Kabarettabende mit Lioba Albus ausverkauft

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Lioba Albus

Neuenrade - „Gestern voll, heute voll – toll“, stellten Lutz Neckenbürger und Silvia Ehm vom veranstaltenden Freundeskreis „Augenblick Mal“ am Samstagabend zufrieden fest, während sie den Blick durch den restlos ausverkauften Saal streifen ließen.

Zweimal ausverkauft, lautete die beeindruckende Bilanz für die Kabarettabende mit Lioba Albus – und zweimal vortrefflich unterhalten schienen sich die insgesamt 400 Gäste gefühlt zu haben. Lioba gelang es, ihre Beobachtungen in spitzzüngige Anspielungen zu verpacken, ihr eigenes Leben und das der Menschen in ihrem Umfeld zu beleuchten, dass viele Zuhörer das Gefühl nicht loswurden, selbst Teil von Liobas Geschichten zu sein.

Und genau dieses Talent zeichnet die Sauerländerin aus, die am Freitag- und Samstagabend auf der Bühne Vollgas gab. „Bauer sucht Frau“ – diese Variante der Verkupplung sei doch „Kappes“. Bauern dieser Show sei doch nur ein Schaf weggestorben, feuerte Albus in Richtung der mehr als fragwürdig wirkenden Landwirte, die es verpasst hatten, stattdessen ein sauerländisches Schützenfest zu besuchen, um eine bessere Hälfte zu ergattern.

Und überhaupt leide die Gesellschaft mehr und mehr unter einer gewissen Vereinsamung, stellte die Kabarettistin fest. Daran ändere sich auch dadurch nichts, dass man den Begriff Übriggebliebe durch Single ersetzt hätte. „Euch wird das Lachen noch vergehen“, stichelte die Power-Frau, die während der Show spielerisch in verschiedene Rollen schlüpfte. Gemeint war, dass die Deutschen „am Aussterben sind“ und die ältere Generation ihre Rente vielleicht mit Kindergeld aufstocken müsse, weil die Midlife-Akademiker die Verbreitung ihres Gen-Materials mehr oder weniger eingestellt hätten. Ein umfassendes Thema, das Lioba aus allen Richtungen herrlich einfallsreich beleuchtete.

Und was ist mit der Jugend von heute? Die bekam ebenfalls ihr Fett ab. Was heute als cool gelte, hätte man vor ein paar Jahren noch als grenzdebil bezeichnet, meinte Lioba Albus. Und sie könne sich auch nicht mit dem heute üblichen Balzverhalten junger Menschen anfreunden.

Ein Abstecher in die Politik gehört in jedes gute Programm eines Kabarettisten und da machte der „Augenblick Mal“-Gast keine Ausnahme. Sie ging dem Berlusconi-Effekt auf den Grund, klärte über Horst Seehofers selbstlose Samenspende auf und begründete, warum halbwegs attraktive Frauen in der Politik fehl am Platze seien – Lioba Albus fackelte an zwei Abenden ein Feuerwerk der guten Unterhaltung ab und wurde ihrem Ruf als schlagfertige und wandlungsfähige Komödiantin mehr als gerecht. - Von Markus Jentzsch

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