskörper etwas sei, das „eigentlich überflüssig“ ist. „Brauchtum und all das finde ich gut und schön – aber Böllern, das muss nicht sein.“ Gleichzeitig tue der Familienbetrieb mit dieser Entscheidung etwas für den Umweltschutz. In der Gesamtmenge der in den Vorjahren jeweils verkauften Böller und Raketen seien immer rund 160 Kilogramm Sprengstoff enthalten gewesen. Der Kohlenstoffdioxidausstoß der abgebrannten Böller und Raketen sei sicher nicht ohne. Noch lange nach dem Silvester-Feuerwerk könne man oftmals eine Dunstglocke über der Stadt erkennen. 

Hilgert betonte auch: „Ich möchte keinesfalls belehrend sein.“ Aber er fände es schön, wenn seine Vorreiterrolle Nachahmer im Sauerland finden würde. Er glaubt zudem, dass es sich enorm auswirken würde, wenn auch die großen Discounter wie Aldi und Lidl sich entsprechend verhalten würden. Er gebe seine Entscheidung frühzeitig bekannt, damit die Kunden reagieren könnten, um gegebenenfalls Silvesterfeuerwerk anderswo zu kaufen. 

Feuerwerk auf zentralem Platz?

Zudem formulierte Jens Hilgert eine Idee. „Man könnte doch zwei Stunden Feuerwerk an einem zentralen Platz in Neuenrade anbieten.“ Das könne vielleicht die Stadt Neuenrade leisten. Dort könnten die Neuenrader zusammenkommen, feiern und sich daran erfreuen. Auch Nachbarschaftspflege wäre so möglich. „Wir würden das unterstützen.“ 

Jens und Günter Hilgert: Die beiden Geschäftsführer haben auf Anregung aus der Belegschaft im Familienrat entschieden, keine Böller zu verkaufen.

Senior-Chef Günter Hilgert machte sogar den Vorschlag, statt Raketen Laser für eine Lichtshow einzusetzen. Die Hilgerts glauben, dass der Verzicht auf Böller auch einen gewissen gesellschaftlichen Wandel widerspiegelt. Die Umsatzzahlen bei Böllern würden seit Jahren stagnieren. Im Zuge der aktuellen Debatten zum Klimawandel vermuten sie, dass sich auch das Verhalten der Menschen ändern werde. 

Veränderungen im Sortiment

Schon jetzt mache sich das auch beim Sortiment des Baumarktes bemerkbar: Plastikhalme und Plastikgeschirr gibt es bei Arens & Hilgert nicht mehr, als Ersatz bietet man Produkte aus Bambus an. Plastiktüten würden seit eineinhalb Jahren nicht mehr verkauft. Ein Mitarbeiter rechnet gar damit, dass Benzin-Rasenmäher mittelfristig keine Käufer mehr finden. Akku-Geräte seien angesagt. Ob das umweltfreundlicher ist, vermochte er nicht zu sagen. Da gelte es aber sicher zu beachten, woher der Strom denn komme.

Verzichten auf sein Silvesterfeuerwerk muss aber auch in diesem Jahr niemand  in Neuenrade, denn bei anderen Einzelhändlern werden  Feuerwerkskörper aller Art verkauft. 

So reagiert die Konkurrenz

So hieß es beim Rewe-Markt an der Neuen Mühle in der Nähe des Kreisels. „Wir verkaufen.“ Auch im Rewe-Markt an der Werdohler Straße hieß es vor Ort, dass man Silvesterfeuerwerk verkaufen werde. 

Im Einzelhandel scheint die Problematik rund um den Verkauf von Böllern und Raketen generell Thema zu sein, denn umfassend äußerte sich die Pressestelle des Discounters Lidl dazu: „Lidl Deutschland orientiert sich bei der Sortimentsgestaltung an Kundenwünschen. Daher bieten wir auch in diesem Jahr in allen rund 3200 Lidl-Filialen ab dem 28. Dezember ein Aktionsangebot an Feuerwerksartikeln an. Bereits vom 9. bis zum 26. Dezember könnten Kunden gar online Feuerwerksartikel „aus unserem exklusiven Zusatzsortiment reservieren“ und ab dem 30. Dezember in der ausgewählten Filiale abholen und bezahlen. Wie man sich im nächsten Jahr verhalten werde, wollte man bei Lidl nicht sagen.

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