Jugendzentrum im Graffiti-Stil neu gestaltet

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Nicht ohne Stolz präsentiert sich die Truppe, welche die Fassade des Jugendzentrums gestaltet hat.

Neuenrade - Erst war es lange schmutziggrau im Plattenbaustil. Dann tat sich in jüngster Zeit ein bisschen was: In Altrosé war das Neuenrader Jugendzentrum getaucht, weil die Wandverkleidung diese Farbe hatte. Nun aber ist es schön bunt, frisch, lebendig und sieht nach Jugendzentrum aus.

Verantwortlich dafür ist eine Truppe von zehn Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 14 Jahren. Die hatten in den vergangen Tagen gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler Yves Thomé ein Konzept für das Besprayen der Front erarbeitet. Am Mittwoch dann schritten sie zur Tat. Damit wurde eine Idee eingelöst, die Leonhard Thorn, der das Jugendzentrum freiberuflich und kommissarisch für einige Zeit geleitet hatte, jetzt umgesetzt. 

Bevor es konkret zur Sache ging, war zunächst Theorie nötig. Künstler Thomé vermittelte den Teilnehmern gewisse Grundlagen über die Geschichte der Graffiti-Kunst und auch über seinen eigenen Werdegang. 

Graffitis seit Mitte der 80er-Jahre 

Thomé ist demnach 46 Jahre alt und startete mit Graffitis Mitte der 80er-Jahre. Thomé geriet dabei nach eigenen Angaben durch seine Graffiti-Aktionen sogar mit dem Gesetz in Konflikt. Aber das alles ist Geschichte. Thomé, ein Lüdenscheider, arbeitet heute als freischaffender Künstler und erledigt Auftragsarbeiten und gibt eben auch Workshops. Ob fotorealistische Wandgemälde oder Comic-Ähnliches – sein Portfolio ist umfangreich. Das alles erarbeitete sich Thomé als Selfmade-Künstler in vielen Jahren Praxis. 

Konzentration ist nötig, um die künstlerische Arbeit sauber auszuführen.

Den jungen Teilnehmern vermittelte Thomé dann noch die Technik des Sprühens und gewisse Verhaltensmaßregeln. Malik, eine der jungen Teilnehmer: „Strichweise sprühen, immer neu ansetzen und nicht auf jemanden sprühen.“ Yves Thomé erläuterte zudem, dass er den Kindern zeigte, wie Buchstaben zu sprühen sind, welche Design-Technik hinter der Typografie steckt, auch realistischen Schlagschatten zu sprühen erlernten die Kinder. Als Übungsfläche diente eine Garagenwand neben dem Juz. „Dort konnten sie auch ein Gefühl für die Sprühdose entwickeln“, sagte Thomé. Zum Abschluss der ersten Workshop-Einheit durften die Kinder dann dort ihren Namen aufmalen. 

Stilisierte Puzzleteile

Die Grundidee für die Gestaltung des Jugendzentrums stammt von Thomé, für die Ausgestaltung sorgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So besteht die gesprühte Grundfläche nun aus stilisierten Puzzleteilen in verschiedenen Farben. Hinzu kommen viele Begriffe, die sich die Workshop-Teilnehmer ausgedacht haben. Sie sollen das Jugendzentrum charakterisieren. Daher sind Wörter wie Chillen oder Musik aufgesprüht. 

Das das Ganze technisch nicht einfach umzusetzen ist, erfuhren die Workshopteilnehmer bei der Arbeit. Wer zu dick auftrug verursachte unschöne Farbtränen. Eine ruhige Hand war natürlich von Vorteil. Der Farbgeruch war sicher auch nicht jedermanns Sache. Und am späten Nachmittag, als das Gemeinschaftswerk vollendet war, hatte die Graffiti-Truppe rund 80 Sprühdosen verbraucht. Eingesetzt wurde im übrigen eine spezielle Graffiti-Farbe. 

Mundschutz und Gummihandschuhe

Die jungen Künstler trugen Mundschutz, damit sie die Farbpartikeln nicht einatmeten und natürlich Gummihandschuhe für saubere Hände. Auch das hauptamtliche Jugendzentrumsteam, Ann-Kristin Behling und Felix Oblotzki, trug seinen Part zur Gestaltungsaktion bei: Das Duo klebte alle Stellen, die nicht bemalt werden durften, schön mit Plastikplanen ab und sprühten auch die eine oder andere Ecke.

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