Pirouzi Pahlavans Bilder: Blutende Betonwände

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Ein illustres Publikum besuchte die Ausstellungseröffnung. ▪

NEUENRADE ▪ Grau und Grauweiß sind die beherrschenden Farben in Kavous Pirouzi Pahlavans Bildern. Die Assoziation zu tristen Betonwänden liegt nahe. Und der iranische Künstler malträtiert diesen Beton, dem aus Einschusslöchern Blut quillt – stellvertretend für die Menschen, deren Leiden nicht zur Kunst werden darf. Groß war am Dienstagabend das Interesse an der Eröffnung einer Ausstellung mit Pahlavans Werken in der Stadtgalerie Neuenrade.

Das Datum der Eröffnung war mit Bedacht ausgewählt worden: „Ich glaube nicht, dass dieser Tag die Welt verändert hat“, sagte Bürgermeister Klaus-Peter Sasse mit Blick auf den 11. September. „Ich glaube aber, dass der Tag der Flugzeuge in den Twin Towers gezeigt hat, wie verletzlich wir heute alle sind.“ Und mit dem iranischen Künstler stellte der Bürgermeister der Gewalt und dem Krieg „Liebe, Frieden und Freiheit“ entgegen: „Das sind die Dinge, die uns überleben lassen in einer immer globaleren Welt.“

Sasse erzählte mit sichtlicher Freude von Pahlavans Friedensaktion auf der Spanischen Treppe in Rom, die von den Carabinieri unterbrochen wurde – angeblich um den Künstler vor einer Bedrohung zu schützen. Kavous Pirouzi Pahlavan erklärte seine Kunst als einen Versuch, „Unverständnis darüber auszudrücken, dass es Gewalt, Krieg und Unterdrückung gibt“. Drei Fixsterne leiten ihn bei dem Kampf gegen das Böse: Portraits von Martin Luther King und Mutter Teresa tauchen in der Ausstellung auf. Mahatma Gandhi nannte Pahlavan als den dritten bedeutenden Menschen, der bereit war, „nicht wegzuschauen beim Anblick von menschlichem Elend“.

Auch der Künstler des Friedens schaut nicht weg: Gitter, Mauern und Einschusslöcher sind die herausstechendsten Gegenstände seiner Leinwandkompositionen. Klein, aber prominent ist die weiße Gestalt in der Mitte eines seiner Bilder. Die Unterschrift „No!“ ist ein Aufschrei gegen die Steinigung einer bis zur Hüfte eingegrabenen Frau.

„Ich könnte Ihnen viel über Politik erzählen – vor allem über mein Heimatland Iran“, sagt der Künstler und biegt haarscharf ab von diesem Kurs: „Es geht mir nicht darum, Ihren Verstand zu beeinflussen. Mir geht es darum, die Augen zu öffnen für das tagtägliche Leiden. Mir geht es darum, die Herzen zu berühren.“

Das Jazz-Duo SZ aus Sängerin Andrea Ziemann und Gitarrist Dr. Winfried Schickentanz unterstützte diese Botschaft durch ein Musikprogramm, das mit viel Bedacht zusammengestellt worden war: Auf Horace Silvers „Peace“ folgten Stevie Wonders „Vision“ und Stings „Fragile“. Später konnten sich die Besucher noch an Kostbarkeiten wie Joni Mitchells „Both sides now“ und George Harrisons „While my guitar gently wheeps“ erfreuen, während sie sich in Ruhe die Ausstellung ansahen und miteinander oder mit dem Künstler plauderten.

Die Ausstellung ist bis zum 24. September in der Stadtgalerie Neuenrade, Niederheide 3, zu sehen. Sie ist täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet. ▪ Thomas Krumm

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