„Jeder Pflegefall ist immer individuell zu betrachten“

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Aus dem Publikum kam die ein oder andere kritische Stimme bezüglich der Hilfsmittel, die im Bereich Pflege angeboten, aber oft nicht gewährleistet seien.

Neuenrade - Es kann jeden treffen: Auf einmal gibt es einen Pflegefall in der Familie und was nun? Welche Mittel stehen zur Verfügung, wie beantrage ich eine Pflegestufe? Diese und noch viele Fragen mehr sind vorhanden. Am Freitagabend gab es Antworten zu vielen dieser Fragen.

Die Organisatorinnen des Freundeskreis „Augenblickmal“ hatten zu dieser Infoveranstaltung in die DRK-Begegnungsstätte eingeladen. Versicherungsunternehmer Jürgen Urbas, Pflegeberaterin des Märkischen Kreises, Sigrid Weseloh, und Sozialpolitischer Sprecher der SPD, Michael Scheffler, gingen auf die Fragen der Anwesenden ein. Silvia Ehm, eine der Initiatorinnen, hatte wichtige Fragen unter dem Motto „Pflege, was nun?“ vorbereitet, um einen Gesamteinblick in den Pflegebereich zu schaffen.

Urbas erklärte, dass viele bürokratische Dinge immer mehr an Wichtigkeit erlangen, die dem Einem oder Anderen gar nicht bewusst sind. So seien Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen sehr wichtige Baustellen, die im Vorfeld geklärt werden sollen. Niemand habe eine Vorstellung darüber, was auf einen zukommt, wenn der Ernstfall eintrete. „Die Lebenserwartung der Menschen wird immer länger, daher gibt es immer mehr Pflegebedürftige. Doch das Dilemma ist, dass nicht genug junge Menschen da sind, die diese verantwortungsvolle Arbeit bewerkstelligen können. Deshalb wollen wir helfen.“

Täglich kämen rund 1500 pflegebedürftige Personen hinzu. 150 davon seien noch unter 55 Jahren alt. Das seien sehr besorgniserregende Zahlen, da die Pflegeversicherung, die in diesem Jahr bereits ihren 20. Geburtstag feiert, nur einen Teil der anfallenden Kosten übernimmt. Wer nicht genügend abgesichert ist, bleibe auf den Restkosten sitzen.

„Wer nicht möchte, dass fremde Personen mit einer richterlich eingerichteten Betreuung, über Vater, Mutter, Ehepartner oder Kind entscheiden, sollte umgehend eine Vorsorge-Vollmacht verfassen“, empfahl Urbas.

Pflegeunterstützung als umfangreiches Gebiet

Die Pflegeberaterin Sigrid Weseloh nahm Stellung zu den Fragen über die finanzielle Hilfe. Bei den Beantragungen der Pflegestufe oder diverser Mittel sei die Pflegekasse behilflich. „Jeder Pflegefall ist immer individuell zu betrachten und man kann viele Dinge einfach nicht verallgemeinern. Das Themengebiet ist zu umfangreich um alles heute zu erörtern.“ Ebenso sei es bei den Versicherungen fügte Urbas hinzu. Junge Menschen hätten ganz andere Ansprüche als ältere und da müsse individuell entschieden werden.

Scheffler von der SPD regte an, dass es die Möglichkeiten der Tagespflege und Demenzhotels gäbe. Informationen darüber bekäme man ebenfalls bei der Pflegekasse. Ebenso wies er daraufhin, dass ein Betreuungsgeld nichts mit Pflegegeld zu tun habe und separat beantragt werden kann. „Suchen Sie sich professionelle Hilfe, die es extra dafür gibt, bürden Sie sich nicht alles alleine auf“, weist Scheffler hin.

Aus der Versammlung kam auch einiges an Kritik: „Viele Hilfsmittel werden gar nicht gewährt und man bleibt auf sämtlichen Kosten alleine sitzen, obwohl man gar keine Schuld an diesem Zustand trägt. Außerdem möchte man junge Leute ja nicht in ein Altenheim stecken, wenn mal ein Urlaub gemacht werden will. Desweiteren gibt es für einen Menschen der im Rollstuhl sitzt keinen Ersatzrollstuhl. Wenn also etwas kaputt ist und dieser eingeschickt werden muss dann ist dieser Mensch ans Bett gefesselt, wenn man sich keinen Ersatz leisten kann.“

Berechtigte Kritik, wie auch Scheffler fand. Daher bot er die Hilfestellung bei einer Petition an, die dann zum Landtag nach Düsseldorf eingeschickt werden solle. Alles in Allem war es ein informativer Abend, der vielen Bürgern auch Klärung in einigen Bereichen bot.

Von Andrea Kellermann-Michels

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