Jahresstatistik der Awo-Schuldnerberatung

Schulden haben oft persönliche Gründe

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Neuenrade - 40 Ratsuchende hat die Schuldnerberatung der Awo in Neuenrade im vergangenen Jahr langfristig beraten. Das geht aus dem Jahresbericht des Unterbezirks Hagen-Märkischer Kreis hervor. Die häufigsten Ursachen finden Sie in unserer interaktiven Infografik.

Bezogen auf die Einwohnerzahl der fünf Städte und Gemeinden, die in die Statistik einfließen, kommen in Neuenrade die wenigsten Schuldner zur Awo: Pro 1000 Einwohner hat die Schuldnerberatung dort 3,3 Klienten. Schlusslicht ist in der Hinsicht Altena mit 8,2 Klienten pro 1000 Einwohner. Die Zahl der zu beratenden Schuldner ist im Unterbezirk insgesamt zurückgegangen.

61 Fälle konnten in Neuenrade im Jahr 2016 abgeschlossen werden, 25 waren Neuzugänge und 15 Fälle wurden aus dem vergangenen Jahr übernommen. Rund drei Viertel der Klienten kamen aus Eigeninitiative zur Awo-Schuldnerberatung. Die meisten lassen sich wegen einer Verbraucherinsolvenz beraten.

Viele haben Probleme mit der Bank

Meist handelt es sich um Bankschulden (70 Prozent der Fälle). Die Hälfte hat sich durch Warenlieferungen verschuldet. Auch Telekommunikationsdienstleistungen (42,5 Prozent), Versicherungsbeiträge (37,5 Prozent) und Mietrückstände (27,5 Prozent) sind häufige Gründe, aus denen sich Menschen in Neuenrade überschulden (Mehrfachnennungen möglich).

Bei etwa einem Viertel der Betroffenen liegt der Grund für die Probleme in ihrer unwirtschaftlichen Haushaltsführung. Diese ist häufig in der Persönlichkeit der Klienten begründet. Oft wissen diejenigen zu wenig über Kredit- und Konsumangebote oder überschätzen ihre eigene Zahlungsfähigkeit. Weitere häufige Gründe sind Arbeitslosigkeit, ein langfristig zu niedriges Einkommen (jeweils 20 Prozent) oder Krankheit und Sucht (15 Prozent).

Mehr als 100.000 Euro Schulden

Fast ein Drittel der betroffenen Menschen hat Schulden in Höhe von 25.000 bis 50.000 Euro aufgebaut. Jeder Zehnte (vier Fälle) hat mehr als 100.000 Euro Schulden. Im Durchschnitt hat jeder der beratenen Schuldner ein Kind. Immerhin jeder Zehnte hat gleich fünf Kinder. Unter den Schuldnern finden sich zunehmend auch Frauen, die in Neuenrade fast die Hälfte ausmachen. Mehr als jeder Zweite ist verheiratet.

Ein erstes Beratungsgespräch erfolgt nach Angaben der Awo normalerweise innerhalb von vier Wochen. Für ein Verbraucherinsolvenzverfahren liegt die Wartezeit in Neuenrade bei etwa zehn Monaten. Empfänger von Arbeitslosengeld II mit einem Gutschein vom Jobcenter werden demnach ohne Wartezeit beraten.

Wegen der geringen Zahl von 40 Fällen sind die Zahlen nicht unbedingt mit anderen Statistiken zu vergleichen.

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