Interkommunal: Chancen, Risiken, Fehlschläge

NEUENRADE ▪ Dass das neue Schlagwort „Interkommunal“ im Grunde nichts Neues ist, das machte Bürgermeister Klaus Peter Sasse jüngst deutlich. „Das Rad wird hier nicht neu erfunden“.

Wer mit wem und wie und warum zusammenarbeitet, präsentierte der Bürgermeister an vielen Beispielen. Freud und Leid liegen hier dicht beisammen. Und es tun sich tatsächlich Chancen auf, Möglichkeiten wurden aber auch vertan.

So strebten zum Ende der Nuller-Jahre eine Hand voll Städte schon eine Zusammenarbeit an. Reichlich Treffen gab es mit Werdohl, Altena, Nachrodt, Hemer. „Ganz lange Listen“ wurden abgearbeitet, monatelange und „gutwillige“ Diskussionen habe es gegeben. Und am Ende sei alles in einer Akte verschwunden, sagte Sasse.

Und es gibt natürlich die Zweckverbandsmodelle, die zum Teil erfolgreich laufen: die VHS Lennetal, die Musikschule, die KDVZ, die Drobs. Schuldnerberatung. Gar Vereinbarungen mit übergeordneten Behörden wie das Stadtbrandinspektor-Runte-Modell. Der Feuerwehrmann arbeitet beim aber eben auch für einen Tag pro Woche in Neuenrade; Es gibt die erfolgreiche Kooperation mit Werdohl in Sachen Berufsorientierungsmesse. Und auch die Kooperation zwischen Schulen, wie Gemeinschaftsschule und BGA gehören zu den gut laufenden Dingen. Regelmäßig treffen sich zudem die kleinen Städte des Kreises, um sich auszutauschen und zusammen zu arbeiten.

Sasse verweist zudem auf den „kleinen Dienstweg“ – auf dem passiere viel abseits der Öffentlichkeit. So besitzt die Stadt Plettenberg eine Kunstrasenwiederaufarbeitungsmaschine, die sie gerne auch den Neuenradern zu Verfügung stellt. Und die Plettenberger bieten aktuell ihren kamerabestückten Wagen zur Kanalüberprüfung an. Da arbeiten die Neuenrader allerdings bislang mit einem Privatunternehmen zusammen. Da tue sich auch mögliches Konfliktpotenzial auf, mahnte Sasse.

Eine Zusammenarbeit mit Altena wird es wohl in Sachen Bücherei geben. Wenn in der Neuenrader Stadtbücherei Bibliothekarkenntnisse vonnöten sind, dann kann Altena das liefern. Hier laufen Verhandlungen.

So gibt es noch verschiedenste Projekte: So wird über einen „interkommunalen Bürgerwindpark“ im Dreiländerecke Balve, Neuenrade und Hemer ernsthaft nachgedacht; das interkommunale Industriegebiet Küntrop-Garbeck ist immer mal wieder Thema und überhaupt orientiert man sich häufiger hönneabwärts: Die Verwaltung hat den Kulturshuttlebus installiert, der Neuenrader zu kulturellen Ereignissen nach Balve und zurückbringt – das sei noch ausbaufähig, hieß es.

Doch vieles wird ausgebremst. Das gemeinsame Jugendamt der Balver und Neuenrader wird nichts, weil Bundesgesetze das nicht zulassen würden. Und noch eins fällt flach. „Dabei hätte es so schön sein können“, sagte Sasse. Ein gemeinsames Bauordnungsamt (mit Genehmigungsbehörde) der beiden Kleinstädte. Man hätte Leute eingestellt und selbst bezahlt. Doch das wird aus Kostengründen nicht Realität. Denn, der Kreis würde trotzdem weiter die Kreisumlage in voller Höhe erheben, erläuterte Sasse. Das wäre „eine schicke Sache“ gewesen, mit „viel Bürgernähe“.

Und ein gemeinsamen Bauhofprojekt von Balve und Neuenrade, das wird immer mal diskutiert. Das sei aber nicht so unproblematisch. Bisher sei der Neuenrader Bauhof so in die Verwaltung integriert, dass er auch Vereine in vielen kleinen Dingen unterstützen könne. Ein von zwei Kommunen geführter Eigenbetrieb könne da nicht so leicht helfen. Und das Sparpotenzial sei relativ gering, sagte Sasse und verwies auf Bestrebungen zwischenAltena und Nachrodt.

Nun tun sich noch neue Optionen auf: Ordnungsamt oder Standesamt, da geht noch was, ließ der Bürgermeister durchblicken und wie sich eine Verwaltung angesichts des demographischen Wandels interkommunal aufstellen müsse, auch darüber werde sich nicht nur die Politik Gedanken machen müssen. ▪ Peter von der Beck

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