Viel Arbeit in Corona-Zeiten

Jugendamt: 2020 insgesamt 262 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung

Ein „Rettungsring“ vom Jugendamt Märkischer Kreis: Der Regionale Soziale Dienst (RSD) hilft, wenn Kinder, Jugendliche und Eltern Unterstützung brauchen – bei der Erziehung, bei Konflikten oder Krisen.
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Ein „Rettungsring“ vom Jugendamt Märkischer Kreis: Der Regionale Soziale Dienst (RSD) hilft, wenn Kinder, Jugendliche und Eltern Unterstützung brauchen – bei der Erziehung, bei Konflikten oder Krisen.

Der Regionale Soziale Dienst (RSD) des Jugendamtes Märkischer Kreis unterstützt Familien. Im Pandemiejahr 2020 hat das Jugendamt in seinem Zuständigkeitsbereich, der unter anderem Neuenrade und Balve umfasst, 378 Mal den „sozialen Rettungsring“ ausgeworfen.

„Der RSD ist in Familien immer dann zur Stelle, wenn es kriselt – in der Corona-Krise. Und auch danach“, sagt Meinolf Hammerschmidt vom Kreisjugendamt. Von Schulproblemen über Konflikte in der Familie bis zur Sucht – vieles könne Kindern und Jugendlichen das Leben schwer machen oder sie sogar aus der Bahn werfen. „Die Pandemie hat in vielen Familien diese Probleme noch verschärft: Nicht raus können – keine Kita, keine Schule, keine Freunde treffen, kein Sport, kein Klub. Gerade dann, wenn sich das Leben in einer kleinen Wohnung abspielt, liegen die Nerven schnell blank“, so Hammerschmidt.

Eltern hätten zudem häufig das Problem, den Alltag in den Griff zu bekommen: von regelmäßigen Mahlzeiten bis zum Umgang mit Konflikten. Genau dann sei das Jugendamt gefragt: Der Regionale Soziale Dienst helfe dabei, den Alltag zu organisieren. „Praktische Unterstützung zu geben, das ist unser Job. Das Spektrum an Hilfe, das der RSD dabei anbietet, ist breit: von der Erziehungsberatung über die Unterstützung in der Familie bis zum Vermitteln einer Pflegefamilie“, so Hammerschmidt.

Häufig melden sich die Nachbarn

Eltern oder Kinder haben sich oft selbst an das Jugendamt gewendet. „Aber auch Menschen aus dem Umfeld meldeten sich, wenn sie sich Sorgen um ein Kind machen: Vor der Pandemie kamen Hinweise oft aus Kitas und Schulen. Jetzt sind es häufiger auch Nachbarn, die merken, wenn Hilfe vom Jugendamt gebraucht wird. Wenn das Wohl von Kindern gefährdet ist, ist das ein absolut ernstes Thema. Es ist wichtig, hier die Augen im Alltag offenzuhalten“, sagt Hammerschmidt.

Das Jugendamt des Kreises ist neben Neuenrade und Balve auch zuständig für Halver, Herscheid, Nachrodt-Wiblingwerde, Kierspe, Meinerzhagen und Schalksmühle. All diese Kommunen unterhalten – anders als beispielsweise Werdohl – kein eigenes Jugendamt. 2020 gingen 262 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung beim Kreis ein – Fälle, die den Regionalen Sozialen Dienst auf den Plan gerufen haben. Betroffen waren in diesen Meldungen 894 Kinder. 40 Prozent davon waren „ernste, oft akute Fälle“, berichtet Hammerschmidt. Hier sei es beispielsweise um Vernachlässigung gegangen. Ebenso komme es immer wieder vor, dass das Jugendamt auf psychische oder körperliche Misshandlung treffe oder mit sexueller Gewalt zu tun habe.

Manchmal auch „falscher Alarm“

„Bei 28 Prozent der Hinweise, die uns erreicht haben, gab es zwar keine Kindeswohlgefährdung, allerdings war Hilfe und Unterstützung vom Jugendamt dringend notwendig. Da sind wir drangeblieben. Anders in den übrigen Fällen: Das war ‚falscher Alarm‘. Aber der ist uns allemal lieber, als wenn einmal zu wenig hingeschaut wird“, so Hammerschmidt.

Im Fokus stehen beim Jugendamt Märkischer Kreis immer die Kinder, die Jugendlichen und ebenso die Eltern: „Wenn es darum geht, dass das Wohl der Kinder gefährdet ist, dann ist der Eins-zu-eins-Kontakt mit den Eltern enorm wichtig – egal, ob es einen Lockdown gibt oder nicht“, sagt Hammerschmidt. Das Jugendamt setze nämlich alles daran, den „menschlichen Lockdown“ in Familien zu verhindern.

Konkrete Hilfen als Schlüssel zum Erfolg

Oft reiche es für den Schutz der Kinder bereits aus, den Eltern konkrete Hilfen anzubieten. „Denn das ist häufig schon der Schlüssel zum Erfolg. Wer die Eltern stärkt, schützt damit oft auch gleich die Kinder: starke Eltern, starke Kinder“, davon ist Hammerschmidt überzeugt.

Kontakt: Wer Hilfe braucht, kann sich direkt an das Kreisjugendamt wenden. Für Balve und Neuenrade unter Tel. 02351/9665300.

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