Fit für 100 Jahre

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Iris Lemke (links) leitet zweimal in der Woche das Fitness-Programm „Fit für 100“. Hier weist sie Helene Taßler beim Hanteltraining ein. ▪

NEUENRADE ▪ Krafttraining – das Wort weckt Gedanken an Muckibuden, in denen braun gebrannte Goldkettchen-Träger in hautengen Muskelshirts Hanteln stemmen.

Da, wo Regina Schnabel ihren Körper fit hält, erinnert wenig an die gängigen Klischees: Hier steht keine einzige Kraftmaschine. Hier tragen die Sportler Hemden, Blusen und lange Hosen. Hier sitzen die Aktiven in einem Stuhlkreis und hantieren mit Hanteln und Gewichtsmanschetten.

„Und noch einmal anheben“, sagt Iris Lemke. Die Chefin des gleichnamigen Haus- und Krankenpflegedienst fordert und fördert die Teilnehmer, die alle über 70 Jahre alt sind. Durch eine Weiterbildung erlangte Iris Lemke das Zertifikat zur „Fit für 100“ Trainerin. Seit rund einem Jahr findet das Training nun bereits statt.

Ziel der zweimal wöchentlich stattfindenden Bewegungsstunden ist eine Verbesserung der Alltagskompetenzen. Die Teilnehmer sollen (wieder) in die Lage versetzt werden, eigenständig Verrichtungen des täglichen Lebens wie aufstehen, gehen, Treppen steigen, Körperpflege selbst ausführen zu können oder die Pflegekraft bei pflegerischen Maßnahmen aktiv zu unterstützen. Auch zur Sturzprophylaxe soll mit dem Training ein Beitrag geleistet. Denn: „Die vielfältigen Koordinationsübungen schulen vor allem die Gleichgewichtsfähigkeiten“, sagt Iris Lemke. Die notwendige Grundlage dafür werde durch die Kräftigungsübungen geschaffen. Das Bewegungsangebot helfe vor allem hochaltrigen und an Demenz erkrankten Menschen Alltagshandlungen möglichst lange selbstständig verrichten zu können, denn nachlassende Kraft sei nur allzu oft ein Faktor, der im Alter leistungsbegrenzend wirke.

Insgesamt gehören zum Training zehn Übungen, die durch gleiche Geschicklichkeits- und Konzentrationsspiele ergänzt werden.

So sollen die Teilnehmer beispielsweise eine zusammengerollte Zeitung auf der Handfläche balancieren. „Gar nicht so einfach“, sagt Regina Schnabel. Immer wieder fällt die Zeitung von der Hand der 88-Jährigen. Doch dann gelingt ihr das scheinbar Unmögliche

. Die Zeitung bleibt senkrecht stehen. Schnabel lacht. „Schauen Sie mal!“ Begeisterung, die spürbar ist.

Erfolgserlebnisse, die neben der körperlichen Fitness den Teilnehmern mindestens genau so gut tun. Erfolgserlebnisse haben die Senioren auch bei der Steigerung der Gewichte, was Muskelaufbau bedeutet – das wiederum wichtig ist: Sie halten den Körper beweglich, Knochen und Gelenke werden gestützt und dadurch entlastet.  

„Unsere Teilnehmer“, sagt Iris Lemke, „leben durch den Sport nicht unbedingt länger – aber sie leben länger selbstständig. Und das ist wichtig. Das Training zeigt, dass es nie zu spät ist, etwas für die Fitness zu tun.“ Krafttraining mal anders – abseits der Klischees. Für wirklich starke Menschen.

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