Kaisergartenstreit endet mit einem Vergleich

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Heinz Friedriszik (links) und Bürgermeister Klaus Peter Sasse (Mitte) bei den Verhandlungen im Flur. ▪

NEUENRADE ▪ „Die Beklagte (die Stadt Neuenrade) erklärt die Bereitschaft, auf ein gemeinschaftliches Hotelmarketing für alle in der Stadt Neuenrade vorhandenen Hotelkapazitäten hinzuwirken und die Zusammenarbeit der Betriebe zu festigen und zu vertiefen“.

So lautet der Vergleich, der nach jahrelangem Streit zwischen Hotelbesitzer Heinz Friedriszik und der Stadt Neuenrade gestern Mittag innerhalb einer halben Stunde auf dem Flur des Verwaltungsgerichts Arnsberg geschlossen wurde. Die Verfahrenskosten teilen sich Stadt und Hotelier. Jeder trägt seine Anwaltskosten selbst.

Während der Verhandlung hatte der vorsitzende Richter, Reiner Gießau, nicht ungeschickt auf einen Vergleich hingewirkt, hatte verlauten lassen, dass sein Eindruck sei, dass es hier „nicht nur um nackte Zahlen“ gehe, sondern dass es da auch „etwas Atmosphärisches“ gebe. Er sagte in Richtung Bürgermeister Sasse. „Vielleicht unterhalten sie sich mal direkt. Vielleicht ist das ein gangbarer Weg“. Der Bürgermeister ließ durchblicken, dass er auch eher ein Mann der Kompromisse sei. Ihm liege aber auch an den Fakten. Rat und Bürgermeister hätten mit der Kaisergarten GmbH damals einen gangbaren Weg gesucht, um das Objekt und damit die kulturelle Vielfalt in Neuenrade zu erhalten, man habe sich auch beraten lassen. Auch der Hotelier hatte seine Verhandlungsbereitschaft signalisiert, hatte zuvor auch formuliert, dass er als Nestbeschmutzer gelte, nur weil er sich wehre. Schwierigkeiten bereitete den Parteien, den Vergleich in Zahlen zu fassen. Auch hier half der Richter nach, sprach von einer Absichtserklärung. So wurde denn im Flur, zwischen Tür und Angel, ein Kompromiss ausgehandelt, mit dem beide Seiten offenbar gut leben und ihr Gesicht wahren können.

Wie vielfach berichtet, ging es in dem Verfahren um die Frage, ob sich die Stadt Neuenrade über Gebühr wirtschaftlich mit der Kaisergarten GmbH betätigt habe oder ob es in der Gesamtbetrachtung eine zulässige Tätigkeit sei, um das vorhandene kulturelle Niveau aufrecht zu erhalten. Diskutiert wurde dabei die Zahl und Qualität der Hotelzimmer, ob der Betrieb des Objektes durch die Kaisergarten GmbH auch ohne Hotel funktionieren könne. Und Friedriszik äußerte den Vorwurf, dass die Stadt aktiv als Konkurrent auftrete. Für das Gericht war auch klar, dass mit dem Kaisergartenbetrieb der Kuchen kleiner werde. So arbeitete das Gericht nicht auf ein Urteil hin, sondern setzte auf Kompromiss.

Und am Ende schienen alle froh, dass es vorbei war. Man sah sich in die Augen und Hände wurden geschüttelt. Sasse sagte, dass der Vergleich „im Sinne der Stadt“ sei. Und: „Das ist auch ein Steilpass für das neue Stadtmarketing“.

Heinz Friedriszik kommentierte den Vergleich etwas lapidar: „Ich bin zufrieden“. ▪ Peter von der Beck

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