30 Jahre Senioren Union: ein Stimmungsbild aus Neuenrade

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Professor Dr. Otto Wulf.

Neuenrade - Nichts ging mehr rund um den Kaisergarten, die Parkplätze waren belegt und der große Saal war gut gefüllt. Der Kreisverband der Senioren Union feierte 30-jähriges Bestehen.

Damen und Herren, meist jenseits des Renteneintrittalters, füllten den Saal. 

Auf der Bühne: Die Oldies aus Höven, die zwischendurch vollmundig Blasmusik präsentierten. „Wie ein Mann“, flüsterten bewundernd zwei Seniorinnen schon beim Auftakt, als die Oldies gekonnt „Anker gelichtet“ intonierten. Das Publikum unterschied sich nicht nur altersmäßig von jenem bei gleichartigen Veranstaltungen. Kein Smartphone blinkte, alle hörten zu, wenn möglich. Für die Anwesenden in den hinteren Reihen musste Bürgermeister Antonius Wiesemann bei seinen Grußworten das Mikro nahe zum Munde führen, damit ihn auch diese Gäste hörten. 

Einige waren nicht gekommen

Einige waren nicht gekommen: Der Landrat fehlte („Terminschwierigkeiten“) genauso wie die beiden Landtagsabgeordneten Thorsten Schick und Marco Voge („Sitzungswochen und knappe Mehrheiten“), ein weiterer Gast ließ sich mit einer Zahn-Op entschuldigen. Dennoch hatten sie Grußworte hinterlassen, die verlesen wurden.... 

Hauptredner an diesem Donnerstagmittag war jedoch Professor Dr. Otto Wulf. Der ist immerhin Bundesvorsitzender der Senioren Union und ist auch im Bundesvorstand der CDU. Er ist Chef von 55 000 zahlenden Mitgliedern. Dass die Senioren in der Union eine Größe sind, skizzierte er in seiner Rede. Die Senioren sollten sich ihrer Macht bewusst sein und sich aktiver politisch einbringen. „Die große Anzahl der Älteren stellt den größten Anteil der Wähler.“ 

"Politik wird in Gesprächen gemacht"

Wulf äußerte sich massiv politisch. Die Union müsse sich wieder mehr als Volkspartei etablieren und Konservative, Liberale und Soziale unter dem Mantel der CDU vereinen. Politik werde vor der Haustür und im Gespräch gemacht und nicht in Talkshows. Er sprach von der Wertegemeinschaft der Europäischen Union, gar von den Vereinigten Staaten von Europa (der Nationen). Die Senioren sollten zudem die Digitalisierung annehmen und sich ständig weiterbilden. Er warnte vor Nationalisten, warnte vor Wirtschaftsflüchtlingen und mahnte an, eine neue Art von Entwicklungshilfe in jenen Ländern zu etablieren, von denen sich die Menschen jetzt gen Europa aufmachen. Es gelte zudem die Werte der christlichen Gesellschaft, der Verfassung zu verteidigen. 

Wulf ist immer noch wer in der CDU. „Die hören zu, wenn ich etwas sage.“ Gleichwohl wollte er sich zu den Kandidaten um den Bundesvorsitz nicht äußern. Doch soviel sagte er immerhin: „Es wird knapp.“ Das Stimmungsbild unter den Anwesenden ist durchaus differenziert. Dabei ist für einige Befragte eine Teilung der Macht eine Option. 

Merz "ein bisschen zu alt"?

Hildegard und Manfred Michallik aus Neuenrade, aber auch Christiane Müller aus Lüdenscheid können sich eine Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer mit einem Kanzler Friedrich Merz durchaus vorstellen. „Eindeutig Merz“ hieß es an einem anderen Tisch. Ein Mitglied der Senioren Union aus Herscheid fand Friedrich Merz „ein bisschen zu alt“ für die angestrebte Aufgabe. Man soll doch dafür sorgen, dass „ein bisschen Jüngere“ ans Ruder kämen. Keine Option bei den Befragten war Jens Spahn, was wohl im Münsterland ganz anders aussieht.

Von Peter von der Beck

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