Roglers Berichte aus Gertis kleiner Kneipe

Richard Rogler, nicht nur wortgewaltig – auch in der Mimik ist er offensichtlich ausdrucksstark. - Foto: Krumm

Neuenradee -   Ist es schön, Kabarettist zu sein? Richard Rogler übt diesen Beruf schon sehr lange aus, und offenbar ist er sich nicht mehr ganz sicher, ob es nicht doch noch einen besseren Job gibt. „Wenn es mit dem Kabarett zu anstrengend wird, werde ich vier Jahre lang Vizepräsident des Bundestages.“

Von Thomas Krumm

Viel Geld, wenig zu tun – eigentlich ist das nichts für den leidenschaftlichen Grantler, der am Mittwoch im bestens gefüllten Kaisergarten alle Register seines Könnens zog. Von den Tücken der Technik nur vorübergehend aus der Bahn geworfen, redete Rogler wie ein Wasserfall, tigerte gestenreich über die Bühne und spottete vorzugsweise über das bundesdeutsche Politpersonal. Die Besucher wurden dabei auf ganz exklusive Weise gebauchpinselt: „Wir sind in Neuenrade. Hier sitzt wahrscheinlich das konditionsstärkste und intelligenteste Publikum Deutschlands.“ Um das festzustellen, hatte Richard Rogler einige Klippen in sein Programm eingebaut: „Ich habe das gemerkt. Es waren zwei schwierige Stellen im ersten Teil.“ Und dazu diese nette Stadt: Noch in seinen Abschiedsworten würdigte Rogler, dass selbst der Parkplatz vor dem Lidl „sauber“ sei. Ganz anders als „seine“ Stadt Köln, in der er einen Lieblingsplatz hat: Gertis kleine Kneipe, in der er Hermann, den Mann mit dem Dauerspruch „ganz großes Kino“ und Werner Kallscheid, den gelernten DDR-ler mit einer Vergangenheit in einer Sprengstofffabrik, trifft. „Bei uns“ – will sagen, in unserer kleinen Kneipe – „gilt das offene Wort.“

Und so erfuhr auch das Publikum, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel eigentlich ein Angriff der beiden Erichs, Mielke und Honegger, auf den Westen Deutschlands war. Die Herren wollten nicht alleine untergehen. Von den Resterampen des real existiert habenden Sozialismus gaben sie der Merkel 50 000 Hosenanzüge mit, und genau so wurde sie in Oggersheim vor dem Haus des Bimbes-Kohl abgestellt. „Mensch, Mädel aus dem Osten, komm rein“, freute der sich. „Du wirst mal meine Nachfolgerin.“ Selbstverständlich bekam nicht nur die Kanzlerin ihr Fett weg: Manuela Schwesig – „die Barbiepuppe der SPD“, Claudia Roth – „Warum zieht die Frau nach dem Duschen die Duschvorhänge an?“, Ursula von der Leyen „die ganz wichtige Kriegsministerin“, Sigmar Gabriel – „der größte Arbeiterführer aller Zeiten“ (ganz unabhängig von der Frage, ob es Sigmar Gabriel wirklich gibt). Tatsächlich streifte Richard Rogler derart existentielle Zweifel, und er bekannte sich zur Pataphysik einiger durchgeknallter französischer Großkünstler, die durch kreativen Unfug berühmt wurden.

In all dem kritischen Schabernack gab es einen etwas ruhigeren Moment, als Richard Rogler, durchweg nicht scheu vor guten Scherzen seiner Kollegen, an Dieter Hildebrandt erinnerte: „Ich habe ihm persönlich viel zu verdanken. Er ist zwar nicht mehr hier, aber immer noch da. Das ist Metaphysik.“ Viel Anlass hatte Rogler nicht, einen angeblichen Vorwurf gegen ihn selbst zu zitieren: „Je älter Sie werden, desto harmloser werden Sie!“ Doch es gab auch die Bemerkung einer Besucherin, die trotz Roglers fulminantem Auftritt ein Fünkchen Wahrheit in dem vergleichenden Rückblick entdeckte: „Früher war er noch bissiger!“

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