400 Jahre alte Eiche im Stadtpark gefällt: Das wird aus dem Stammholz

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Rund 400 Jahre stand diese Eiche im Neuenrader Stadtpark, ehe sie in der vergangen Woche von Mitarbeitern der Firma Ernst gefällt werden musste, weil die Standsicherheit nicht mehr ausreichend gegeben war.

Neuenrade - Mit einem gewaltigen Donnern fällt eine der letzten „1000-jährigen Eichen“ im Stadtpark zu Boden. Eine beeindruckende Szene selbst für die routinierten Forstarbeiter der Firma Ernst aus Altenaffeln.

Viele der Anwesenden äußern aber auch ihr Bedauern, dass solch ein Naturwunder gefällt werden musste. Ein zufällig vorbei kommender Passant meint: „ In dem hohlen Baum habe ich schon als Kind gespielt. Schade, dass er jetzt am Boden liegt.“ So dürften wohl einige Neuenrader empfinden. 

Die Entscheidung zur Fällung der Eiche ist nicht leicht gefallen, aus Sicherheitsgründen war diese jedoch unvermeidlich. Und tatsächlich zeigte sich nach dem Fällen deutlich, dass der Baum wirklich stark beschädigt und nicht mehr zu retten war. 

Wall-Brettchen-Projekt ist geboren

Die „1000-jährigen Eichen“, wie die Eichen im Stadtpark von den Neuenradern genannt werden, wurden vermutlich vor etwa 400 Jahren gepflanzt und sind damit ein echtes Stück Stadtgeschichte. Dieser Gedanke hat drei Neuenrader inspiriert etwas Sinnstiftendes aus diesem uralten Baumriesen zu schaffen. Nach einigen Überlegungen war das „Wall-Brettchen-Projekt“ geboren. 

Claudius Schulte (links) und Andreas Raphael machen aus dem Stammholz Frühstücksbrettchen.

Der Stamm soll nun aufgeschnitten, zwei Jahre zum Trocknen gelagert und schließlich zu Brettchen verarbeitet werden. Diese werden mit einem Branding und einer Urkunde versehen. So entsteht ein geschichtsträchtiges Utensil für alle Neuenrader, ein außergewöhnliches Geschenk oder ein Souvenir für Besucher der Hönnestadt. „Darüber hinaus soll aus diesem Zeugen der Stadtgeschichte, Zukunft für die Stadt gestaltet werden“, sagt der Produktdesigner Andreas Raphael. Die drei Initiatoren des Projekts, neben Raphael sind dies noch Claudius Schulte und Christian Paul, wollen nämlich mit einem Teil des Erlöses aus dem Brettchenverkauf ein zukunftsweisendes Projekt der ortsansässigen Vereine oder Initiativen unterstützen. Genauere Pläne gibt es hier aber noch nicht. 

Stamm wird gesichert und weiter verarbeitet

„Wichtig war uns, dass der brauchbare Stamm zunächst einmal gesichert ist und jetzt weiter verarbeitet werden kann“, sagt einer der Initiatoren. Dabei erweist sich der Transport des etwa sechs Tonnen schweren Stammes schon als erste große Herausforderung. Es gibt nämlich kaum ein Gerät, das diesen mal so eben heben könnte. Es wird sich aber kurzfristig eine Lösung finden, so sind sich alle Beteiligten sicher. 

Die drei Männer, die sich hier zusammengetan haben, sind alle dem Werkstoff Holz sehr verbunden: Claudius Schulte, der gerne künstlerisch mit Holz und Motorsäge werkelt und dessen Familie schon seit Generationen in der Forstwirtschaft tätig ist. Andreas Raphael, der nach seiner Schreinerlehre Architektur in Münster studierte und als Produktdesigner den Werkstoff Holz sehr schätzt. Der dritte im Bunde ist Christian Paul, der als Meister im Schreinerhandwerk mit seinem Tischlerservice stadtbekannt ist. 

Die drei Initiatoren wollen das Ladenlokal an der Ersten Straße, in dem sich das „Subraumstudio“ – das Büro von Designer Andreas Raphael sowie der Firmensitz der gemeinsamen „free*spee GbR“ befindet, als Informationszentrale zum Projekt nutzen. 

Gute Kooperation mit der Verwaltung

Dankbar äußern sich die Initiatoren über die gute Kooperation mit der Stadtverwaltung. Bürgermeister Antonius Wiesemann ließ sich direkt für die Idee begeistern: „Die alte Eiche vom Wall für ein zukunftsweisendes Projekt einzusetzen, das ist Kreativität, die sich gut mit meiner Naturverbundenheit vereinbaren lässt“, sagte das Stadtoberhaupt im Gespräch mit Schulte, Raphael und Paul. Und so konnte das Projekt kurzfristig und unbürokratisch gestartet werden.“ 

Die drei Neuenrader wollen auch einen kleinen Denkanstoß mit dem Projekt setzen: „Wenn man morgens auf 400 Jahre altem Holz sein Brot schneidet, dann lehrt einen dieser alte Baum im besten Fall vielleicht ein wenig Demut und weckt die Erinnerung an unsere Verantwortung für die Natur und zukünftige Generationen.“ 

An der Stelle, wo bis vor ein paar Tagen der Baumriese stand, wird übrigens eine Ersatzpflanzung vorgenommen. Waren zunächst drei kleinere Eichen geplant, soll es nun ein Baum werden, der bereits über einen Stammdurchmesser von 18 bis 20 Zentimeter verfügt. Darauf hatte sich die Lokalpolitik im Oktober auf Vorschlag der SPD geeinigt.

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