Photovoltaik

Investoren wollen im MK Solarstrom statt Heu ernten

Zwischen dem Flugplatz Küntrop (am oberen Bildrand zu erkennen) und dem Gewerbegebiet an der Hönnestraße könnte auf einer landwirtschaftlichen Fläche (rot markiert) eine Photovoltaik-Anlage gebaut werden.
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Zwischen dem Flugplatz Küntrop (am oberen Bildrand zu erkennen) und dem Gewerbegebiet an der Hönnestraße könnte auf einer landwirtschaftlichen Fläche (rot markiert) eine Photovoltaik-Anlage gebaut werden.

Geht es nach zwei Investoren aus dem Märkischen Kreis und dem Kreis Unna, dann soll auf einer Wiese zwischen Küntrop und Garbeck bald Strom anstatt Heu geerntet werden. Sie möchten dort eine große Freiluft-Photovoltaikanlage errichten. Mit einem entsprechenden Antrag befasst sich schon die Neuenrader Politik.

Küntrop ‒ In diesen Corona-Zeiten ist das Thema Klimaschutz zwar bundesweit ein wenig ins Hintertreffen geraten – nicht so aber in Küntrop. Der Hagener Energiekonzern Mark-E hat im März gemeinsam mit der Fröndenberger Firma Entegro Photovoltaik-Systeme GmbH einen Antrag an den Rat der Stadt gestellt. Sie wollen im Neuenrader Stadtteil eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage errichten, wozu der entsprechende Bebauungsplan geändert werden soll. Eine Entscheidung soll Ende April in der kommenden Ratssitzung gefällt werden.

Die Ratsfraktionen bereiten sich derzeit auf diese umwelt- und energiepolitische Weichenstellung vor. Während FDP-Fraktionssprecher Jan Schäfer darauf verweist, dass die liberale Fraktionssitzung vor der Ratssitzung noch abzuwarten sei, hat die SPD sich bereits klar für das Projekt ausgesprochen. Deren Fraktionssprecher Thomas Wette teilt mit: „Wir haben uns Ende März das Projekt in einer Videokonferenz von Mark-E und der Entegro erläutern lassen. Nach langer und intensiver Diskussion sind wir zu dem Schluss gekommen, das Vorhaben unter bestimmten Voraussetzungen zu unterstützen.“

Bürgerbeteiligung soll möglich sein

Eine diese Voraussetzungen sei die Einfriedung des Solar-Parks mit einer Hecke, „damit dort Vögel und Kleintiere ungestört brüten können“. Zudem fordern die Sozialdemokraten, die Wiese mit einer Wildblumenmischung zu bepflanzen, was den Bienen hilfreich wäre. Die einzurichtende Betreibergesellschaft solle ihren Sitz in Neuenrade haben, „damit die Stadt Nutznießerin der Gewerbesteuer“ werde. Schließlich sollte den Bürgern der Stadt eine Beteiligung ermöglicht werden, auch schon „mit kleinen Einsätzen von etwa 1000 Euro“.

Die Neuenrader Christdemokraten haben das Mark-E-/Entegro-Angebot einer Videokonferenz bisher nicht in Anspruch genommen. CDU-Parteichef Marcus Dunker verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass „im Fachausschuss nähere Informationen eingefordert“ werden sollten. Er betont: „Zu diesem Zeitpunkt ist schwer absehbar, ob die vorgesehene Fläche für die Landwirtschaft oder die heimische Industrie abkömmlich ist.“

Probleme durch Reflexionen prüfen

Für die Freien Wähler teilt deren Fraktionsvorsitzender Bernhard Peters indes schon vor den Ausschuss- und Ratssitzungen mit: „Die FWG wird das Projekt befürworten.“ Er argumentiert: „Die Fläche ist nach unserem Kenntnisstand nicht als Erweiterungsfläche für die Industrie nutzbar. Die Solartechnik erzeugt keine Lärmemissionen. Ob es möglicherweise Probleme durch Reflexionen für den Flugverkehr gibt, ist noch zu prüfen.“ Jedoch favorisiere seine Fraktion „Solartechnik auf Haus- und Industriedächern“.

Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen schließlich „begrüßt alle Möglichkeiten des Ausbaus der Erzeugung regenerativer Energien auf Neuenrader Stadtgebiet“, unterstreicht deren Fraktionssprecherin Christiane Vollmer. Sie führt weiter aus: „Eine Präsentation von Entegro und Mark-E vor Ort im Dezember letzten Jahres hat unsere Fraktion angesprochen, wesentliche offene Fragen wurden kompetent beantwortet.“ Abschließend teilt die Kommunalpolitikerin für ihre Fraktion mit: „Wir werden das weitere Verfahren konstruktiv begleiten.“

Eigentümer würde wohl verpachten

Die in Betracht gezogene Fläche liegt im Küntrop Gewerbegebiet, konkret zwischen der Kreisstraße K12 und der Bahnlinie. Das Gebiet sei mit Hecken umpflanzbar und eine Hochspannungsleitung verlaufe in der Nähe, argumentiert der Solarstrom-Direktvermarkter Entegro.

Der Anschluss erfolge gegebenenfalls durch Erdkabel. Zudem sei eine Verbindung zur in der Nähe verlaufenden Bahntrasse möglich. Die Eigentümerin der in Privatbesitz befindlichen Grundstücke ist laut Entegro-Aussage bereit, diese zu verpachten.

Bei Errichtung einer Photovoltaik-Anlage werde laut Mitteilung des Fröndenberger Unternehmens die Fläche nicht versiegelt. Die notwendigen Rammpfosten wären rückbaubar. Das Gelände würde mit einem zwei Meter hohen Zaun eingefasst, sodass Vandalismus nahezu ausgeschlossen bliebe.

Strom für fast 3000 Haushalte

Im Betrieb würden die Photovoltaik-Module online überwacht. Der Betreiber übernehme die Wartung, wozu auch gehöre, dass er die Rasenflächen mähe. Die Entegro GmbH hat nach eigener Auskunft bereits 21 derartige Solar-Parks errichtet. In Küntrop sollten künftig jährlich 8.9 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Eine Bürgerbeteiligung sei „bei Bedarf“ möglich.

Der Fröndenberger Solarstrom-Direktvermarkter wirbt für sein Vorhaben, indem er darauf verweist, dass mit der Küntroper Fläche 63 Tanklastzüge Heizöl eingespart werden könnten. Versorgt werden könnten von dort aus 2950 Vier-Personen-Haushalte.

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