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Impf-Grenzen gefallen: So groß ist der Andrang am Impfbus des Märkischen Kreises

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Von: Peter von der Beck

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Dr. Maria Gerken und Dr. Werner Falk impften am Dienstag im Impfbus des Märkischen Kreises mit Biontech. Der hatte am Kulturschuppen Station gemacht.
Dr. Maria Gerken und Dr. Werner Falk impften am Dienstag im Impfbus des Märkischen Kreises mit Biontech. Der hatte am Kulturschuppen Station gemacht. © von der Beck, Peter

Schon eine halbe Stunde vor Beginn der offiziellen Zeit warteten rund 30 bis 40 Impfwillige am Kulturschuppen in Neuenrade, um sich im Impfbus Biontech spritzen zu lassen.

Für Ärztin Dr. Maria Gerken war die Zahl der Wartenden dabei ein wenig enttäuschend. „Da war beim Impftermin am Baumarkt eine viel längere Schlange – und das bei Regen.“ Sie hatte daher mehr Impfwillige erwartet. Unterstützt wurde sie an diesem Tag von Dr. Werner Falk aus Ennepetal – ein Pensionär, der sich noch nicht zur Ruhe setzen will und auf diese Art und Weise „Land und Leute kennenlernt“. Angst vor Ansteckung hat der 70-Jährige nicht: „Das ist das gleiche Risiko wie bei Aldi.“ Verimpft werden sollte an diesem Tag möglichst Biontech, weil das Ablaufdatum für eine große Charge näher rücke.

Es ist ein besonderer Impftag, denn im Grunde sind die Impf-Grenzen am Dienstag gefallen. Wie die Pressestelle des Kreises auf Nachfrage vermeldete, darf nun die Auffrischungsimpfung (das Boostern) schon „drei Monate nach der 2. Impfung“ erfolgen. Und wer einen noch kürzen Abstand (mindestens vier Wochen nach der 2. Impfung) wünscht, der muss das „mit dem impfenden Arzt vor Ort klären“. Mit Einwilligungserklärung eines Elternteils dürfen nun auch Jugendliche ab zwölf Jahren wieder im Impfbus geimpft werden. Hier wies Dr. Gerken darauf hin, dass die Ersteimpfung bei den Jugendlichen allerdings zuvor bei einem Kinderarzt erfolgt sein müsse. Was Impfungen für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren anbelangt, so ist die Impfung „im Impfbus nicht möglich“.

Kombination aus medizinischen und politischen Entscheidungen

Dass das Land nun die Bestimmungen lockert, hängt nach Ansicht von Dr. Gerken mit der neuen Virus-Variante Omikron zusammen. Nur zweimal Schutz – das sei nicht so hervorragend, sagt sie. „Omikron ist hoch ansteckend. Wer dreifach geimpft ist, der ist besser geschützt.“ Dabei seien die neuen Vorschriften eine Kombination aus medizinischen und politischen Entscheidungen. Sie selbst lässt durchblicken, dass sie die Entscheidungen durchaus für richtig hält. Es sei eben eine Pandemie, die Sache entwickle sich eben.

Auf dem Vorplatz des Kulturschuppens tummelten sich am Dienstag die Impfwilligen.
Auf dem Vorplatz des Kulturschuppens tummelten sich am Dienstag die Impfwilligen. © von der Beck, Peter

Was die wartenden Impfwilligen anbelangt, so sind etliche dabei, die sich nur ungern impfen lassen. Eine junge Frau hat Angst, will aber mit dem Grund nicht herausrücken. Sie, genauso wie ihr Begleiter, sehen sich durch die Umstände gezwungen sich impfen zu lassen. Sie sind gekommen, um sich die zweite Impfung abzuholen.“ Man habe Angst, dass man durch die Impfung krank werde. Die Dritte wollen sie daher nicht. Auch ihr gesamter Freundes- und Bekanntenkreis denke da ähnlich.

Aufhebung der Sechs-Monats-Grenze

Ein anderer Impfwilliger ist gekommen, um sich boostern zu lassen. Er findet die Aufhebung der Grenzen „sehr gut“. Und überhaupt finde er „alles gut, was Karl Lauterbach“ sage. Und er hoffe, dass er sich nicht zu sehr von der FDP verbiegen lasse.

Unbefangen geht eine junge Frau an die Sache heran. Die Neuenraderin ist gekommen, um sich boostern zu lassen. Die Aufhebung der Sechs-Monats-Grenze will sie nicht kommentieren. „Ich bin keine Wissenschaftlerin.“ Sie habe da eben Vertrauen.

Impfung bisher nicht für notwendig erachtet

„Gezwungenermaßen“ ist ein junger Mann an diesem Tag nach Neuenrade gekommen. Er ist „ein Erstimpfer“, arbeitet als Postbote und sei es leid, sich laufend testen zu lassen. Auch mit dem Einkaufen werde es schwierig. Mit regelrechten Impfgegnern hat der junge Mann wohl nichts zu tun: Sein soziales Umfeld sei geimpft. Er habe es bisher nicht für nötig gehalten, sich impfen zu lassen. „Ich bin fit und glaube, dass ich mit einer Ansteckung fertig werden würde.“ Und es sei eine persönliche Sache. Er nehme ungern Medikamente und lege sich bei Kopfschmerzen lieber hin, statt Aspirin zu nehmen.

Am Ende werden 90 Menschen geimpft. Davon sind sieben Erstimpfer und drei Zweitimpfer. 80 Menschen lassen sich also boostern.

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