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Innovative Klimaschutz-Ideen: Sonnenbrillen aus recycelten Fischernetzen

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Von: Carla Witt

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Die Preisträger „Gutes Vorbild Klimaschutz“ wurden am Dienstag im Rahmen des Wirtschaftsfrühstücks im Kaisergarten ausgezeichnet.
Die Preisträger „Gutes Vorbild Klimaschutz“ wurden am Dienstag im Rahmen des Wirtschaftsfrühstücks im Kaisergarten ausgezeichnet. © witt

Die Unternehmen aus Neuenrade sind einfallsreich, wenn es um den Klimaschutz geht. Das wurde jüngst bei einem Treffen deutlich, bei dem Ideen ausgetauscht und Auszeichnungen verliehen wurden.

Neuenrade – Sonnenbrillen, deren Gestelle aus ausgedienten Fischernetzen bestehen, Schulbücher, die auf Graspapier und mit veganen Farben gedruckt sind, aber auch Photovoltaik-Anlagen zur klimafreundlichen Energiegewinnung und umweltfreundliche Verpackungsmaterialien – die Neuenrader Unternehmer und Gewerbetreibenden sind einfallsreich, wenn es um den Schutz von Umwelt und Klima geht.

Fünf von ihnen sind am Dienstag im Rahmen des Wirtschaftsfrühstücks im Kaisergarten mit dem Preis „Gutes Vorbild Klimaschutz“ belohnt worden. Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) freute sich über die Bewerbungen für den Preis. „Sie beweisen, dass den Neuenrader Unternehmern und Gewerbetreibenden das Thema wichtig ist.“

Stadtmarketing-Geschäftsführerin Sandra Horny – sie zeichnete die Preisträger gemeinsam mit Klimaschutzmanager Simon Mai aus – lobte ebenfalls das große Engagement der Beteiligten: „Es ist schwer, die Bewerbungen zu werten. Alles, was für Umwelt und Klima unternommen wird, ist gut.“ Aus diesem Grunde gebe es keine Platzierungen, sondern nur gleichwertige Preisträger.

Zum Auftakt stellte Dr. Sarah Schniewindt die Projekte der Schniewindt GmbH & Co. KG vor. „Bis 2030 wollen wir klimaneutral werden“, berichtete die Geschäftsführerin, dass sich das Unternehmen an der entsprechenden Klimainitiative der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) beteilige.

Dieses Ziel könne allerdings nur mit vielen kleinen Schritten erreicht werden, dazu gehöre beispielsweise die neu erbaute E-Bike-Ladestation, deren Dach mit Solarpaneels ausgestattet sei.

Die Idee dazu hätten zwei Ausbildende gehabt, die als Energiescouts geschult wurden und jetzt noch weitere Möglichkeiten entdeckt hätten, die helfen könnten, das große Ziel zu erreichen. Weiter berichtete Dr. Schniewindt, dass momentan eine Halle energetisch saniert und somit demnächst klimaneutral werde.

Die Maßnahmen der Echterhage Holding GmbH & Co. KG präsentierte Geschäftsführer Sebastian Janik. Das Unternehmen sei auch in den Bereichen Umwelt und Energie zertifiziert. Ein Baustein seien in diesem Zusammenhang umweltfreundliche Verpackungen. Beispielsweise setze man dort, wo Luftpolsterfolie erforderlich sei, auf recycelte Produkte.

Eine Photovoltaik-Anlage, mit der acht Tonnen CO2 jährlich eingespart würden, sorge dafür „dass wir ein Drittel unseres Energiebedarfs selbst decken können“. Die Beleuchtung sei komplett auf LED umgestellt worden, und wenn es um Investitionen gehe, sei auch die Energieeffizienz der Maschinen ein Thema.

Wie auch die Firma Schniewindt fördere die Echterhage Holding die Nutzung von E-Bikes für die Mitarbeiter. Letztere lobte Janik ausdrücklinch: „Unsere Mitarbeiter ziehen auch konsequent mit, wenn es um das Einsparen von Energie geht.“

Seit knapp zwei Jahrzehnten seien Umwelt- und Klimaschutz ein Thema im Hagebaumarkt Arens & Hilgert, unterstrich der geschäftsführende Gesellschafter Jens Hilgert. „Wir haben unsere Photovoltaik-Anlage 2008 in Betrieb genommen, damals war es die größte im Sauerland“, sagte er.

Nach dem Auftakt der Beleuchtungskampagne im Jahr 2005 sei zunächst eine tageslichtabhängige Beleuchtungssteuerung eingeführt worden, inzwischen seien alle Bereiche auf LED umgestellt.

Kürzlich habe man eine etwa 500 Quadratmeter große Fläche im Bereich des Hüttenwegs entsiegelt und mit Rasen eingesät, zudem habe sich der Hagebaumarkt vor etwa fünf Jahren komplett aus dem Feuerwerksverkauf zurückgezogen. „Dabei geht es uns einerseits um Tierschutz, aber auch um die Feinstaubbelastung“, erläuterte Hilgert.

Eine E-Tankstelle mit vier Zapfsäulen, die auch nach Geschäftsschluss sehr gut angenommen werde, komplettiere den Maßnahmenkatalog.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Cavida GmbH. „Wir sind eigentlich ein Handelsunternehmen“, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Raphael. Cavida vertreibe Kleidung für Surfer. Doch die Surfponchos aus Polyester seien ihm ein Dorn im Auge gewesen. „Wir dachten, das können wir besser.“

Jetzt würden die Surfponchos für das Unternehmen aus zertifizierter Baumwolle, Viskose aus Bambus oder recyceltem Polyester hergestellt. Produziert werde in Pakistan und Portugal. „Wir schwenken aber gerade mehr in Richtung Portugal, weil die Baumwolle in Spanien angebaut wird“, setzt Raphael auf kurze Wege und somit auch weiter auf Umweltschutz.

Andere Produkte seien beispielsweise Sonnenbrillen mit Holzgestellen oder Gestellen aus Acetat, die aus recycelten Fichernetzen hergestellt wurden. „Wir haben zwar unseren Ursprung im Wassersport, sind inzwischen aber zu einem Lifestyle-Brand geworden“, so Raphael. Dass Cavida auf kunststofffreie Verpackungen oder im Einzelfall auf Verpackungsmaterial aus recyceltem Kunststoff zurückgreife, sei selbstverständlich.

Komplettiert werden die Preisträger durch „WachsMalBlöckchen – der nachhaltige Verlag für Freude am Lernen“. Frauke Beckers, die diesen Verlag gemeinsam mit ihrem Mann Tobias gegründet hat und seit kurzem in Neuenrade wohnt, vertreibt ein „stetig wachsendes Sortiment an Büchern und ökologischem Spiel- und Lernmaterial“.

Dazu gehören beispielsweise eingangs erwähnt Rechenbücher auf Graspapier und mit veganen Farben bedruckt, ökologische Wachsmalstifte und Rechenschnüre oder Rollmäppchen für Buntstifte und Co. aus Leinen und Baumwolle.

„Wir stehen für nachhaltige Bildung“, erklärte Frauke Beckers, dass sie ausschließlich auf plastikfreie und teils kompostierbare Verpackungsmaterialien zurückgreife. Ab August, so kündigte sie an, wolle sie in der Altstadt in ihrem „Lernstübchen“ pädagogische und lerntherapeutische Angebote unterbreiten.

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