Ungewöhnlicher Auftrag

Kreuzfahrtschiff bekommt Kartbahn aus Neuenrade

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Flotte kleine Elektroflitzer made in Sundern sind auf dem Deck der Norwegian Joy unterwegs. Die Unterkonstruktion der Kart-Bahn kommt aus Neuenrade-Küntrop.

Neuenrade - Das Kreuzfahrtschiff Norwegian Joy ist eine schwimmende Kleinstadt. Eine Besonderheit: Der Ozeanriese hat eine eigene Kartbahn. Gebaut wurde diese von der Firma Levermann – für das Neuenrader Unternehmen kein alltäglicher Auftrag.

„Weltweit ein Novum“, betont Stahlbauer Bernd Levermann. Das Kreuzfahrtschiff, die Norwegian Joy, gehört der US-amerkanischen Reederei Norwegian Cruise Line. Nicht nur die Kart-Bahn ist auf dem Schiff, sondern auch ein Park und eine – man glaubt es kaum – künstliche Wasserlandschaft.

Die Norwegian Joy ist ein richtig großer Pott, bei einer Länge von 326 Meter Länge und knapp 40 Meter Breite. Sage und schreibe 4200 Passagiere haben laut diverser Veröffentlichungen Platz auf dieses speziell für den chinesischen Markt konzipierten Schiff. Es ist eine schwimmende Kleinstadt.

An den Auftrag ist die Firma Levermann über ein Unternehmen aus dem Nachbarort Sundern gekommen: Die Firma RiMo, die Elektro-Karts herstellt und als technologischer Marktführer für diese Fahrzeuge gilt. Die hatten die Sache mit dem Kreuzfahrtschiff an Land gezogen und suchten noch einen Partner, der dieses komplexe Projekt denn auch durchführen konnte.

So wurde eben Bernd Levermann, durchaus Spezialist für nicht alltägliche Sachen, buchstäblich mit ins Boot geholt. Der Auftrag beinhaltete das Projekt mit kompletter Konstruktion, mit allen Bögen, Verstrebungen, mit Zeichnungen Statik, Beschichtung und Montage – eben alles, was dazu gehört.

Ein Blick in die Levermannsche Produktion zeigt Schweißnähte und Trägerelemente.

Im Oktober 2015 wurde der Auftrag erteilt, Ende Januar 2017 war das Projekt vollendet. Die Kartbahn befindet sich nach Angaben von RiMo auf den beiden obersten Decks des Kreuzfahrtschiffes und ist demnach unter anderem mit 20 Elektro-Karts, einer Tribüne, überdachter Boxengasse, Werkstatt und Lagerräumen, einem Zeitnahmesystem und Flutlichern ausgestattet. Die Streckenlänge beträgt 230 Meter.

Dieses Prestigeprojekt mit einem Auftragsvolumen in Millionenhöhe stelle einen Meilenstein in der erfolgreichen Firmengeschichte dar. Und mit der B. Levermann GmbH habe man für die ausführenden Stahlarbeiten einen kompetenten Partner aus der Region an Bord, heißt es in einer Veröffentlichung der Firma RiMo.

Bernd Levermann hat natürlich noch ein paar Details parat: „Die Gesamtgröße der Kartbahn beträgt circa 37 mal 32 Meter und sie hat ein Gesamtgewicht von rund 200 Tonnen. Die Bahnkonstruktion besteht aus rund 13.000 Einzelteilen und rund 9000 Schrauben“.

Gebaut wurde das Schiff nun in Deutschland auf der Meyerwerft. Levermann und Co mussten daher ins Emsland reisen, um die Kart-Bahn auf dem Koloss zu montieren. Das konnte in der Meyer-Werft in Papenburg geschehen. Dort hatte das Kreuzfahrtschiff Station gemacht. Ein Levermann-Team war für die Montage vor Ort und der Chef selbst war mindestens einmal pro Woche im Emsland.

Im heimischen Küntrop und Blintrop musste derweil ja auch die normale Standardproduktion weiterlaufen. Schließlich fertigt Stahlbauer Levermann nach wie vor Fenstergitter und Balkongeländer an.

Die Produktion der vielen Kartbahn-Eisenstreben geschah also quasi nebenbei. Peu à peu wurden die dicken Metallstreben zusammengebaut, in Segmenten vormontiert, dann erfolgte in Holland noch die Beschichtung. Es hört sich einfacher an als es ist. Aber es gelang natürlich. Bernd Levermann: „Wir sind in die Geschichte reingewachsen“ – und das nächste Projekt ist schon wieder avisiert.

Das Innenleben der Kreuzfahrtschiffkartbahn.

Die B. Levermann GmbH & Co. KG hat sich in den vergangen Jahren zügig weiterentwickelt. Levermann hat noch einmal an das Küntroper Werk angebaut und die Fläche in Küntrop verdoppelt. „Jetzt haben wir 2500 Quadratmeter Hallenfläche zur Verfügung“, sagt Bernd Levermann. Der 25-Mann-Betrieb hat das klassische Bauschlosser-Geschäft mit Balkongittern und Edelstahlgeländer im Portfolio. Das wird in Blintrop abgewickelt. Levermann betont: „Das Toilettenfenstergitter machen wir immer noch“. 

Bernd Levermann, Geschäftsführender Gesellschafter der GmbH & Co. KG, kann sich über die aktuelle geschäftliche Lage nicht beklagen. Im Gegenteil: „Wir sind sehr, sehr gut ausgelastet, viele andere Projekte laufen.“ Komplizierte Stahlbauten gehören dazu, wie das große Geländer in der Uni Siegen.

Sicher hat der eine oder andere schon mal die frei schwebende Grüne Treppe nebst Geländer gesehen – daran hat auch Levermann mitgewirkt. Ansonsten bekommt man in dem Unternehmen Auffangwannen, Maschinengestelle und Laufwege – und wer will, kann sich auch eine Kartbahn bauen lassen.

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