Keine gewöhnliche Lesung mit einer Toten

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Der überaus humorvolle Vortrag der Kabarettistin kam bei den Neuenradern gut an.

Neuenrade - Zufriedene Gesichter waren am Freitag in der Stadtbücherei und Zelius zu sehen. Garantin dafür war die Autorin und Kabarettistin Kathrin Heinrich, die mit schelmischem Augenaufschlag, viel Gestik und Mimik für beste Unterhaltung sorgte. Das Besondere an ihrem zweiten Auftritt in Neuenrade: Sie mordet literarisch weiter, diesmal nicht im Sauerland, sondern auf der Nordseeinsel Juist

„Auf Tour“ steht als Titel über ihrem aktuellen Programm, gelesen wird aus ihrem neuen Buch „Bis auf den Grund“. Hauptakteure in dem amüsanten Beitrag sind wieder der pflegebedürftige Sauerländer Anton Wieneke und dessen polnische Pflegerin Zofia.

Beide zieht es zur Nordseeinsel Juist, auf der Zofias Jugendfreund Janek als Barpianist in die Tasten haut und seine Brötchen verdient. Aber seit einiger Zeit ist er einfach verschwunden – also wird er zum Fall für Anton und Zofia. Es kommt, wie es kommen muss: Anton und Zofia forschen zwischen Wellengeplätscher, Möwengeschrei und Gesundheitsbädern. Und sie finden eine tote Hoteldirektorin, mit der Janek ein Verhältnis gehabt haben soll. So ganz kann die Autorin mit ihrer Story nicht auf der Insel bleiben – die Spur führt ins Sauerland, weil die „Tote aus dem Raum Schmallenberg stammt“.

Klarheit kommt in den Fall, als sich auch Anteks Sohn Thomas, ein Kripobeamter aus Dortmund, einschaltet und die Täterin ermittelt. Immerhin zahlt sich Thomas Recherche aus. Mit Zofia kann er danach nicht nur am Strand spazieren gehen, er darf sie auch küssen, eben ein klassisches Happy-End.

An diesem Abend präsentierte die Autorin auch einige Kurzgeschichten. Sprichwörtlich „Unterwegs“ nimmt sie mit Onkel Ludger eine kostengünstige „Fahrt mit dem Treppenlift“ ins Visier, setzt sich mit Paketdiensten inklusive Zustellung auseinander und auf einer Diebestour bringt sie aus diskreten Gründen sogar einen Leichenwagen ins Spiel. Farbiger und unbeschwerter geht es nicht.

Das Publikum war begeistert, das Ambiente stimmte. Eine gewöhnliche Lesung ist von Heinrichs jedoch kaum zu erwarten. Es ist der Witz, der trockene Humor und ihr eigener Charme, mit dem sie ihre Zuhörer fesselt. Da wird selbst der „literarische Mord“ zu einer lockeren Plauderei mit guten Bekannten. Wahrscheinlich liege das daran das „Frauen seltener als Männer morden und seltener erwischt werden“, wie die Kabarettistin an diesem Abend in Neuenrade augenzwinkernd feststellte.

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