Imkerei in der Innenstadt

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Manuela und Patrick Preuß und Sohn Cilian widmen sich mitten in Neuenrade dem Hobby Imkerei. „Wir wollten etwas für den Naturschutz tun“. Auch Sohn Amon (rechts) kennt sich schon ein wenig mit Bienen aus.

Neuenrade - Im Hinterhof der Familie Preuß herrscht geschäftiges Treiben. Zielstrebig nutzen die Arbeiterinnen die Einflugschneise zwischen den Bäumen und landen zielsicher auf der kleinen Plattform vorm Eingang des Bienenstocks, zeitgleich machen sich andere wieder auf den Weg.

 Begleitet ist das alles von geschäftigem Summen. Hier wird gerade Honig im Akkord produziert. An der Kampstraße und nur einen Steinwurf von der City entfernt, stehen etliche Bienenstöcke. Sie gehören zur Familienimkerei Preuß. Slogan: „So schmeckt Neuenrade“. In der Tat, die Preußschen Bienen sammeln den Honiggrundstoff in all den Neuenrader Gärten, bestäuben nebenbei noch Obstbäume, Gräser und Blumen.

Gelegentlich schwärmen die Bienen auch mal aus – dann muss Familie Preuß die Bienen wieder einfangen. Erst jüngst musste Manuela Preuß ausrücken, um den Schwarm heimzuholen. Doch die Nachbarn hätten damit grundsätzlich kein Problem. Imkern in der Innenstadt – das geht also durchaus, denn die Bienen bereiten in der Regel niemandem Verdruss.

 „Wir imkern so, dass die Bienen möglichst gar nicht schwärmen“, sagt Patrick Preuß. Er sorge dafür, dass die fleißigen Honigproduzenten „genug Platz zum Bauen in ihren Kästen“ haben. Das hält die Bienen zurück und das Konfliktpotenzial niedrig. Preuß ist dabei überzeugt, dass die Bienen sich in der Stadt sehr wohl fühlen. Gärten mit einer Vielfalt an Blumen, Bäumen und Gräsern und kaum Einsatz von Insektenschutzmitteln – das komme den Bienen sehr entgegen.

 Auf dem Land außerhalb der Stadt hätten die Bienen doch meist mit Monokulturen und mehr Chemie zu tun. Im Sauerland sei es weniger schlimm, aber in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen Ostdeutschlands sehe das schon ganz anders aus. Gleichwohl: Familie Preuß hat Bienenstöcke auch außerhalb der City stehen: Am Hagebau und auch in Küntrop stehen Bienenstöcke. Hier geht es auch um die Rapsblüte.

Die Preußschen Bienen – aktuell besitzt die Familie insgesamt ein Dutzend Wirtschaftsvölker – sollen dort unter anderem Rapshonig produzieren. Ansonsten wird es eben Blütenmischhonig. Der Name „Familienimkerei Preuß“ trifft es im übrigen recht gut: Patrick und Manuela Preuß, Sohn Cilian und sicher auch die noch jüngeren Familienmitglieder sind wahre Bienenfreunde.

Daran ist Manuela Preuß nicht ganz unschuldig. Sie hegte von wenigen Jahren den Wunsch, Bienen anzuschaffen. Auch Patrick war gar nicht abgeneigt. „Wir wollten etwas für den Naturschutz tun“, heißt es unisono von der Familie. Schließlich nahm Patrick Preuß Kontakt zum hiesigen Imkerverein Werdohl-Neuenrade auf, wurde zu einem erfahren Imker in Werdohl vermittelt, der ihm mal „alles zeigte“ Lange Rede – kurzer Sinn: Zwei Tage später war Familie Preuß Besitzer eines Bienenvolkes. „So hat alles angefangen“, sagt Patrick Preuß. „Es ist zur einer Leidenschaft geworden“.

Inzwischen ist Patrick Preuß schon 2. Vorsitzender des Imkervereins Werdohl-Neuenrade und Sohn Cilian ist mit 12 Jahren jüngstes Mitglied des Vereins. Bienenzüchten und Honig ernten – das ist viel Arbeit. Und die Richtlinie, 10 bis 15 Arbeitsstunden pro Volk und Jahr, kommt zumindest bei Familie Preuß nicht hin: Die Pflege der Bienenstöcke, regelmäßiges Kontrollieren, das Vorbereiten der Rähmchen, in welchem die Honigwaben untergebracht werden, Reinigen, Bienenwachs einschmelzen, Honig schleudern, das Beproben und Abfüllen des Honigs – da kommt einiges an Zeit zusammen. „Es steckt viel Arbeit in einem Glas Honig“, sagt Patrick Preuß. Die Ernte ist aufwendig. Die Bienwaben, die zwischen kleinen Holzrähmchen stecken, werden dabei in einer Zentrifuge geschleudert, der Honig wird aufgefangen. Und anschließend mit Messgeräten auf den Wassergehalt überprüft. Der dürfe für den Verkauf einen bestimmten Prozentsatz nicht überschreiten. Und weil es sich um ein Lebensmittel handelt, würden natürlich auch alle notwendigen hygienischen Maßnahmen ergriffen, erläutert Patrick Preuß.

Die Insekten sind fleißig: Am Ende könne jedes Bienvolk zwischen 10 und 35 Kilogramm Honig pro Jahr produzieren.

Auch eine Schaubeute (Glaskasten mit kleinem Bienenvolk) gibt es an der Kampstraße. Wer sich also für das Thema Bienen interessiert, kann sich gerne bei Familien Preuß informieren. Die ist unter 02392/723740 erreichbar.

Von Peter von der Beck

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