Kaufpark-Überfall: Freispruch für den Angeklagten

Symbolfoto.

NEUENRADE -  Der Überfall auf den Kaufpark-Getränkemarkt in Neuenrade bleibt vorläufig ungesühnt: Mit einem Freispruch endete am Freitag im Landgericht Hagen das Verfahren gegen einen 23-jährigen Neuenrader, den ein Kunde in dem Räuber wiedererkannt zu haben glaubte.

Mit der Urteilsverkündung wurde der Haftbefehl gegen den Beschuldigten aufgehoben, der von seiner Familie unter Tränen begrüßt wurde. Für die erlittene Untersuchungshaft muss der 23-Jährige nun entschädigt werden.

Staatsanwalt Bernd Maas nahm in seinem Plädoyer all das vorweg, was auch Verteidiger Frank Stirnberg hätte sagen können, der sich nur noch dem Fazit des Vertreters der Anklage anschloss: „Freispruch!“ Es war keiner wegen erwiesener Unschuld: „Es spricht einiges dafür, dass der Angeklagte diese Tat begangen hat“, sagte Bernd Maas. Diese Feststellung stützte sich vor allem auf die Aussage des Hauptbelastungszeugen, der nach anfänglichem Zögern einen Namen genannt hatte. „Der Zeuge ist der Meinung, dass er in dem Täter den Angeklagten erkannt hatte“, stellte der Staatsanwalt fest. „Ich bin überzeugt, dass der Zeuge seine Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht hat.“ Diese Überzeugung und die Aufrichtigkeit des Zeugen wurden auch von keinem Prozessbeteiligten in Frage gestellt. Dass sie möglicherweise den Tatsachen entspricht, reichte jedoch nicht aus, um den Angeklagten zu verurteilen. Denn es gab neben dieser Zeugenaussage keine Beweismittel, die die Täterschaft des 23-Jährigen bestätigt hätten. Auch die Bilder der Überwachungskamera, die das nur etwa 15 Sekunden lange Geschehen aufgezeichnet hatte, ergaben keinen deutlichen Hinweis auf den Täter. Bei dem Angeklagten gefundene Kleidung hätte den Bildern zwar entsprochen – war aber Allerweltskleidung. Ein Motiv hätte der 23-Jährige gehabt: Aufgrund seines Drogenkonsums, vor allem an Marihuana, brauchte er Geld. Und das hatte er sich in der Vergangenheit gemeinsam mit einigen Mittätern bei einer Serie von Einbruchsdiebstählen in Neuenrader Geschäften verschafft. Auf dem Spiel stand für ihn – neben einer neuerlichen jahrelangen Haftstrafe – auch der mögliche Widerruf der wegen der Einbrüche verhängten Bewährungsstrafe.

Der Vorsitzende Richter Till Deipenwisch sah in dem anfänglichen Zögern des Kronzeugen, den Namen des von ihm erkannt Geglaubten zu nennen, einen „nicht wirklich nachvollziehbaren Entschluss“. Seine Angaben seien zwar „glaubhaft, aber zu wenig detailreich“ gewesen. Das angebliche Wiedererkennen war deshalb nicht überprüfbar oder wenigstens schlüssig nachvollziehbar. „Das Gericht kann die sichere Überzeugung, dass der Angeklagte der Täter ist, nicht gewinnen“, fasste Richter Deipenwisch das Ergebnis der Beratung mit den Schöffen zusammen. So blieb es denn auch bei dem alten juristischen Grundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten!“

- Von Thomas Krumm

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