Kabarettist  Robert Griess „tingelt durch Kleinkunstpuffs“

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Kein Zweifel: Die Zuschauer amüsierten sich bestens über Robert Griess.

Neuenrade - Eigentlich ist Robert Griess zu Höherem als einem politischen Kabarettisten geboren.

„Weil sie mich nicht Theaterregisseur sein lassen, muss ich durch die Kleinkunstpuffs der Republik tingeln“, erklärte er den Besuchern in der Villa am Wall. Die nahmen die Unverschämtheit mit Humor und verziehen ihm noch einiges mehr. Denn der Mann hatte feste und durchaus sympathische Überzeugungen mit nach Neuenrade gebracht.

 Schon zu Beginn seines Auftritts schimpfte er über Donald Trump, den unterhaltsamsten US-Präsidenten aller Zeiten, und erklärte, warum „der Amerikaner“ so gerne in den Krieg zieht: „Im Ausland lebt er länger als zuhause“, lautete die überraschende Antwort mit der dazugehörigen Erklärung: „In den USA sind seit 1968 1,5 Millionen Menschen durch Waffengewalt gestorben“ – mehr als in allen Kriegen, die die Weltmacht in dieser Zeit führte. 

Die angeblich „schnellste Klappe von Köln“ lieferte einen Schnellrundgang durch die politische Weltlage, die bekanntlich nicht zum Lachen ist. Wer Alexander Dobrindt einen „Quartalsirren aus Bayern“ nennt, ist damit leider nahe an der Wahrheit über einen ehemaligen „Bundesminister ohne Kernkompetenz“, der törichtes Zeug über eine angeblich fällige konservative Revolution faselt. Gierige Manager beanspruchen Gehälter, die ein normaler Sterblicher kaum ausgeben könnte. Insoweit waren Robert Griess’ politische Statements zwar recht erfrischend, aber zu ernst, um lustig zu sein.

 „Wie kommt man als Kabarettist durch diese Themen?“, brachte er das Problem zur Sprache: „Die Themenlage wird immer düsterer. Es gibt nur noch Depri-Themen: Religionskriege, Flüchtlingskrise, Klimakatastrophen.“ 

Zu lachen gab es dennoch viel – vor allem, weil der Kabarettist in unterschiedliche Rollen schlüpfte. In einer davon war er ein Entwurf seiner selbst: Ein durch die Provinz tingelnder Kabarettist auf dem Weg in größere Säle, der davon träumt, Theaterregisseur in der Nachfolge der griechischen Komödie und Samuel Becketts zu werden. 

Klartext sprach er als Fahrer von Robert Griess, der sich um die Rehabilitation des kleinen Mannes bemühte. Natürlich wählten nicht alle kleinen Leute aus „Angst, Verachtung und Hass die AfD“ mit ihrer phonetischen Verwandtschaft zu einem hinterlistigen Körperteil. 

Pittoresk kam der Kabarettist schließlich mit einem Kaftan daher und predigte eine Befreiung der muslimischen Welt auf kölsche Art: „Wenn der Muselmann erst schunkeln kann, dann wird die Welt ganz friedlich sein“, lautete sein Motto für eine Kampagne, in deren Verlauf etwas Anderes als Bomben über Syrien abgeworfen werden sollte: „Palettenweise Dosenbier und Playboy-Hefte.“ Ach, wenn es doch so einfach wäre.

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