Umgehungsstraße B229n

Gelbbauchunke versus Umgehungsstraße

Eine Gelbbauchunke aus einem Neuenrader Kleinstgewässer.
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Die vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke wurde auf dem geplanten Trassenverlauf der Umgehungsstraße nachgewiesen.

Neuenrade - Auf dem geplanten, ortsnahen Trassenverlauf der Ortsumgehung wurde eine seltene Amphibien art nachgewiesen. Es ist eine plnungsrelevante Art.

Der Paarungsruf der Neuenrader Gelbbauchunke hört sich ein bisschen an wie die ersten Übungsversuche eines Erstklässlers auf einer Blockflöte. Vor allem wenn mehrere Männchen Weibchen anlocken wollen, gibt es ein beeindruckendes Konzert. Das eher unscheinbare, krötenähnliche Tier hat einen gelb gepunktetem Bauch und sondert bei Gefahr ein schleimhaut-reizendes Gift ab.

Das Tier zählt zu den stark bedrohten Arten in NRW. Das Vorkommen der Tiere in Neuenrade verkompliziert mindestens die Planungen für den Trassenverlauf der Umgehungsstraße. Denn Bombina variegata wurde just dort entdeckt. Die Art ist planungsrelevant.

Entdeckt wurden sie auf dem Grund und Boden einer Neuenrader Familie, über deren Grundstück die Trasse verlaufen soll. Ein schönes Biotop mit Gewässer habe man da und es gebe auch noch Eisvögel und Fledermäuse. Die naturverbundene Familie – man spricht sich gegen die Umgehungsstraße aus – hat Tonaufnahmen, Filmaufnahmen und Fotografien der Gelbbauchunke. Unerkannt möchte die Familie bleiben, denn man befürchtet einen wie auch immer gearteten Ärger, zudem will man die Unken schützen, fürchtet gar einen Giftanschlag. Ein Experte, der im Auftrag von StraßenNRW dort gewesen sei, habe das Vorkommen der Unkenart bestätigt. In der Tat wird die Existenz der Unke auch vom Planungsbüro PBS bestätigt. „Das ist richtig, ein Exemplar ist dokumentiert.“ Ansonsten verweist man für tiefergehende Informationen an den Auftraggeber. Dass diese schützenswerte Art dort vorkommt, ist bei Straßen.NRW, wo man derzeit intensiv mit der Vorbereitung zur Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens befasst ist, bekannt.

Planung nicht automatisch tot

Das Planfeststellungsverfahren soll im Laufe der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres gestartet werden. Alle relevanten Untersuchungen und das Abschlussgutachten müssen dann fertig sein. Einzeluntersuchungen sind gelaufen. Beim Lanuv, das ist das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, weist der Sprecher Wilhem Deitermann, der zum konkreten Projekt nichts sagen möchte, auf einen wichtigen Aspekt hin. „Das Entdecken einer planungsrelevanten und geschützten Art bedeutet nicht, dass ein Bauprojekt automatisch gestorben ist.“ Vielmehr sei es möglich, einen Ersatz für den Lebensraum, eine Alternative für die bedrohte Art zu erstellen. Bei der Gelbbauchunke kämen Maßnahmen „1 zu 1“ in Frage. Das bedeutet, dass hinsichtlich Qualität und Quantität die Beeinträchtigung ausgeglichen werden muss. Die dauerhafte Funktionssicherheit muss gewährleistet sein.

Im Fall der Gelbbauchunke ist das sicher nicht einfach. In den Richtlinien ist es eindeutig vermerkt. Es gilt Entfernungen zu beachten und mindestens 20 Klein- und Kleinstgewässer müssen geschaffen werden, die regelmäßig trocken fallen. Denn die Unke nutzt eine Nische, pflanzt sich in periodisch auftretenden großen Pfützen fort – es können auch tiefe Fahrspuren sein –, weil sich dort keine Konkurrenz-Arten ansiedeln können. Basis all dieser Vorschriften ist das EU-Recht, das von der NRW-Justiz entsprechend adaptiert wurde.

Das weitere Vorgehen von Straßen.NRW ist klar. Sprecher Andreas Berg gab auf Nachfrage eine Stellungnahme ab: „Wir wissen nur von diesem einen Exemplar und werden nun Untersuchungen in Auftrag geben, um herauszubekommen, wie groß der Bestand ist.“ Im Frühjahr rechnen die Planer mit Ergebnissen. Auf der Datenbasis könne man dann zum weiteren Vorgehen Aussagen treffen. „Wir sind erst ganz am Anfang.“ Berg wies darauf hin, dass bei den vorhergehenden Plänen nichts von Unken bekannt gewesen sei.

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