Waldorfschüler begeistern mit Theateraufführung

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Wie in jeder anständigen Familie, gibt es auch bei Blankenburgs eine Reihe wilder Jungs.

Neuenrade -  Viel zu schmunzeln hatte das Publikum am Wochenende in der Aula der Waldorf-Schule: Aus Erich Kästners Roman „Verwandte sind auch Menschen“ hatte die achte Klasse in liebevoller Detailarbeit ein Theaterstück inszeniert, das zunächst den Schülern und anschließend auch einem breiteren Publikum gezeigt wurde.

Am Ende von vier Wochen intensiver Proben unter der Leitung des Theaterpädagogen Andreas Zemke zeigten die Schüler von Klassenlehrerin Helga Holtkemper, was für skurrile Charaktere in ihnen verborgen sind. Erben: bei diesem Thema denkt man am ehesten an gierige Verwandte, denen es mit dem Sterben des Erbonkels gar nicht schnell genug gehen kann.

Der reiche Stefan Blankenburg denkt nicht anders: Seine Verwandtschaft hält er für kleinlich und missgünstig – kurz: richtig familiär. Auf der Zielgerade der Geschichte kommt für einen dieser Verwandten die Gelegenheit, ihm dieses Vorurteil in den Hals zurückzustopfen: „So sind wir doch gar nicht.“ Der alte Blankenburg reagiert kleinlaut: „Das ist ja der Salat.“

Doch der Reihe nach: Dass Stefan Blankenburg vor Jahren nach Amerika ausgewandert ist, ermöglicht es ihm, die ganze Familienbande auf die Probe zu stellen: Er lädt seine Verwandtschaft zur angeblichen Testamentseröffnung in die von ihm neuerworbene Villa ein und schlüpft in die Rolle seines Dieners.

Und so empfängt der brave Mann, dem am Samstagabend Paul Wygoda einen wunderbar trockenen Humor und eine zum Diener gut passende etwas hölzerne Statur verlieh, einen Blankenburg nach dem anderen. Ein bisschen Gier nach Geld ist nicht allen fremd: Während die einen schon davon träumen, aus der Villa ein Sanatorium zu machen, kommen Emil und seine Schwester Hildegard lediglich „um das Geld abzuholen“.

Einer ist anders, was allerdings daran liegt, dass er zunächst kein Verwandter ist: „Ich komme nicht, um zu erben“, sagt Lothar Bildt (Moritz Gerdes). Er überzeugt den Diener, der eigentlich der Herr des Hauses ist, ihn als einen gewissen Theodor Blankenburg in die Gesellschaft einzuführen, um ungestört für die New Times berichten zu können. Und so ist das Beziehungsgeflecht angerichtet für zahlreiche Missverständnisse, Irrtümer und die jederzeit zu Scherzen aufgelegte Konstruktion eines lebenden Toten: „Du kommst tot wie Du bist ins Gefängnis“, warnt der Reporter, der in Wirklichkeit auch jemand anders ist.

Er ist eingeweiht in die Doppelrolle von Erbonkel und Diener: „Wenn Du was brauchst, klingelst Du dir selber.“ Jenseits des Klischees der gierigen Erben entfaltete dieser Stoff eine humoreske Wirkung, zu der viele Details beitrugen.

Ein großer Dank ging am Ende an viele Beteiligte, die zum Erfolg beigetragen hatten. Die Eltern waren gefragt bei Bühnenaufbauten („Unser Haus“), bei den Kostümen sowie bei Schminke und Frisuren. Schüler der 10. Klasse leuchteten die Szenerien aus.

Und noch etwas trug entscheidend zum Gelingen bei: An der Bühnensprache und der Sprechgeschwindigkeit war offenbar sehr intensiv gearbeitet worden. Lakonische Sprüche statt schwülstigem Pathos – zur humoresken Grundstimmung von Erich Kästners Geschichte passte diese nüchterne Klarheit sehr gut. Wie hieß es doch am Ende so schön: „War das ein Abend – erst ein wiederauferstandener Onkel und dann auch noch eine Verlobung.“

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